Darum gehts
- Trump spricht von Fortschritten mit Iran, IRGC sabotiert Verhandlungen systematisch
- IRGC blockiert Hormus-Strasse, feuert auf Handelsschiffe und fordert Kapitäne heraus
- General Vahidi kontrolliert militärische Operationen und verdrängt Politiker aus Entscheidungen
US-Präsident Donald Trump spricht von Fortschritten in Verhandlungen mit Teheran, der Iran dementiert. Trump geht von neuen Gesprächen in Pakistan aus, der Iran will nichts davon wissen. Das hat offenbar System. Trump dealt mit zwei Parteien – der iranischen Regierung und den Revolutionsgarden (IRGC), die im Machtpoker die eigene Regierung wegputschen.
Das renommierte Institute for the Study of War (ISW) befasst sich in einer aktuellen Analyse mit dem Machtkonflikt in Teheran. Laut der unabhängigen US-Denkfabrik, die globale Konflikt wie auch den Ukraine-Krieg nüchtern analysiert, sabotieren Hardliner der Revolutionsgarden den Verhandlungs- und Lösungsprozess.
«Harte Kerle»
Trump beliess es am Sonntag bei einem verbalen Seitenhieb gegen die Hardliner, sprach gegenüber Fox News von den «harten Kerlen der IRGC». Noch am Freitag hatte sich eine Lösung im Konflikt abgezeichnet. Der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi (63) beruhigte die Welt: Die Strasse von Hormus sei «vollständig offen», kein Grund zur Sorge.
Wenige Stunden später rasen IRGC-Schnellboote durch dieselbe Meerenge – feuern auf Handelsschiffe, funken Warnmeldungen an alle Kapitäne der Region und erklären das wichtigste Öl-Nadelöhr der Welt für gesperrt. Araghtschis Worte erwiesen sich als Makulatur. Wer regiert wirklich in Teheran?
Militär ersetzt Diplomatie
Hinter dem Kurswechsel steckt kein spontaner Befehl – sondern ein eiskalter Machtgriff. General Ahmad Vahidi (67), ehemaliger Verteidigungs- und Innenminister und Chef der Revolutionsgarden, und sein innerer Zirkel haben sich in kürzester Zeit nicht nur die Kontrolle über Irans Militäroperationen gesichert, sondern auch über den Verhandlungstisch mit Washington.
Dabei ist genau das eigentlich nicht Sache der IRGC. Diplomatie war traditionell Chefsache der Politiker – bis jetzt, schreibt ISW. Die Regierenden dürfen reden, aber nicht entscheiden.
Vahidis Methoden sind bekannt: Vertrauensleute in Delegationen einschleusen, unbequeme Verhandler zurückpfeifen, Fakten schaffen, bevor Einwände kommen. Als der eigene Unterhändler in Islamabad zu viel Flexibilität zeigte, wurde die gesamte Delegation aus Teheran zurückgerufen. Teherans Verhandlungsführer, Parlamentspräsident Mohammad Ghalibaf (64), darf noch reden. Entscheiden darf er nichts mehr. Auch Präsident Massud Peseschkian (71) bleibt aber zweitrangig gegenüber militärischen Hardlinern wie Vahidi. Peseschkian entschuldigte sich sogar bei Nachbarstaaten für Raketenangriffe und unterstrich damit die begrenzte Kontrolle über die IRGC.
Zwei Fliegen, eine Klappe
Die Blockade der Hormus-Strasse ist kein Reflex – sie ist Kalkül. Steigende Ölpreise treffen den Westen. Chaos im Schiffsverkehr erhöht den Verhandlungsdruck auf Washington. Und nach innen sendet die IRGC eine unmissverständliche Botschaft an alle Pragmatiker im System: Wir bestimmen den Kurs – nicht ihr.
Für die USA wird die Lage damit gefährlich unkalkulierbar. Man sitzt am Tisch mit Gesprächspartnern, die keine echte Vollmacht haben. Die eigentlichen Entscheider sitzen in Uniform – und wollen offenbar keinen Deal.
Dieser Krieg hat zwei Fronten. Eine gegen den Westen. Und eine mitten durch Teheran. Vahidi selbst ist seit seinem Machtgriff unsichtbar, aktuelle Fotos gibt es nicht. Wahrscheinlich ist er abgetaucht, um israelische Attentate zu vermeiden.