Der US-Präsident und die Epstein-Files
Wie lange kann sich Trump noch wegducken?

Er steht in den Epstein-Akten – und bleibt doch unangreifbar. Neue Dokumente zeigen, wie oft Donald Trump im Umfeld des Sexualstraftäters auftaucht und wie widersprüchlich seine Aussagen dazu sind. Juristisch ist er geschützt. Politisch könnte das zum Problem werden.
Kommentieren
Donald Trump und Jeffrey Epstein kannten sich seit den 1990er-Jahren – neue Akten zeigen, wie oft der heutige US-Präsident in dem Skandal-Komplex auftaucht, ohne juristisch ins Visier zu geraten.
Foto: Davidoff Studios Photography

Darum gehts

Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
BlickMitarbeiter06.JPG
Chiara SchlenzAusland-Redaktorin

Donald Trump (79) taucht in den Epstein-Akten auf. Oft. Tausendfach. In E-Mails, Notizen, Interviewprotokollen, alten Berichten. Und trotzdem steht er politisch noch immer relativ stabil da. Kein Ermittlungsverfahren, keine Anklage, kein juristischer Sturm. Wie passt das zusammen?

Donald Trump kennt Skandale. Und er kennt den Umgang damit: abwiegeln, relativieren, Zeit gewinnen. Im Fall Jeffrey Epstein (1953–2019) funktioniert diese Strategie bislang erstaunlich gut. Obwohl der heutige US-Präsident in den neu veröffentlichten Epstein-Akten immer wieder auftaucht, bleibt er juristisch unangreifbar – und politisch vorerst stabil. Doch je mehr Material ans Licht kommt, desto schwieriger wird es, die Geschichte vom ahnungslosen Beobachter aufrechtzuerhalten.

Wie oft Trump in den Akten vorkommt

In den Dokumenten erscheint Trump vor allem als Teil von Epsteins gesellschaftlichem Umfeld. Sein Name findet sich tausendfach in E-Mails, Notizen, Interviewprotokollen und Medienzitaten, die in den Datensätzen gesammelt wurden. 5300 Mal wird er laut «New York Times» erwähnt. Viele dieser Erwähnungen sind indirekt: Presseartikel, Fotos oder Hinweise auf Partys und Treffen, die Epstein archiviert hatte.

1/6
Donald Trump und Jeffrey Epstein bewegten sich jahrelang im selben Gesellschaftsmilieu – ein Kontakt, den die neuen Akten erneut sichtbar machen.
Foto: Davidoff Studios Photography

Später erklärte Trump öffentlich mehrfach, er habe «keine Ahnung» gehabt. Der Widerspruch ist offensichtlich, aber juristisch kaum greifbar: Ein Zitat in einem Protokoll ist kein Beweis für strafbares Mitwissen.

Konkrete Episoden und Widersprüche

Doch es gibt konkrete Beweise, dass Trump zumindest teilweise über die Gräueltaten informiert war. Ein FBI-Protokoll aus dem Jahr 2019 hält fest, dass ein Polizeichef aus Florida berichtete, Trump habe ihn 2006 angerufen, als gegen Epstein ermittelt wurde. «Gott sei Dank stoppen Sie ihn, jeder weiss, dass er das tut», soll Trump gesagt haben. Jahre später erklärte er öffentlich, er habe von Epsteins Machenschaften «keine Ahnung» gehabt. Der Widerspruch ist offensichtlich – aber kein juristischer Beweis für Mitwissen im strafrechtlichen Sinn.

Auch in anderen Unterlagen taucht Trump auf: in Notizen von Ermittlern, in unbestätigten Hinweisen an das FBI, in Aussagen von Zeugen, die Begegnungen mit ihm in Epsteins Umfeld beschreiben. Teilweise geht es um Treffen in Mar-a-Lago oder um Epsteins Versuche, den Kontakt zu Trump aufrechtzuerhalten, selbst nachdem die beiden laut Trumps Aussagen seit 2004 keinen engen Umgang mehr pflegten. Einige Dokumente enthalten lediglich Erwähnungen seines Namens im Kontext von Medienberichten oder gesellschaftlichen Ereignissen. Klare Vorwürfe gegen Trump lassen sich daraus bislang nicht ableiten.

Warum Trump juristisch unbehelligt bleibt

Genau hier liegt der Kern von Trumps politischem Überleben im Epstein-Komplex. Die Files liefern Material – viel Material. Aber sie liefern keine handfesten Beweise. Sie zeigen Nähe, aber keine nachgewiesene Beteiligung. Selbst das Justizministerium betont, es gebe keine glaubwürdigen Hinweise, die ein strafrechtliches Vorgehen rechtfertigen würden.

Das gilt nicht nur für Trump. Auch andere prominente Namen, die im Umfeld Epsteins auftauchen – etwa Bill Clinton, der frühere Finanzminister Larry Summers oder verschiedene Unternehmer und Politiker – werden in den Akten erwähnt, ohne dass daraus bislang strafrechtliche Verfahren hervorgegangen wären. Die Schwelle für Ermittlungen ist hoch, und sie wurde bislang nur in wenigen Konstellationen überschritten.

Epstein tanzt und verfolgt Frau in der Küche
1:12
Neue Videos aufgetaucht:Epstein tanzt und verfolgt Frau in der Küche

Politische Strategie: Distanz und Nebel

Hinzu kommt die schiere Dimension der Akten. Millionen Seiten, Tausende Namen, unzählige Verbindungen. In dieser Datenflut ist Trump zwar präsent, aber nicht einzigartig. Er ist einer von vielen Prominenten, die im Umfeld Epsteins auftauchen. Solange kein Dokument eine direkte Verstrickung in Verbrechen belegt, bleibt er politisch angreifbar, aber juristisch geschützt. Das verschafft ihm Zeit – und Raum, die Deutungshoheit zu behalten.

Doch die Dynamik verändert sich. Mit jeder neuen Veröffentlichung wächst die Zahl der Widersprüche zwischen Trumps Aussagen und den Akten. Nicht ein einzelner Fund könnte ihm gefährlich werden, sondern die Summe der Details. Die Epstein-Files zeigen, wie ein Präsident trotz ständiger Erwähnungen in einem der grössten Skandale der letzten Jahrzehnte weitgehend unbehelligt bleiben kann. Aber sie zeigen auch, wie fragil diese Position ist. Denn irgendwann zählt in der Politik nicht nur, was bewiesen ist – sondern auch, was immer schwerer zu glauben wird.

Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen