Darum gehts
- Ferraris Elektroauto Luce sorgt seit Enthüllung für massiven Shitstorm.
- 500'000 Franken teurer Luce erntet Zehntausende kritische Instagram-Kommentare.
- Auch andere Hersteller kamen aufgrund polarisierender Designs in die Kritik.
Über mangelnde Aufmerksamkeit kann sich Ferrari aktuell wirklich nicht beklagen. Das, was nach der Enthüllung des ersten Elektroboliden Luce über die italienische Traumschmiede niederging, kann schon nicht mehr als Shitstorm, sondern eher als Shitorkan bezeichnet werden. Weit über die Autobranche hinaus wird das Design des neuen Luce (italienisch für Licht) fast einhellig verteufelt. Auf Instagram erntete die Enthüllung Zehntausende – überwiegend negative – Kommentare. «Der hässlichste Ferrari aller Zeiten», «ein Stück Seife» oder «Tupperware» gehören dabei noch zu den netteren Bezeichnungen für den 500'000-Franken-Boliden.
Ex-Ferrari-Boss Luca di Montezemolo (78) spricht gar von der «Zerstörung einer Legende», die mit dem neuen Luce einhergeht. «Ich hoffe, dass sie das sich aufbäumende Pferd von diesem Auto entfernen.» Zeitweilig gab sogar der Börsenkurs der Marke nach – ob die Chefstrategen in Modena mit solch heftigen Reaktionen auf den Boliden aus der Feder von Ex-Apple-Designer Jony Ive (59) gerechnet haben? Alleine sind sie jedenfalls nicht: Fast jeder Autohersteller hatte schon Kreationen im Angebot, die bei der Enthüllung für Kopfschütteln sorgten. Wir haben die grössten Design-Fails aller Zeiten zusammengetragen:
BMW 7er (2001)
Als der BMW 7er der Baureihe E65 2001 auf den Markt kam, verfielen die Fans in eine Schockstarre. Nach dem eleganten, leichtfüssigen Vorgänger kam plötzlich diese wuchtige Limousine mit hochgezogenem Heck, schweren Flächen und einem Kofferraumdeckel, der aussah wie nachträglich angeschraubt. Der Spitzname «Bangle Butt» (Bangle-Hintern) war schnell geboren, benannt nach dem damaligen Chefdesigner Chris Bangle (69). BMW glättete die Formensprache beim Facelift sichtbar. Fakt ist aber auch: Der E65 war trotz aller Häme ein kommerziell erfolgreicher 7er.
Fiat Multipla (1999)
Mit der komischen Kante unter der Frontscheibe und den Glubschaugen-Scheinwerfern gilt der Multipla vielen als eines der hässlichsten Autos der Welt. Regelmässig führt er entsprechende Hitparaden an. Für andere ist er Kunst: Wegen seines Designs landete der Multipla im Museum of Modern Art in New York (USA). Und wer ihn vor allem vom Fahrersitz aus sah, war von seiner Alltagstauglichkeit und den beiden Sitzreihen à drei Plätzen begeistert.
Ford Scorpio II (1994)
Bis zur umfassenden Modellpflege im Oktober 1994 galt der Scorpio als Nachfolger des Granada als Erfolg. Doch mit dem Facelift zog beim ausschliesslich in Europa verkauften Modell der oberen Mittelklasse Fords typisches US-Design mit Glubschaugen-Front und Streifenwagen-Heck ein – und die Kunden liefen reihenweise zur Konkurrenz über. Inzwischen gilt der Scorpio als Synonym für missglücktes europäisches Ford-Design. Die Rettung gelang nicht. Das Modell verschwand, und Ford zog sich später aus der oberen Mittelklasse zurück.
Jaguar Type 00 (2024)
Der Jaguar Type 00 ist kein Serienauto im klassischen Sinn, sondern ein Manifest auf Rädern. Ein Ausdruck eines neuen Designs. Als Jaguar Ende 2024 erstmals die neue Studie präsentierte, erschütterte sie das British Empire in den Grundfesten. Der ur-englische Autobauer drehte die Marke auf links: neues Logo, neue Bildsprache, Elektro-Luxus statt Sportlimousinen-Romantik, dazu ein kubisches Fahrzeug mit langer Haube, glatter Flanke und knalligen Farben. Für die Jünger ein unverzeihlicher Stilbruch: zu wenig Katze, zu wenig Eleganz und zu gewöhnlich. Abwarten: Ende 2026 soll Jaguars neuer Elektro-GT starten.
Mercedes A-Klasse (1997)
Die Schwaben nannten sie liebevoll «Kästle», andere runzelten die Stirn. Die erste A-Klasse erlangte aber nicht nur aufgrund ihres würfelartigen Aussehens fragwürdigen Ruhm. Beim sogenannten Elchtest kippte der hoch bauende Kompakt-Mercedes bei einem Ausweichmanöver bei nur 60 km/h um. Sofort kamen Zweifel am Konzept eines kurzen, hohen Mercedes mit Sandwichboden und am Vertrauen in die Ingenieurskunst auf. Mercedes überarbeitete das Fahrwerk, änderte die Reifen und baute das elektronische Sicherheitsnetz ESP serienmässig ein. 2012 änderte Mercedes das Design der bis heute flachen A-Klasse grundlegend.
Nissan Juke (2010)
Hohe Kotflügel, aufgesetzte Tagfahrlichter, grosse Rundscheinwerfer darunter, coupéartige Dachlinie und kräftige Hüften: Der erste Juke schaute nicht freundlich, sondern wie ein aufgeblasener Blech-Frosch aus. Doch Nissan hatte den richtigen Nerv getroffen: Der Juke polarisierte, aber er verschwand nicht in der Masse. Genau das machte ihn erfolgreich. Nissan musste deshalb nicht zurückrudern, sondern konnte das Konzept fortführen. Soeben hat Nissan die neueste Generation des Juke enthüllt, die ab Anfang 2027 rein elektrisch und mit abermals polarisierendem Design zu den Händlern rollt.
Pontiac Aztek (2001)
Einst war Pontiac die junge Sportmarke bei General Motors – jenseits von Chevrolet, aber unter Buick positioniert. Dann wurde sie tot gespart: Pontiacs wurden zu Chevys mit Pontiac-Logo. Ausgerechnet der wirr designte Aztek sollte die Marke wieder aufleben lassen und in den SUV-Trend katapultieren. Ein Riesenflop, 2010 ging Pontiac pleite. Inzwischen ist der Aztek dank seiner Rolle als Drogenbaron-Kutsche in der US-Erfolgsserie «Breaking Bad» zum Kultobjekt avanciert.
SsangYong Rodius (2004)
Besser als «Top Gear» kann mans nicht sagen: «Wie bei einer Kneipenschlägerei zerbrochen und von einem Blinden wieder zusammengenäht.» Genau wie unsere Geschmacksnerven überlebte die südkoreanische Marke die absurde Idee, statt auf biederes halt mal auf hässliches Design zu setzen, nur knapp. Dabei war der erste Rodius an sich noch fair: Lenkung à la Wünschelrute, aber Platz satt für sieben und 4x4 zum Budgetpreis. Mittlerweile bietet SsangYong unter dem neuen Namen KGM sogar rein elektrische Modelle wie den Torres EVX an – und der ist alles andere als ein Design-Fail.
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