Darum gehts
- US-Vizepräsident Vance kritisiert Israel und verteidigt Iran-Deal im Podcast
- Israelische Hardliner werfen Vance vor, Irans Raketenprogramm nicht zu thematisieren
- Demokraten haben laut Vance einen «Coolness-Vorteil» bei Wählern gegenüber Republikanern
US-Vizepräsident J. D. Vance (42) befindet sich in einer ungemütlichen Lage. Während aussenpolitische Themen für Spannungen sorgen, versucht Vance, ein MAGA-Lager zusammenzuhalten, in dem viele Konflikte herrschen. Im Interview mit Podcaster Joe Rogan zeigt er sich ungewohnt selbstkritisch. Die zentralsten Aussagen im Überblick.
«Sie wollen den Krieg ewig weiterziehen»
Es war explosiv in den vergangenen Monaten. Immer wieder gerieten Donald Trump (80) und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu (76) aneinander, was Angriffe im Nahen Osten betrifft. Im Interview erklärt Vance, dass zwar «gute Beziehungen» zu einigen Mitgliedern der israelischen Regierung bestünden, doch es gebe «zweifellos einige Leute in ihrer Regierung, die die amerikanische Öffentlichkeit manipulieren und versuchen, sie zu verändern, um den Krieg ewig fortzusetzen». In dem Interview kritisiert er nicht Israel als Land, sondern einzelne Akteure.
Streit um den Iran-Deal
Der eigentliche Hintergrund des Zoffs ist Trumps Iran-Deal. Die Rolle des US-Vizepräsidenten in den Verhandlungen hat den Zorn der israelischen Hardliner auf sich gezogen, die ihn als «Architekten» eines Abkommens bezeichnen, das Irans Raketenprogramm nicht thematisiere, die Aktivitäten Israels im Libanon einschränke und möglicherweise Milliarden an Geldern für den Wiederaufbau des Iran bereitstellt.
Druck aus dem eigenen Lager
Doch auch aus den eigenen Reihen gibt es Kritik bezüglich Iran-Deal. Der Gegenwind kommt vor allem aus dem proisraelischen, sicherheitspolitisch harten Teil der Republikaner. Mehrere republikanische Senatoren und konservative Kommentatoren warfen dem Abkommen vor, Iran zu viele Zugeständnisse zu machen und amerikanische Interessen zu vernachlässigen. Vance sprach von einem «diplomatischen Tanz» und erklärte, dass für ihn die Interessen der Amerikaner immer «an erster Stelle» stehen.
Demokraten sind charismatischer
Neben den geopolitischen Streitfragen sprach Vance auch über die Lage seiner Partei und den Wahlkampf um den Sieg in den Midterm-Wahlen. Hier zeigte sich der US-Vize zeitweise selbstkritisch. Vance schrieb den Demokraten im Gespräch mit Rogan einen «Coolness-Vorteil» gegenüber den Republikanern zu und deutete an, dass seine Partei ein Problem habe, bei den Wählern Anklang zu finden. «Die Republikaner haben noch immer ein grundlegendes Coolness-Problem. Die Demokraten haben im Gegensatz zur Rechten einfach etwas Charismatischeres, etwas Cooleres an sich.»
Epstein-Akten
Der Vizepräsident nahm kein Blatt vor den Mund, als er auf die Kommunikation seiner Regierung bezüglich der Akten über den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (1953–2019) einging. «Wir haben es vermasselt», sagte Vance. «Aber glaube ich, der Grund dafür war, dass wir versucht haben, etwas zu verbergen? Nein.»
Der Vizepräsident sagte, er wisse nicht, wieso die ehemalige Generalstaatsanwältin Pam Bondi (60) behauptete, sie habe eine «Kundenliste» von Epstein auf ihrem Schreibtisch liegen, wenn «die Folge davon war, dass die Menschen dem gesamten Vorhaben misstrauten». «Ich glaube, Pam hat versucht, auf die politische Situation zu reagieren», sagte er. «Ich glaube, sie hat übertrieben dargestellt, was wir hatten und was wir nicht hatten. Und ich glaube, dass sie dafür öffentlich von vielen Leuten, mich eingeschlossen, heftig kritisiert wurde.»