Darum gehts
- Nasa gibt drastischen Kurswechsel an Ignition Event bekannt
- Teil der Initiative sind Projekt Artemis und der Space Reactor-1 Freedom
- Blick spricht mit einem Experten über die neuen Ziele der Nasa
«Die Uhr tickt in diesem Wettstreit der Grossmächte, Erfolg oder Misserfolg wird in Monaten gemessen, nicht in Jahren», sagte Jared Isaacman (43), Chef der US-Raumfahrtbehörde Nasa, kürzlich. In einem Statement informierte die Nasa am Dienstag die Öffentlichkeit über neue Initiativen. Diese sind höchst ambitioniert – sowohl in technischer als auch politischer Hinsicht.
Die erste grosse Nasa-Ankündigung betrifft das Artemis-Programm. Das sogenannte Gateway – eine um den Mond kreisende Raumstation – werde vorerst auf Eis gelegt, heisst es. Stattdessen soll eine dauerhafte Basis auf der Mondoberfläche entstehen. Der Zeitplan dafür ist straff. Laut Nasa soll bereits im April ein bemanntes Raumschiff den Mond umrunden, zunächst noch ohne Landung. Das wäre die erste bemannte Mond-Mission seit Apollo 17 im Jahr 1972.
Mondbasis soll langersehnte Zwischenerfolge bringen
Doch wie kam es zu dem Planwechsel? «In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Nasa derzeit nicht in der Lage ist, in sehr kurzer Zeit bis zur ersten Mondlandung 2028, eine Raumstation (Gateway) in der Mondumlaufbahn zu realisieren», sagt Raumfahrtexperte Men Schmidt gegenüber Blick. Unterdessen seien bereits Kosten in Milliardenhöhe für das SLS-Artemis-Programm angefallen und die Nasa stehe dementsprechend unter Druck. Kurzfristig könnte der Wechsel zum Bau einer Mondbasis die erwünschten Zwischenerfolge bringen.
Laut dem Experten ist die Prestige-Frage, in Zusammenhang mit Chinas Weltraumplänen, nur ein Grund für die permanente Basis. Die Südpolregion des Mondes bietet zudem vorteilhafte Ressourcen, da sich in den Kratern Wasser in Form von Eis angelagert hat. Zudem soll der Mond eines Tages als Sprungbrett für interplanetare Flüge dienen. Das Gateway, an dem Treibstoff aufgetankt werden kann, ist langfristig gesehen unverzichtbar.
Die Zukunft der Raumfahrt liegt in ihrer Kostensenkung
Auch eine weitere Bekanntgabe der Nasa sorgte für Aufsehen. Vor Ende 2028 will die Raumfahrtbehörde das erste Raumfahrzeug mit atomarem Antrieb unter dem Namen Space Reactor-1 Freedom entwickeln. Laut Men Schmidt zwar keine neue Idee und «technisch sicher möglich». Jedoch sei der Zeitplan von zwei bis drei Jahren sehr sportlich. Der Experte bezweifelt, dass das Raumfahrzeug bis dahin bereits voll funktionstauglich sein wird.
Die zukünftigen Erfolge der Nasa und der Raumfahrt generell hängen aber laut Schmidt davon ab, dass Kosten gesenkt werden können. «Die Verschmelzung von nationalen und privaten Unternehmen wird immer mehr zunehmen», sagt er. Während nationale Behörden noch mit Haftungsfragen beschäftigt seien, gelinge es Firmen wie SpaceX von Elon Musk (54), durch höhere Risikobereitschaft wertvolle Innovationen zu entwickeln. Laut Schmidt werden insbesondere wiederverwendbare Systeme, wie etwa die Raumkapseln von SpaceX, künftig unverzichtbar.