Darum gehts
- Deutschland fördert E-Autos seit Januar mit Prämien von bis zu 6000 Euro
- E-Auto-Marktanteil deutscher Hersteller fiel von 63 Prozent auf 56 Prozent
- Chinesischer Hersteller BYD verzeichnete ein Wachstum von 339 Prozent
Deutschland will mehr Elektroautos auf den Strassen. Seit Januar unterstützt die Regierung deshalb Haushalte mit bis zu 90'000 Euro Jahreseinkommen beim Kauf eines Stromers. Diese neue Elektroprämie wirkt sich bereits auf die Verkäufe aus. So lag die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos im März um 66 Prozent höher als im Vorjahresmonat.
Zum Vergleich: Auch in der Schweiz legten E-Autos im März im Zuge des Iran-Krieges deutlich zu – und das ohne Prämie. Doch mit 22 Prozent war der Anstieg deutlich geringer. Der Plan der deutschen Regierung, die für die Prämie drei Milliarden Euro reserviert hat, scheint also aufzugehen.
Deutsche Hersteller verlieren Marktanteile
Bei einem genaueren Blick in die Zulassungszahlen wird jedoch klar, dass die Milliarden ausländischen Herstellern mehr helfen als der deutschen Autoindustrie. Laut einer Auswertung der Beratungsfirma EY, über die die «Welt» berichtete, sanken die Marktanteile der deutschen Marken.
Im vierten Quartal 2025 stammten noch 63 Prozent der in Deutschland neu zugelassenen Elektroautos von einem der deutschen Konzerne. Im März waren es jedoch nur noch 56 Prozent.
BYD profitiert am stärksten
Ausländische Anbieter hätten die Preise gesenkt, um bei preissensiblen Kunden zu punkten, die sich durch die Prämie von bis zu 6000 Euro angezogen fühlen, erklärte EY-Experte Constantin Gal gegenüber der Zeitung. So überrascht es kaum, dass der chinesische Hersteller BYD mit 339 Prozent das stärkste Wachstum verzeichnete.
Auch Stellantis (+ 166 Prozent), Tesla (+ 160 Prozent) und Ford (+ 90 Prozent) legten mit ihren Stromern stärker zu als die deutschen Konzerne Mercedes (+ 47 Prozent), BMW (+ 22 Prozent) und die VW-Gruppe (+ 19 Prozent). Der Hintergrund ist klar: Deutsche Hersteller haben in den tieferen Preissegmenten noch kaum E-Autos im Angebot. Die Prämie richtet sich aber gerade nicht an die typischen Premiumauto-Kunden.
Förderprogramm für Firmenautos
Dass sich die deutschen Marken dennoch einigermassen behaupten konnten, liegt mitunter an einem anderen Förderprogramm. Deutschland subventioniert die Umstellung auf elektrische Firmenflotten mit tieferen Steuern. Diese kosten den Staat laut EY bis 2030 fast elf Milliarden Euro. Doch immerhin setzen die deutschen Unternehmen bei ihren Dienstwagen weiterhin auf einheimische Hersteller.
«Die stark vergünstigte Besteuerung elektrischer Dienstwagen sorgt dafür, dass auch teure Elektroautos ihre Abnehmer finden und nach einigen Jahren von Privatkäufern gefahren werden können», erklärte EY-Experte Jan Sieper in einer Analyse vom Januar. Doch mit den Firmenautos alleine lässt sich die Elektrowende nicht verwirklichen.