Mogelpackung Plug-in-Hybride
Verbrauchswerte schocken selbst Experten

Autos mit Plug-in-Hybrid-Antrieb gelten als kraftstoffsparend. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass ihr Verbrauch deutlich über den offiziell angegebenen Werten liegt. Umweltschützer und Forscher fordern Konsequenzen.
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Eine Studie des deutschen Fraunhofer-Instituts zeigt, dass Plug-in-Hybride fast 300 Prozent mehr Kraftstoff verbrauchen als angegeben.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Plug-in-Hybride verbrauchen laut Studie bis zu 300 Prozent mehr Kraftstoff als angegeben
  • Porsche-Modelle verbrauchen im Entlademodus bis zu sieben Liter
  • Eine Million Fahrzeugdaten von 2021 bis 2023 wurden untersucht
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Lorenzo FulviRedaktor Auto&Mobilität

Plug-in-Hybride sind beliebter denn je. 2025 waren 11,2 Prozent aller eingelösten Neuwagen in der Schweiz solche Teilzeitstromer – im Vorjahr warens noch 8,7 Prozent. Autos mit Plug-in-Hybrid-Technik (PHEV) sollen dank ihres kombinierten Antriebs aus Verbrennungs- und E-Motor äusserst tiefe Verbrauchswerte erzielen und so die Umwelt viel weniger belasten als konventionelle Verbrenner. Die Hersteller prahlen in den WLTP-Angaben je nach Batteriegrösse mit Benzin- oder Dieselverbräuchen von rund einem bis drei Litern pro 100 Kilometer.

Dass es aber sehr schwierig ist, diese Werte auch in der Praxis zu erreichen, stellt Blick nicht nur in regelmässigen Tests immer wieder fest. Gleiches zeigt auch eine aktuelle Studie, die die deutsche «Tagesschau» auf tagesschau.de publiziert hat und an der unter anderem das Fraunhofer-Institut in Karlsruhe (D) beteiligt war. Für die Untersuchung wurden Daten von etwa einer Million diverser Plug-in-Hybridmodelle mit Baujahr 2021 bis 2023 ausgewertet. So konnte der reale Kraftstoffverbrauch der PHEVs ermittelt werden.

Verbrenner springt öfter an als gedacht

Laut der Studie verbrauchen die untersuchten Fahrzeuge durchschnittlich fast sechs Liter Kraftstoff und damit 300 Prozent mehr als in den Herstellerangaben der EU-Typgenehmigung vermerkt! Grund dafür sei, dass die Autos selbst im Entlademodus, wenn primär elektrische Energie aus der Batterie als Antrieb genutzt wird, durchschnittlich drei Liter pro 100 Kilometer verbrauchen.

Die Wissenschaftler um Patrick Plötz vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) vermuten, dass der Verbrenner dieser Autos viel häufiger anspringt als bisher gedacht. Laut den Daten zählen vor allem die PHEV-Modelle von Porsche zu den ineffizientesten. So verbrauchen die Autos des deutschen Herstellers im Entlademodus sogar bis zu sieben Liter – im Verbrennermodus noch deutlich mehr. Die niedrigsten Verbräuche der Statistik weisen die PHEVs von Kia, Toyota, Ford und Renault auf, die im Entlademodus sehr niedrige Verbräuche von teilweise unter einem Liter erreichen.

Porsche verweist in einer Anfrage des SWR auf die unterschiedlichen Nutzungsweisen, die den Verbrauch beeinflussen. Zudem meint ein Sprecher: «Die Verbrauchsangaben unserer Fahrzeuge basieren auf den gesetzlich vorgeschriebenen EU‑Messverfahren, die europaweit einheitliche und vergleichbare Werte sicherstellen. Abweichungen zu individuellen Realverbräuchen können durch unterschiedliche Nutzungsprofile und Randbedingungen entstehen.»

Realdaten nutzen, um Hersteller zu bestrafen

Da die Lücke zwischen theoretischem und tatsächlichem Verbrauch zu gross sei, fordern die Wissenschaftler nun, die EU-Regularien anzupassen. Tatsächlich sind die ermittelten WLTP-Verbräuche der PHEVs entscheidend für die sogenannten Flottengrenzwerte der Hersteller. Diese geben an, wie viel CO2 alle neu zugelassenen Fahrzeuge eines Herstellers im Schnitt ausstossen dürfen. Je tiefer der Verbrauch der PHEVs im WLTP-Verfahren liegt, desto geringer ist auch der CO2-Ausstoss für die gesamte Flotte.

Die Studie wirft daher viele Fragen auf, denn die Emissionen von Millionen von Fahrzeugen sind offenbar in der Praxis deutlich höher als auf dem Papier. Somit erreichen die Hersteller die Flottengrenzwerte nur theoretisch, nicht aber auf der Strasse. Deshalb fordert Studienleiter Plötz, dass reale Daten genutzt werden: «Wir können heute, weil es jetzt die Daten und die Infrastruktur gibt, aufhören, Fahrzeuge nach ihrer Typgenehmigung zu bewerten.» So sollen die Realdaten genutzt werden, um die Hersteller für den erhöhten CO2-Ausstoss zu sanktionieren.

PHEVs sind laut Deutscher Umwelthilfe Mogelautos

Die EU-Kommission äussert sich auf Anfrage des SWR noch nicht zur Studie. Der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) teilt ganz allgemein mit, dass die WLTP-Messung auf dem Rollprüfstand ein europaweit anerkanntes Verfahren sei. Für die Deutsche Umwelthilfe (DUH) waren Plug-ins schon immer eine Mogelpackung. «Die politische Aufwertung von klimaschädlichen Plug-in-Hybriden ist eine klima- und industriepolitische Sackgasse. Sie verlängert künstlich die Ära des Verbrennungsmotors, gefährdet die Klimaziele und bindet Investitionen, die wir für echte Nullemissionsfahrzeuge brauchen», erklärt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch gegenüber SWR.

Plug-in-Hybride sind nur dann sinnvoll für die Umwelt, wenn man sie bei jeder Gelegenheit einstöpseln und aufladen kann. Aktuell prüfen EU-Politiker Vorschläge, um Geofencing-Technologien zu erlauben, die sicherstellen, dass Plug-ins in Städten nur elektrisch fahren.

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