Darum gehts
Zum Abschluss noch einmal ein Feuerwerk mit 305 Prominenten, darunter vielen Top-Promis: Das US-Justizministerium hat eine weitere Liste mit Namen freigegeben, die mit dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (1953–2019) in Zusammenhang standen. Laut Justizministerin Pam Bondi (60) ist nun die Veröffentlichung der Epstein-Akten abgeschlossen.
Die rund 3,5 Millionen Dokumente haben ein weltweites Beben verursacht und mehrere Spitzenleute zu Fall gebracht. Was aber haben sie sonst ausgelöst? Im Vordergrund steht vor allem die Frage, wie sehr sie Donald Trump (79) geschadet haben – und noch schaden werden.
Was verraten die Dokumente über Trumps Treiben?
Insgesamt wird Trump 5300-mal erwähnt. Auch gibt es viele Fotos, die ihn zusammen mit Epstein zeigen. Fazit: Die beiden haben sich sehr gut gekannt. Zudem gibt es Zeugenaussagen, die behaupten, dass Trump an Epsteins Partys teilgenommen habe. Der schlimmste Vorwurf stammt von einer Frau: Sie behauptet, dass Trump sie im Alter von 13 Jahren missbraucht habe.
Aber: Belastendes Material wie Fotos oder Beweise für die Vorwürfe gibt es nicht. Entlastend wirkt für Trump, dass er 2006 gegenüber der Polizei über Epstein sagte: «Gott sei Dank stoppt ihr ihn. Jeder wusste, was er tut.» Zudem bestätigen die Akten, dass Trump Epstein aus seinem Club in Mar-a-Lago geworfen hat.
Ist Trump damit fein raus?
Juristisch gesehen ja. Die vorliegenden Informationen reichen nicht aus, um Ermittlungen einzuleiten. Für die Trump-Anhänger ist damit die «Schmierenkampagne» beendet. Für die Trump-Gegner ist es eine Pleite.
Ein Makel aber bleibt. Philipp Adorf, USA-Experte an der Universität Bonn: «Schon die blosse Erwähnung in den Akten schadet seinem Ruf – gerade im eigenen Lager.» Wegen der zögerlichen Veröffentlichung habe er sogar bei seinen treuesten Anhängern Vertrauen verspielt.
Was wird noch verheimlicht?
Das ist die grosse Frage, die sich vor allem Trumps Gegner stellen. Aus Gründen des Datenschutzes, des Opferschutzes oder des Staatsinteresses wurden viele Akten zurückbehalten oder anonymisiert. Im Fokus stehen laut Adorf Mails und Chats, detaillierte Finanzunterlagen zu Epsteins Netzwerk sowie interne Ermittlungsvermerke. «Nach welchen Kriterien über die Veröffentlichung entschieden wird, bleibt unklar und nährt Spekulationen.»
Anfangs war auch von einer Liste mit Epsteins kriminellen Kollegen die Rede. Eine solche «Kundenliste» ist aber nicht aufgetaucht. Sie ist möglicherweise ein «Mythos», meint Adorf.
Was bedeutet die neue Liste?
Beyoncé, Cher, Kim Kardashian, Mick Jagger, Janis Joplin, Bruce Springsteen, Jay Z, Königin Elizabeth II., Donald Trump, J. D. Vance, Benjamin Netanyahu, Michelle Obama, Marco Rubio, die Clintons: Sie alle stehen auf der letzten Liste mit 305 Namen, die nun veröffentlicht worden ist. Ihnen wird zwar kein strafbares Verhalten vorgeworfen. Doch die Publikation stellt sie vor ein kommunikatives Dilemma. Adorf: «Wer sich äussert, rückt erneut in den Fokus. Wer schweigt, nährt Spekulationen und Verschwörungstheorien.»
Wen haben die Akten bisher zu Fall gebracht?
Der prominenteste Name ist Andrew Mountbatten-Windsor (65). Ihm hat König Charles III. (77) wegen Verdachts auf sexuellen Missbrauch den royalen Prinzen-Titel entzogen. Weiter führten die Akten zum Rücktritt folgender Personen:
Lord Peter Mandelson (72) als britischer Botschafter in den USA (Vorwurf Weitergabe sensibler Informationen)
der emiratische Sultan Ahmed bin Sulayem (71) als Chef des drittgrössten Hafenbetreibers DP World (anzügliche Unterhaltung mit Epstein)
Kathryn Ruemmler (54) als Top-Juristin bei Goldman Sachs (intensiver Kontakt mit dem verurteilten Epstein)
Gegen den norwegischen Ex-Premierminister Thorbjørn Jagland (75) wurden wegen Verdachts auf Korruption Ermittlungen eingeleitet.
Wie geht es nun weiter?
Adorf bilanziert über die Epstein-Akten: «Der Skandal ist real, aber wahrlich spektakuläre Enthüllungen sind ausgeblieben.» Entscheidend ist für Adorf aber weniger, ob juristisch noch etwas folgt, sondern welche Botschaft hängenbleibt. «Der Epstein-Skandal verstärkt den Eindruck, dass sich Teile der Eliten für unantastbar halten und sich Dinge erlauben, die für andere Konsequenzen hätten.»
Hinzu kommt laut Adorf «eine einfache, aber unbequeme Frage»: Warum suchten einflussreiche Personen überhaupt die Nähe eines Mannes, der bereits wegen Sexualdelikten an Minderjährigen verurteilt war? Auch ohne neue Beweise nähre dies das Misstrauen gegenüber Politikern, Wirtschaftseliten und staatlichen Institutionen – und vor allem gegenüber Trump.
Für Adorf ist klar: Das Thema dürfte im kommenden US-Wahlkampf weiter ausgeschlachtet werden.