Darum gehts
- Seit vier Jahren Krieg in der Ukraine, Trump vermittelt Friedensgespräche
- Russland kontrolliert 20 Prozent ukrainisches Territorium, sechs Millionen geflüchtet
- 2025: Mindestens 2919 Zivilisten tot, weniger als 18'000 verletzt
Diese Woche jährte sich zum vierten Mal der Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Die Kämpfe an der Front dauern an, während gleichzeitig trilaterale Friedensgespräche unter der Vermittlung von US-Präsident Donald Trump (79) stattfinden.
Die Beziehungen zwischen der Ukraine und Russland verschlechterten sich bereits 2014 erheblich. Nach der Flucht des dann abgesetzten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch (75) nach Russland brach ein zunächst begrenzter Konflikt aus. Es folgten die Annexion der Krim durch Russland sowie bewaffnete Auseinandersetzungen in den Regionen Donezk und Luhansk im Osten der Ukraine. Folgende Ereignisse prägten die letzten vier Jahre.
Beginn der grossangelegten Invasion
Am 24. Februar 2022 startete Russland in den frühen Morgenstunden eine umfassende Invasion. Die Angriffe erfolgten aus mehreren Richtungen:
- von Belarus aus in Richtung Kiew und nordöstlich nach Tschernihiw
- aus dem Nordosten über Sumy ebenfalls auf Kiew
- auf Charkiw im Osten
- von Süden her von der annektierten Krim in Richtung Norden
Bereits am 5. März erreichten russische Truppen die Vororte Kiews, zogen sich jedoch am 7. April aus dem Norden zurück. Die erhoffte Unterstützung durch die ukrainische Bevölkerung blieb aus, und die Belagerungen von Tschernihiw, Sumy und Charkiw scheiterten.
Russland bezeichnet den Angriff auf die Ukraine als «militärische Spezialoperation». Der Kreml begründet das Vorgehen mit einer angeblichen Diskriminierung der russischsprachigen Bevölkerung in der Ukraine und dem Ziel einer «Entnazifizierung».
Kämpfe im Süden und Belagerung von Mariupol
Im Süden erzielten russische Truppen zunächst Geländegewinne. Von der Krim aus rückten sie auf Cherson vor, das bis Anfang November 2022 unter russischer Kontrolle blieb. Der Vormarsch erstreckte sich zeitweise bis in die Regionen Mykolajiw, Nikopol und Saporischschja.
Besonders heftig waren die Kämpfe um Mariupol am Asowschen Meer. Die Belagerung begann am 26. Februar 2022. Im Mai fiel die schwer zerstörte Stadt nach monatelangen Gefechten. Der russische Versuch, Mykolajiw Anfang März einzunehmen, scheiterte.
Am 26. März 2022 erklärte das russische Verteidigungsministerium die erste Phase der «Militäroperation» für beendet und kündigte an, sich auf den Donbass zu konzentrieren. Nach russischen Angaben kontrollierten prorussische Kräfte zu diesem Zeitpunkt den Grossteil der Region Luhansk sowie Teile der Region Donezk.
Angriffe auf Energieinfrastruktur
Im Laufe des Jahres 2022 griff Russland wiederholt die ukrainische Energieinfrastruktur an. Am 15. November 2022 wurden nach ukrainischen Angaben 85 Raketen abgefeuert.
Nach der Einnahme von Mariupol konzentrierten sich die Angriffe verstärkt auf den Raum zwischen Mykolajiw und Odessa, häufig in Form von Raketen- und Drohnenangriffen. Besonders Infrastruktureinrichtungen wie Flughäfen gerieten ins Visier – mutmasslich, um westliche Waffenlieferungen zu unterbinden.
Ukrainische Gegenoffensiven 2022
Ende 2022 startete die Ukraine Gegenoffensiven im Süden und Südosten. Am 9. November 2022 wurde Cherson wieder unter ukrainische Kontrolle gebracht. Russische Truppen zogen sich auf das gegenüberliegende Ostufer des Dnipro zurück.
Parallel zur militärischen Entwicklung erklärte Russland die Annexion der Regionen Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen verurteilte den russischen Einmarsch wiederholt, unter anderem im März 2022 und Februar 2023.
Sanktionen und Nord-Stream
Unter dem Druck westlicher Sanktionen zogen sich mehr als 1000 Unternehmen aus Russland zurück, und Energieexporte wurden stärker in andere Weltregionen umgeleitet.
Am 26. September 2022 wurden die Nord-Stream-Gaspipelines nahe der dänischen Insel Bornholm beschädigt, nachdem Deutschland ihre Inbetriebnahme bereits ausgesetzt hatte. Am 17. März 2023 erliess der Internationale Strafgerichtshof einen Haftbefehl gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin (73) wegen des mutmasslich rechtswidrigen Transfers ukrainischer Kinder nach Russland.
Bachmut und Wagner-Meuterei
Im Frühjahr 2023 konzentrierten sich russische Truppen auf die Einnahme von Bachmut in der Region Donezk. Im Juni startete die Ukraine eine Gegenoffensive im Südosten, die jedoch keine entscheidenden Durchbrüche brachte.
Am 24. Juni 2023 meuterte die Wagner-Gruppe. Ein bewaffneter Konvoi der Söldner mit Wagner-Chef Pawel Prigoschin bewegte sich Richtung Moskau, wurde jedoch am folgenden Tag gestoppt. Prigoschin starb am 23. August 2023 bei einem Flugzeugabsturz.
Angriffe auf Krim und Schwarzmeerflotte
Im September 2023 griff die Ukraine den russischen Marinestützpunkt Sewastopol an. Kriegsschiffe wurden dabei beschädigt. Kurz darauf trafen Raketen das Hauptquartier der russischen Schwarzmeerflotte.
Am 26. Dezember 2023 wurde im Hafen von Feodossija ein russisches Landungsschiff zerstört.
Die strategisch wichtige Krimbrücke zwischen Kertsch und der Krim wurde mehrfach beschädigt – erstmals am 8. Oktober 2022, erneut am 17. Juli 2023.
Frontverlauf 2024 und neue Offensiven
Am 17. Februar 2024 nahmen russische Truppen Awdijiwka ein, eine wichtige ukrainische Stellung in Donezk. Im Mai 2024 begann Russland eine neue Offensive in der Region Charkiw, bei der mehrere Dörfer besetzt wurden. Nach etwa einem Monat flaute die Operation ab.
Am 6. August 2024 startete die Ukraine ihrerseits eine Offensive auf russischem Staatsgebiet in der Region Kursk.
Seit Anfang 2025 rücken russische Streitkräfte im Osten schrittweise vor, während intensive Luftangriffe auf ukrainisches Gebiet anhalten. Bereits im März 2023 setzte Russland erstmals Hyperschallraketen ein.
Internationale Unterstützung und geopolitische Folgen
Mehr als 70 Staaten unterstützten die Ukraine. Rund 50 Länder lieferten Waffen oder militärische Ausrüstung. Russland erhielt neben iranischen Kampfdrohnen spätestens ab Oktober 2024 auch militärische Hilfe aus Nordkorea, darunter ballistische Raketen und Abschusssysteme sowie Soldaten.
Eine unerwartete Folge des Krieges war die Nato-Erweiterung: Finnland und Schweden, traditionell neutral, beantragten die Mitgliedschaft. Finnland trat im April 2023 bei, Schweden im März 2024.
Humanitäre Folgen und Opferzahlen
Grosse Teile der ukrainischen Energieinfrastruktur wurden zerstört oder schwer beschädigt, was das zivile Leben weit entfernt von der Front erheblich beeinträchtigt.
Die Opferzahlen variieren stark. Nach Schätzungen des unabhängigen Conflict Intelligence Team wurden 2025 mindestens 2919 ukrainische Zivilisten getötet und fast 18'000 verletzt – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
Seit Kriegsbeginn haben rund sechs Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer das Land verlassen. Derzeit kontrolliert Russland etwa ein Fünftel des international anerkannten ukrainischen Staatsgebiets.
Friedensgespräche
Die von US-Präsident Trump angestossenen Gespräche zwischen Russland und der Ukraine dauern an. Ein umfassendes Friedensabkommen ist bislang nicht zustande gekommen.
Der Austausch von Kriegsgefangenen und weitere vertrauensbildende Massnahmen werden im Rahmen trilateraler Verhandlungen fortgesetzt. Eine vierte Gesprächsrunde wird bis Ende des Monats erwartet.
Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.