Mille Miglia 2026
Alles andere als eine gemütliche Kaffeefahrt

Die Oldtimerwelt schielt schon auf die 100-Jahr-Party 2027. Doch auch dieses Jahr bot das populärste Oldtimerrennen der Welt Spektakel pur. Die Mille Miglia elektrisierte Fahrer und Fans.
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430 historische Rennfahrzeuge aus der Epoche von 1927 bis 1957 traten bei der Mille Miglia 2026 an.
Foto: M. Ginsberg, Mille Miglia

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Juan und Margarita Tonconogy gewinnen die Mille Miglia 2026 in Brescia
  • Erster gemeinsamer Sieg des Geschwisterpaars – damit ist die Vesco-Serie nach sechs Jahren beendet
  • 2000 Kilometer, 144 Zeitfahrten und 8 Prüfungen für 430 historische Fahrzeuge

Die Freude war gross, als sich Juan und Margarita Tonconogy am Samstag auf der Zielrampe in Brescia dem Publikum präsentierten. Am Steuer ihres 95-jährigen Alfa Romeo 6C 1750 GS Spider Zagato mit der Startnummer 61 verteidigte das argentinische Rennfahrerduo auch am letzten Tag seine Führung erfolgreich gegen die Angriffe der Konkurrenz. Für den Unternehmer und Oldtimerpiloten Juan Tonconogy war es nach 2013, 2016 und 2018 der vierte Sieg bei der fünftägigen Mille Miglia. Doch zum ersten Mal gewann der Südamerikaner gemeinsam mit seiner Schwester Margarita als Beifahrerin.

Argentinier crashten die Italo-Party

Damit riss auch die beeindruckende Siegesserie des Italieners Andrea Vesco ab. Der Einheimische aus Brescia hatte das bekannteste Oldtimerrennen der Welt die letzten sechs Jahre dominiert und stets gewonnen. Und auch heuer kämpfte er zusammen mit seinem Co-Piloten Fabio Salvinelli im Alfa Romeo 6C 1750 SS Spider Zagato von 1929 mit Startnummer 43 bis zur allerletzten Prüfung um den Gesamtsieg – musste sich dann aber dem Geschwisterpaar aus Argentinien beugen. Dahinter fuhren Lorenzo und Mario Turelli mit ihrem dreiäugigen O.M. 665 S MM Superba von 1929 auf Rang drei.

Doch auch bei der diesjährigen Mille Miglia ging es, wie zuletzt eigentlich all die Jahre, um viel mehr als nur um Sieg, Platz oder Ausfall. Die Strecke ist inzwischen mit fast 2000 Kilometern zwar spürbar länger als die einst namensgebende Distanz von 1000 Meilen. Doch längst wird die Mille Miglia nicht mehr als Nonstop-Strassenrennen wie von 1927 bis 1957, sondern als flotte Gleichmässigkeitsfahrt von Brescia nach Rom und wieder zurück veranstaltet. Mittlerweile ausgedehnt auf fünf Etappen, ist das Rennen damit nicht mehr ganz so kräftezehrend für Fahrerinnen, Navigatoren und die historischen, inzwischen 70- bis bald 100-jährigen Boliden.

Eine gemütliche Kaffeefahrt ist das Rennen aber auch heute nicht. Offiziell gilt die Rallye zwar als Gleichmässigkeitsfahrt. In der Realität jagen die Pilotinnen und Piloten aber im Renntempo durch den italienischen Alltagsverkehr. Die 430 Teams müssen 144 Zeitfahrten und 8 Durchschnittsprüfungen schaffen. Erst dann wartet die Zielrampe auf der Viale Venezia in Brescia.

Mit Vollgas durch den Gegenverkehr

Wer Glück hat, bekommt einen eskortierenden Motorradpolizisten zur Seite gestellt. Die Beamten hupen wild den Weg frei. Dann donnern die Rennfahrer im Mercedes 300 SL oder Bugatti T35 durch den Gegenverkehr – oft am Rande der Legalität. Ortsschilder fliegen im Zeitraffer vorbei. Für Romantik bleibt keine Sekunde. Die Fahrer ignorieren die Traumkulisse der Toskana und die historischen Marktplätze. Sogar zum Winken fehlt bei diesem Tempo die Zeit.

Die Geschichte der Mille Miglia

Vier junge Männer aus Brescia wollten 1925 ihre Heimatstadt zum Zentrum des Motorsports machen. Sie planten ein Strassenrennen von Brescia über meist unbefestigte Landstrassen durch Norditalien bis nach Rom und wieder zurück – rund 1600 Kilometer oder 1000 englische Meilen (Mille Miglia).

Am 26. März 1927 starteten 77 Wagen zum ersten Rennen. Es gewann ein OM 665 Superba mit den einheimischen Werkspiloten Ferdinando Minoia und Giuseppe Morandi in 21 Stunden, 4 Minuten und 48 Sekunden. Deshalb trägt auch heute bei der historischen Auflage des Rennens stets ein OM die Startnummer 1.

1938 gabs nach einem schweren Unfall erstmals grosse Kritik am Strassenrennen: Ein Rennfahrer hatte auf Tramschienen im Zentrum von Bologna die Kontrolle über seinen Boliden verloren und war in eine Zuschauergruppe gerast: 10 Tote, 26 Verletzte. Als Folge wurde das Rennen in der alten Form mit Stadtdurchfahrten verboten.

1940 wurde deshalb nur ein rund 165 Kilometer kurzer Kurs in der Po-Ebene total neunmal befahren. Nach dem Krieg kehrte man wieder zur ursprünglichen Streckenführung zurück. Die damit verbundenen Risiken schätzte man damals im Vergleich zu den eben erst überlebten kriegerischen Auseinandersetzungen als untergeordnet ein.

1957 dann das definitive Ende der Mille Miglia in ihrer Ursprungsform: Der Spanier Alfonso de Portago hatte nahe dem Dorf Guidizzolo (zwischen Mantua und dem Ziel in Brescia) bei hohem Tempo einen Reifenschaden. Sein Ferrari schleuderte und tötete zehn Zuschauer, darunter fünf Kinder. Auch Portago und sein Beifahrer kamen beim Unfall ums Leben. Daraufhin pochte vor allem die Kirche auf die Einstellung des im Volk populären Rennspektakels. Gerüchte, dass Portagos Team kurz vor dem Ziel aus Zeitgründen auf den nötigen Reifenwechsel verzichtete, konnte selbst ein dreijähriger Prozess nicht beweisen.

Nächstes Jahr feiert die legendäre Mille Miglia ihren 100. Geburtstag.
M. Ginsberg, Mille Miglia

Vier junge Männer aus Brescia wollten 1925 ihre Heimatstadt zum Zentrum des Motorsports machen. Sie planten ein Strassenrennen von Brescia über meist unbefestigte Landstrassen durch Norditalien bis nach Rom und wieder zurück – rund 1600 Kilometer oder 1000 englische Meilen (Mille Miglia).

Am 26. März 1927 starteten 77 Wagen zum ersten Rennen. Es gewann ein OM 665 Superba mit den einheimischen Werkspiloten Ferdinando Minoia und Giuseppe Morandi in 21 Stunden, 4 Minuten und 48 Sekunden. Deshalb trägt auch heute bei der historischen Auflage des Rennens stets ein OM die Startnummer 1.

1938 gabs nach einem schweren Unfall erstmals grosse Kritik am Strassenrennen: Ein Rennfahrer hatte auf Tramschienen im Zentrum von Bologna die Kontrolle über seinen Boliden verloren und war in eine Zuschauergruppe gerast: 10 Tote, 26 Verletzte. Als Folge wurde das Rennen in der alten Form mit Stadtdurchfahrten verboten.

1940 wurde deshalb nur ein rund 165 Kilometer kurzer Kurs in der Po-Ebene total neunmal befahren. Nach dem Krieg kehrte man wieder zur ursprünglichen Streckenführung zurück. Die damit verbundenen Risiken schätzte man damals im Vergleich zu den eben erst überlebten kriegerischen Auseinandersetzungen als untergeordnet ein.

1957 dann das definitive Ende der Mille Miglia in ihrer Ursprungsform: Der Spanier Alfonso de Portago hatte nahe dem Dorf Guidizzolo (zwischen Mantua und dem Ziel in Brescia) bei hohem Tempo einen Reifenschaden. Sein Ferrari schleuderte und tötete zehn Zuschauer, darunter fünf Kinder. Auch Portago und sein Beifahrer kamen beim Unfall ums Leben. Daraufhin pochte vor allem die Kirche auf die Einstellung des im Volk populären Rennspektakels. Gerüchte, dass Portagos Team kurz vor dem Ziel aus Zeitgründen auf den nötigen Reifenwechsel verzichtete, konnte selbst ein dreijähriger Prozess nicht beweisen.

Was die Veranstaltung inzwischen zusätzlich spektakulär und exklusiv macht: Es dürfen lediglich Fahrzeuge teilnehmen, deren Baujahr in die Epoche des Ursprungsrennens, also von 1927 bis 1957, fällt. Und so bekommt das in Scharen am Strassenrand aufmarschierte Publikum nicht alltägliche Oldies wie einen Aston Martin Le Mans, einen Bristol 400, einen Bandini 750S und viele weitere Rennwagen aus der damaligen Epoche zu sehen.

Übrigens: 1955 realisierte Stirling Moss (1929–2020) mit Beifahrer Denis Jenkinson im offenen Mercedes 300 SLR mit Startnummer 722 die Mille-Miglia-Rekordzeit von 10 Stunden, 7 Minuten und 48 Sekunden. Was einem Durchschnittstempo von 157,62 km/h entspricht. Und: Schon damals wurde das Rennen nicht etwa auf abgesperrter Strecke, sondern im normalen Strassenverkehr ausgetragen. Das wird auch nächstes Jahr bei der 100-Jahr-Jubiläumsauflage nicht anders sein.

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