Friedensdeal mit Moskau nur per Handschlag mit Kreml-Chef
Selenski fordert Gipfeltreffen mit Putin in Genf

Selenski zieht eine harte rote Linie: Ein direktes Treffen mit Putin sei die einzige Chance auf einen Friedensdeal. Das Gipfeltreffen soll in Genf stattfinden.
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Ohne Kreml-Chef Wladimir Putin persönlich am Verhandlungstisch gebe es keine Chance auf Frieden in der Ukraine.
Foto: Getty Images

Darum gehts

  • Selenski fordert ein direktes Treffen mit Putin in Genf
  • Russland beansprucht den Donbas und verweigert langfristigen Waffenstillstand
  • Selenski benötigt 60 Tage für ein Referendum zur Frontlinie
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Für Wolodimir Selenski (48) ist klar: Die laufenden Friedensgespräche mit Russland sind nur ein Zwischenschritt. Einen Durchbruch kann es erst geben, wenn Kreml-Chef Wladimir Putin (73) ihm persönlich gegenübersitzt.

Unterhändler allein könnten Grenzen, Souveränität und Sicherheitsgarantien nicht entscheiden. Ohne direkte Begegnung kein Durchbruch – das ist Selenskis Botschaft. Er hat sein Team angewiesen, ein Gipfeltreffen auf Führungsebene in Genf vorzuschlagen – bisher ohne Reaktion aus Moskau.

«Keine Zeit für diesen Mist»

Russlands Delegation in Genf wurde zuletzt neu aufgestellt. Neuer Chefunterhändler Moskaus ist der Falke Wladimir Medinski (55), ein enger Vertrauter Putins. Für Selenski ist das ein Alarmsignal: Medinski philosophiert gern über die «historischen Wurzeln» des Krieges – genau wie Putin selbst. Selenski zeigt dafür wenig Geduld: «Wir haben keine Zeit für diesen ganzen Mist. Wir müssen entscheiden, wir müssen den Krieg beenden», sagte er im Interview mit Axios.

Die Genfer Verhandlungen steckten am Dienstag fest – Mediniskis Positionen blockierten den Fortschritt, wie mit den Gesprächen vertraute Quellen berichten. Selenski befürchtet, Russland wolle weiter Zeit gewinnen, während es auf dem Schlachtfeld Vorteile sammelt.

Ukrainer würden nie verzeihen

Inhaltlich macht Moskau keine Zugeständnisse: Russland beansprucht weiterhin den gesamten Donbas – notfalls militärisch. Ein Einfrieren der aktuellen Frontlinie, das Selenski seinem Volk in einem Referendum vorlegen würde, lehnt der Kreml ab. Zudem hat Russland bislang nur einem eintägigen Waffenstillstand zugestimmt – Selenski benötigt mindestens 60 Tage für eine faire Volksabstimmung. «Das zeigt mir, dass Moskau keinen echten Frieden will», sagt er.

Ein Referendum zur Aufgabe des Donbas, ist Selenski überzeugt, würde abgelehnt. Ukrainer «können nicht verstehen, warum» sie aufgefordert würden, weiteres Land abzugeben. «Emotional werden die Menschen das nie verzeihen. Niemals. Sie werden mir nicht verzeihen, sie werden den USA nicht verzeihen.»

Selenski bekräftigt: Der beste Weg, um einen Durchbruch in den Verhandlungen zu erzielen, bestehe darin, dass er und Putin sich «Angesicht zu Angesicht» gegenübersitzen.

Putin dürfe keinen Sieg bekommen

Die nach Genf angereisten US-Vermittler Steve Witkoff (68) und Jared Kushner (45) versichern, Putin wolle den Krieg ernsthaft beenden. Selenski warnt vor einem faulen Deal. Ein dauerhafter Frieden dürfe nicht darüber laufen, dem russischen Präsidenten einen Sieg zu schenken.

«Das ist nicht fair», so Selenski, dass US-Präsident Donald Trump (79) öffentlich immer wieder die Ukraine zu Zugeständnissen dränge – und nicht Russland. Er hoffe, das sei Taktik und keine endgültige Entscheidung.

Für Selenski bleibt die Botschaft klar: Zeitschinden und Maximalforderungen werden keinen Frieden bringen. Ein Durchbruch ist nur möglich, wenn Putin selbst am Tisch sitzt – und Verantwortung übernimmt.

Putin angeblich zu Moskauer Treffen bereit

Ende Januar bestätigte der Kreml, dass Selenski für direkte Gespräche mit Sicherheitsgarantien nach Moskau reisen könne.

Bereits im September sagte Putin am Rande einer Militärparade in Peking, er habe ein Treffen mit Selenski «nie» abgelehnt: «Wenn Selenski zu einem Treffen bereit ist, soll er nach Moskau kommen.»

Selenskis Reaktion auf die Januar-Einladung war scharf: «Ich kann ihn genauso gut nach Kiew einladen, soll er kommen. Ich lade ihn öffentlich ein – wenn er sich traut.»

Im September hatte er gekontert: «Er kann nach Kiew kommen. Ich kann nicht nach Moskau, wenn mein Land jeden Tag unter Raketen, unter Beschuss steht. Ich kann nicht in die Hauptstadt dieses Terroristen reisen.» Selenski warf Putin vor, mit einer Moskau-Einladung Friedensgespräche absichtlich zu verzögern und «Spielchen mit den USA» zu spielen.

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