Darum gehts
- Zum ersten Mal seit 40 Jahren gewinnen Demokraten in Texas
- Jon Ossoff schliesst eine Präsidentschaftskandidatur 2028 aus, auch Talarico winkt bereits ab
- Für die Präsidentschaftswahl gibt es viele demokratische Alternativen
Es sind fünf Köpfe, die Donald Trump (80) das Leben schwer machen: Bei den US-Midterms erobern die Demokraten beide Kammern des Kongresses. In Texas, Michigan, Georgia und North Carolina feiern sie historische Siege. Ihre neuen Stars könnten Trump in den kommenden zwei Jahren gehörig unter Druck setzen.
Vom gläubigen Christen bis zum linken Reformer: Diese fünf Wahlsieger zeigen, mit welchen Rezepten die Demokraten wieder gewinnen – und Trump das Leben zur Hölle machen.
James Talarico: Der Pastor, der Texas eroberte
Fast 40 Jahre lang war Texas für demokratische Senatskandidaten uneinnehmbar. Dann kam James Talarico (37). Der angehende Pastor schlug den Trump-Vertrauten Ken Paxton (63) – trotz massiver Wahlkampfhilfe von Tech-Milliardär Elon Musk (55).
Sein Rezept: Christliche Nächstenliebe statt Kulturkampf. Talarico sprach über niedrige Löhne, soziale Ungleichheit und die Macht der Superreichen. Damit erreichte er auch enttäuschte Republikaner. Allerdings profitierte er von Paxtons Skandalen. Für Trump gefährlich: Talarico kann ihm ausgerechnet bei christlichen und konservativen Wählern Konkurrenz machen.
Präsidenten-Potenzial: Sein historischer Sieg macht ihn interessant für 2028. Doch gegenüber NBC schloss Talarico eine Kandidatur aus. Er will sich auf seine sechsjährige Amtszeit konzentrieren.
Abdul El-Sayed: Der Linke, der Trump trotzte
Er ist Arzt, Muslim und gehört zum linken Parteiflügel: Abdul El-Sayed (42) besiegte den Republikaner Mike Rogers in Michigan und wird erster muslimischer US-Senator. Trump hatte ihn zuvor als «radikalen Dschihadisten» beschimpft.
Sein Rezept: Klare linke Forderungen. El-Sayed will eine staatliche Krankenversicherung für alle, weniger Konzernmacht und einen Stopp amerikanischer Waffenlieferungen an Israel. Damit setzte er sich auch gegen Widerstand aus der eigenen Partei durch. Im Senat könnte er Trumps Sozial- und Gesundheitspolitik frontal angreifen – und den linken Widerstand mobilisieren.
Präsidenten-Potenzial: Er begeistert den linken Parteiflügel. Doch ob er mit seinen Positionen auch konservativere Wähler überzeugen könnte, ist offen.
Keisha Lance Bottoms: Die Frau, die Geschichte schrieb
Georgia bekommt erstmals eine schwarze Gouverneurin – und die USA damit ihre erste schwarze Frau an der Spitze eines Bundesstaates. Keisha Lance Bottoms (56) schlug Milliardär Rick Jackson (72), der über 100 Millionen Dollar in seinen Wahlkampf steckte.
Ihr Rezept: Erfahrung und Mobilisierung. Die frühere Bürgermeisterin von Atlanta setzte auf bezahlbare Gesundheitsversorgung, Abtreibungsrechte und Widerstand gegen Trump. Unterstützung erhielt sie von Ex-Präsident Barack Obama (65).
Präsidentinnen-Potenzial: Bottoms muss sich erst als Gouverneurin beweisen. Eine Präsidentschaftskandidatur 2028 würde sie mitten aus ihrer vierjährigen Amtszeit herausführen. Zudem stellt sich leider noch immer die Frage: Sind die USA bereit für eine Präsidentin?
Jon Ossoff: Der Hoffnungsträger, der nicht will
Jung, redegewandt und ein scharfer Trump-Kritiker: Jon Ossoff (39) verteidigte seinen Senatssitz in Georgia gegen Republikaner Mike Collins (59).
Sein Rezept: Korruption greifbar machen. Ossoff verbindet Vorwürfe gegen Trump mit den Alltagssorgen der Amerikaner. Seine Botschaft: Wenn sich die Mächtigen bereichern, bezahlen gewöhnliche Bürger die Rechnung. Mit seiner Kritik an Trumps möglicher Selbstbereicherung könnte er dem Präsidenten auch im Kongress gefährlich werden.
Präsidenten-Potenzial: Obwohl er für 2028 gehandelt wird, sagte er «Politico», er habe «null Interesse» am Präsidentenamt. Er wolle seine sechsjährige Amtszeit erfüllen.
Roy Cooper: Der Mann fürs Portemonnaie
In North Carolina holte Ex-Gouverneur Roy Cooper (69) einen republikanischen Senatssitz. Trump-Vertrauter Michael Whatley (58) unterlag mit rund 19 Prozentpunkten Rückstand.
Sein Rezept: Keine grossen Parolen, sondern kleine Rechnungen. Cooper sprach über Lebensmittelpreise, Stromkosten und Krankenversicherungen. Seine Erfahrung machte ihn für viele Wähler zu einer vertrauten Figur. Damit trifft er Trump dort, wo es besonders wehtut: beim Versprechen, das Leben der Amerikaner günstiger zu machen.
Präsidenten-Potenzial: Cooper beginnt eine sechsjährige Amtszeit. Bei der Präsidentschaftswahl 2028 wäre er 71 – das Alter von Präsidentschaftskandidaten stand zuletzt stark in der Kritik. Ob er überhaupt antreten will, ist offen.
Wer führt die Demokraten 2028 ins Weisse Haus?
Fünf Sieger, fünf Rezepte – aber vier von ihnen haben gerade erst einen sechsjährigen Senatssitz gewonnen. Eine Präsidentschaftskandidatur wäre erlaubt, könnte aber als Bruch mit den Wählern gelten. Kurzum: Die Demokraten wissen nun, wie man Trump schlagen kann. Offen ist, wer daraus eine gemeinsame Botschaft für die Präsidentschaftswahl macht.