Darum gehts
- Russland und Ukraine beenden Genfer Verhandlungen ohne greifbares Ergebnis am Mittwoch
- US-Sondergesandter berichtet von «bedeutsamen Fortschritten», trotz angespannter Atmosphäre
- Gespräche dauerten insgesamt zwei Tage, mit zusätzlichen zwei Stunden am Mittwoch
Die zweitägigen Genfer Verhandlungen Russlands und der Ukraine über ein Ende des seit fast vier Jahren dauernden Krieges sind ohne greifbares Ergebnis beendet worden. Nach knapp zweistündigen Gesprächen verliess die russische Delegation am Mittwoch den Ort des Treffens, wie die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass meldete.
Ergebnisse der Gesprächsrunde unter Vermittlung der USA wurden nicht mitgeteilt. Der Moskauer Delegationsleiter Wladimir Medinski (55) kündigte ein weiteres Treffen in naher Zukunft an. «Die Gespräche dauerten zwei Tage, gestern sehr lange in verschiedenen Formaten, heute noch einmal zwei Stunden. Sie waren schwierig, aber sachlich», sagte der Ex-Kulturminister und derzeitige Berater von Kremlchef Wladimir Putin (73) Tass zufolge.
Fortschritte bei «sehr angespannter» Stimmung
Moskauer Staatsmedien bezeichneten die Atmosphäre in Genf sogar als «sehr angespannt». Dagegen schrieb der US-Sondergesandte Steve Witkoff (68) auf X, die Anstrengungen von Präsident Donald Trump (79), beide Seiten zusammenzubringen, hätten «bedeutsame Fortschritte» gebracht.
Der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow (43) bestätigte das Ende des zweitägigen Treffens. Auch er sprach wenig konkret von intensiven und substanziellen Gesprächen. «Es gibt Fortschritte, aber in dieser Phase können keine Details bekanntgegeben werden», sagte der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrates. Nächster Schritt sei, ein «Niveau an Übereinstimmung» zu erreichen, um den Präsidenten Lösungen vorlegen zu können.
Gespräche stecken in Sackgasse
Vor dem zweiten Tag hatten beide Delegationen Rücksprache mit ihren Hauptstädten gehalten. «Gestern gab es Treffen, die nicht einfach waren, und wir können festhalten, dass Russland versucht, die Verhandlungen zu verzögern, die bereits in der Endphase sein könnten», schrieb der ukrainische Staatschef Wolodimir Selenski auf Telegram.
In Genf leitete Medinski (55) die russische Delegation, wie schon bei Gesprächen 2022 und 2025 in Istanbul. Über den ersten Tag in Genf schrieb der als politischer Beobachter des US-Nachrichtenportals «Axios» gut informierte Journalist Barak Ravid bei X, der politische Teil der Gespräche stecke in einer Sackgasse. Grund dafür seien Positionen des Moskauer Verhandlungsführers.
Lange Reden – wenig Sinn?
Dem aus der Zentralukraine stammenden russischen Ex-Kulturminister Medinski wird nachgesagt, in vorherigen Runden längere historische Vorträge zur Geschichte der Ukraine aus Moskauer Sicht gehalten zu haben. Auch Selenski sagte mit Bezug auf ihn: «Fantasieplaudereien zu historischen Themen haben für sie (die Russen) grössere Bedeutung.»
Medinski gilt nicht als jemand mit grosser Hausmacht im Moskauer Machtapparat, er ist aber ein treuer Verfechter von Putins Linie. Er ist einer der Autoren der neuen Schulbücher in Geschichte, die Experten als propagandistisch und antiwestlich einstufen. Mit Medinski verknüpft sind politische Forderungen des Kremls an die Ukraine – eine moskaufreundliche Regierung, sicherheitspolitische Neutralität, ein besonderer Status für Russisch.