Die Strategie «FutuREady» folgt auf «Renaulution»
Die Pläne von Renault-CEO Provost für seine drei Marken

Mit einer Modelloffensive und chinesischem Entwicklungstempo will CEO François Provost die Renault Group in die Zukunft führen. Welche Ziele hat er für Renault, Dacia und Alpine?
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Renault-CEO François Provost verordnet dem französischen Autohersteller ein «chinesisches» Entwicklungstempo.
Foto: Philippe SERVENT

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Renault-Chef Provost präsentiert neue «FutuREady»-Strategie für Elektrifizierung und Wachstum
  • Das Renault-Entwicklungszentrum in China verkürzt E-Auto-Entwicklung auf 21 Monate
  • Bis 2030: 36 neue Modelle – davon 22 Modelle für Europa, darunter 16 elektrische
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Gabriel KnupferRedaktor News

Gemeinsam mit Nissan und Mitsubishi war Renault vor zehn Jahren einer der grössten Autohersteller der Welt. Inzwischen ist das Verhältnis zu den Japanern aber abgekühlt, und die Hersteller weisen ihre Verkäufe nicht mehr gemeinsam aus. Die Renault Group konzentriert sich stattdessen auf ihre Marken Renault, Dacia und Alpine.

Im letzten Sommer übernahm François Provost (57) als neuer CEO von Luca de Meo (58). Er soll den Autohersteller auf Kurs bringen, der zeitweise unter de Meo an der Börse 13 Milliarden Euro wert war. Aktuell beträgt die Marktkapitalisierung noch 8,4 Milliarden Euro.

Nun stellte der Franzose seine Strategie mit dem Namen «FutuREady» vor. Sie knüpft an den «Renaulution»-Plan an, mit dem de Meo 2021 den Fokus auf Profitabilität und Elektrifizierung gelegt hatte. Blick hatte die Gelegenheit, Provost im Rahmen eines Mediengesprächs über die neuen Pläne zu befragen.

Entwicklungszentrum in China

Egal ob VW, Stellantis oder eben Renault: Die drängendste Herausforderung für die europäische Autoindustrie ist die Konkurrenz aus dem Reich der Mitte. Wie kann Renault darauf reagieren? «China gibt heute das Tempo in der Autoindustrie vor», räumt auch Provost ein. «Chinesische Hersteller sind extrem schnell in der Entwicklung, sehr wettbewerbsfähig und dringen mit grossem Druck in westliche Märkte vor.»

Persönlich: François Provost

François Provost wurde 1968 geboren und absolvierte die École polytechnique und die École des mines in Paris. Nach dem Ingenieurstudium startete er seine Karriere als Beamter im französischen Finanzministerium und wechselte später als Berater ins Verteidigungsministerium. Seit 2002 in der Renault Gruppe tätig, wurde er 2023 Einkaufschef. Im Sommer 2025 übernahm er nach dem überraschenden Abgang von Luca de Meo zu Kering den Chefposten beim europäischen Autokonzern.

François Provost wurde 1968 geboren und absolvierte die École polytechnique und die École des mines in Paris. Nach dem Ingenieurstudium startete er seine Karriere als Beamter im französischen Finanzministerium und wechselte später als Berater ins Verteidigungsministerium. Seit 2002 in der Renault Gruppe tätig, wurde er 2023 Einkaufschef. Im Sommer 2025 übernahm er nach dem überraschenden Abgang von Luca de Meo zu Kering den Chefposten beim europäischen Autokonzern.

Um schneller zu werden, habe Renault selber ein Entwicklungszentrum in China eröffnet, sagt der CEO. «Früher hatten wir dort nur Partnerschaften, jetzt steigen wir tief in die Technologieforschung ein, um das Tempo und die Fähigkeiten der besten chinesischen Hersteller zu erreichen.» Der Effort trage bereits Früchte: «Wir haben in China unter Renault-Ingenieursleitung den elektrischen Twingo in 21 Monaten entwickelt.» Nun gelte es, dieses hohe Entwicklungstempo auch nach Europa zu bringen – und dabei europäische Qualitätsstandards einzuhalten.

Keine Pläne in China und den USA

Kern der neuen Renault-Strategie ist eine Produktoffensive. Bis 2030 will die Gruppe 36 neue Modelle auf den Markt bringen. Davon sind 22 Modelle für Europa, darunter 16 vollelektrische. Grosse Wachstumschancen sieht Provost in den internationalen Märkten. Dafür sind 14 neue Modelle geplant. «Unser Wachstumsfokus liegt auf Europa, Indien und Südamerika.» Ein Einstieg in China oder eine Rückkehr in die USA ist nicht geplant.

«Der Wettbewerb in China ist zu hart», erklärt Provost. Das Gleiche gelte für die USA. «Ursprünglich wollten wir Alpine in den USA lancieren, aber ich habe mich dagegen entschieden.»

Schrittweiser Umstieg auf E-Autos

Für die Renault Group ist Europa matchentscheidend. Ein grosses Thema ist deshalb der Rückzieher der EU-Kommission beim faktischen Verbrennerverbot. Provost begrüsst den Entscheid. «Alle haben eingesehen, dass 2035 unerreichbar war.» Ursula von der Leyen (67) habe ein gutes Paket vorgelegt, um der Autoindustrie in Europa wieder neuen Schwung zu verleihen. «Gleichzeitig werden wir jedoch nicht von unserem Kurs abweichen, Schritt für Schritt auf Elektroautos umzusteigen.»

Das Problem mit dem Verbrenner-Aus sei offensichtlich: «Nur in Europa entscheiden Vorschriften statt Kunden über den Antrieb.» Das bedeute aber nicht, dass E-Autos für die Fahrer eine schlechte Sache seien – im Gegenteil. «Die Renault-Kunden, die auf Elektro umsteigen, gehören zu den zufriedensten.» Man müsse aber weiter an den Schwachstellen der Elektromobilität wie der Reichweite oder dem Preis arbeiten.

Bei den E-Autos ist der Kampf mit den chinesischen Herstellern besonders intensiv. Entscheidend für den Erfolg der Renault-Stromer wird deshalb die neue vollelektrische Plattform. Sie soll die Kosten gegenüber der aktuellen E-Auto-Generation um 40 Prozent senken. Für die höherpreisigen Modelle ist dabei eine 800-Volt-Elektroarchitektur vorgesehen, die bis 2030 superschnelles Laden in zehn Minuten und eine Reichweite von 750 WLTP-Kilometer ermöglicht. Klein- und Kleinstwagen werden weiterhin auf der 400-Volt-Architektur basieren und im Jahr 2030 eine Ladezeit von rund 20 Minuten erreichen.

Doch Renault treibt die Elektrifizierung nicht nur mit reinen Stromern voran. Zur neuen Strategie gehören auch E-Autos mit Range-Extender und Vollhybride. Gerade Autos mit Reichweitenverlängerer böten ein «E-Auto-Feeling» für all jene, die noch nicht ganz für den Umstieg bereit sind, so Provost.

«Renault bleibt über Dacia positioniert»

Im Rahmen der neuen Strategie stellte der CEO auch seine Pläne für die einzelnen Marken vor:

Für Renault sind 26 neue Modelle geplant, davon 12 für Europa. Der Absatz soll bis 2030 auf zwei Millionen Fahrzeuge gesteigert werden (2025: 1,63 Millionen). «In Europa streben wir für 2030 einen Mix von 50 Prozent E-Autos und 50 Prozent Hybridautos an», sagt Provost. Langfristig wolle man hier nur noch Stromer anbieten. In den aussereuropäischen Märkten, die die Hälfte des Absatzes ausmachen sollen, werde man aber noch lange auf einen Mix aus Hybriden und E-Autos setzen.

Bei Dacia will die Renault Group die Elektrifizierung viel langsamer vorantreiben. 2030 wird die Marke vier E-Autos im Angebot haben. Besonders wichtig sollen für Dacia in Zukunft Hybride werden. Mit dem neuen Striker setzt man zudem den Aufstieg in höhere Marktsegmente fort. Gleichzeitig solle die Marke aber weiterhin ein aussergewöhnliches Preis-Leistungs-Verhältnis ohne unnötige Extras bieten, sagt Provost. «Renault bleibt über Dacia positioniert – mit französischem Design, mehr emotionalem Wert und höherem Technologieanteil.»

Für die Sportwagenmarke Alpine ist die Zukunft – zumindest vorerst – vollelektrisch. «Ich weiss, dass derzeit viel darüber diskutiert wird, dass Sportwagenfahrer nicht auf E-Autos umsteigen wollen», sagt Provost. Auch deshalb habe er die weitere Expansion von Alpine ausserhalb Europas gestoppt. «Wir müssen uns zuerst hier beweisen, bevor wir an neue Märkte denken können.» Immerhin: Mit der Plattform wäre es später möglich, in den neuen Alpine-Modellen auch einen Verbrennungsmotor unterzubringen.

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