Darum gehts
- Seit Juni ertranken sieben Personen in katalanischen Pools, darunter Kinder
- Italien verzeichnet seit 2022 insgesamt 76 tödliche Badeunfälle
- Ertrinken ist laut Lebensrettungsgesellschaft zweithäufigste Unfall-Todesursache bei Schweizer Kindern
Die Geschichten sind erschütternd: Kinder verbringen mit ihren Familien unbeschwerte Ferientage, spielen im Hotelpool – und plötzlich kommt es zu einem tragischen Unglück.
Solche Fälle passierten in den vergangenen Tagen häufiger. Auf Mallorca starb Ende Juni eine Dreijährige, nachdem sie regungslos im Pool einer privaten Villa aufgefunden worden war. In einem Hotelpool im italienischen Ferienort Milano Marittima ertrank am Sonntag eine Vierjährige. Zuvor war sie aus der Spielecke des Hotels verschwunden, als der Vater kurz im Zimmer war. Vergangene Woche wurde zudem der Fall einer Elfjährigen bekannt, die beim Schwimmen in einem Pool in Ligurien verunglückt war. Ihre Haare hatten sich in einem Abflussrohr verfangen.
Mutter am Boden zerstört
Ein weiterer Fall ereignete sich ebenfalls am Sonntag in Spanien. In der Nähe der katalanischen Hauptstadt Barcelona verunglückte ein sechsjähriger Bub aus Belgien ebenfalls in einem Hotelpool. Das Kind geriet offenbar in Schwierigkeiten, andere Badegäste entdeckten schliesslich den leblosen Körper. Polizei und Rettungskräfte versuchten noch, den Buben zu reanimieren. Ohne Erfolg.
Die Mutter brach zusammen. «Die Frau war mit ihrem Sohn aus Belgien angereist, um zehn Tage in Katalonien zu verbringen, und wird nun von den dort tätigen Psychologen behandelt, da sie eine Panikattacke erlitten hat», berichteten Augenzeugen der spanischen Zeitung «ABC».
Was sagen die Zahlen?
Durch den tragischen Tod des belgischen Kindes ist die Zahl der Menschen, die seit Juni in Katalonien in Pools ertrunken sind, auf sieben gestiegen. Im gleichen Zeitraum wurden bei Vorfällen dieser Art etwa 20 Menschen verletzt, die meisten davon Minderjährige. Die Zahlen zeigen einen Anstieg der tödlichen Unfälle im Vergleich zum Vorjahr. Im vergangenen Sommer – zwischen dem 15. Juni und dem 15. September – gab es in katalanischen Schwimmbädern vier Todesfälle durch Ertrinken. Diese Zahl wurde in diesem Jahr bereits in den ersten Sommerwochen übertroffen.
Auch in Italien ist man angesichts der tödlichen Badeunfälle in den vergangenen Tagen alarmiert. Mehrere Medien berichten, dass die Behörden verstärkte Schwimmbadkontrollen vornehmen könnten. Die Zahl der tödlichen Badeunfälle in italienischen Schwimmbädern ist seit 2022 auf 76 gestiegen, berichtete Rai News am Donnerstag.
Die Hintergründe für die Unglücke sind unterschiedlich. Unachtsamkeit, gefährliche Umstände, Pech – nicht immer ist sofort klar, wie solche Unfälle passieren konnten.
Italienische Bademeister haben Handyverbot
Laut Luca Lucentini, Direktor des italienischen Zentrums für Wassersicherheit (Censia), wären die meisten Todesfälle vermeidbar. Hauptursachen seien mangelhafte Ausrüstung, unzureichende Wartung, falsche Abläufe und fehlende Sicherheitsvorrichtungen.
Um weiteren Unfällen entgegenzuwirken, ist es Bademeistern in einigen Strandbädern Liguriens ab dieser Saison verboten, ihr Handy zu benutzen. Wer beim Scrollen erwischt wird, verliert das Brevet. Der Schweizer Bademeisterverband bekräftigte gegenüber nau.ch ebenfalls, dass Scrollen tabu ist. Für ein generelles Verbot spricht man sich aber nicht aus.
Tipps für Eltern
Auch in der Schweiz gibt es immer wieder Ereignisse in Badis mit Kindern. Laut der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) ist Ertrinken die zweithäufigste Unfall-Todesursache bei Kindern. Kinder sind besonders gefährdet, weil ihr Körperschwerpunkt weiter oben liegt als bei Erwachsenen. Der schwere Kopf zieht ein kleines Kind automatisch nach vorne und unten. Schon eine geringe Wassertiefe kann deshalb lebensbedrohlich werden.
Aus diesem Grund gilt für Eltern:
- Behalte dein Kind stets im Auge oder unter Aufsicht und lass dich nicht durch dein Smartphone oder Gespräche ablenken. Am besten Kinder nur begleitet ans Wasser lassen und kleine Kinder in Griffnähe beaufsichtigen.
- Schwimmhilfen wie zum Beispiel «Schwimmflügeli» oder «Schwimmtierli» ersetzen keinesfalls die persönliche Aufsicht. Aufblasbare Schwimmhilfen können von den Armen rutschen, defekt sein oder das Kind in eine gefährliche Situation bringen.
- Schwimmen zu können ist ein wichtiger Schutzfaktor, um Ertrinken zu verhindern. Frühzeitiges Schwimmenlernen ist eine ideale Vorbeugung gegen gefährliche Situationen.
- Achte darauf, dass ein Biotop oder ein privates Schwimmbecken durch geeignete Massnahmen (z. B. Zaun) vor der Erkundungsneugier von Kleinkindern geschützt ist. Die Zugangstüre muss selbstschliessend und einschnappend sein.