Darum gehts
- Die USA wollen Nidal Hasan live im Netz hinrichten
- 2009 tötete er in Fort Hood 13 Menschen
- Experten und Opferangehörige kritisieren die Übertragung
Todesstrafe live im Netz: Die US-Regierung will den Fort-Hood-Attentäter Nidal Hasan (56) am 3. Dezember vor laufender Kamera hinrichten. Ein militärisches Erschiessungskommando soll das Urteil vollstrecken. 2009 erschoss der damalige Militärpsychiater auf einem US-Stützpunkt 13 Menschen. Nun könnte sein Tod zum globalen Medienereignis werden. Die wichtigsten Punkte zum umstrittenen Plan der US-Regierung.
Wer ist Nidal Hasan?
Nidal Malik Hasan ist US-Amerikaner. Er wurde 1970 im US-Bundesstaat Virginia geboren und wuchs in den USA auf. Seine Eltern waren palästinensische Einwanderer. Nach seinem High-School-Abschluss trat Hasan dem Militär bei. Er studierte Biologie und Medizin, bevor er die Facharztausbildung zum Psychiater absolvierte.
Anschliessend arbeitete Hasan als Militärpsychiater und betreute traumatisierte Soldaten nach Einsätzen im Irak und Afghanistan. Für seine Arbeit wurde Hasan negativ beurteilt. Im Jahr 2009 wurde er auf die Militärbasis Fort Hood in Texas versetzt.
Der Anschlag auf Fort Hood
Am 5. November 2009 verwandelte der damals 39-jährige Militärpsychiater den Stützpunkt in ein Blutbad: Im medizinischen Bereich schoss er auf seine Kameraden. Innerhalb kürzester Zeit tötete er 13 Menschen und verletzte über 30 weitere. Militärpolizisten schossen auf den Angreifer und verletzten ihn schwer. Hasan überlebte, ist seither querschnittsgelähmt.
Ermittler entdeckten später Kontakte zum radikalislamistischen Prediger Anwar al-Awlaki (†40). Zu einer Terror-Anklage kam es nie: Das Militärgericht verurteilte Hasan 2013 wegen 13-fachen Mordes und mehrfachen Mordversuchs zum Tod.
Das Erschiessungskommando
Mehr als 17 Jahre nach der Tat folgt die Strafe: US-Präsident Donald Trump (80) hat die Hinrichtung durch ein Erschiessungskommando bewilligt. Hasan soll am 3. Dezember in Fort Hood sterben – am exakten Tatort, zur selben Uhrzeit, am selben Wochentag.
Verteidigungsminister Pete Hegseth (46) spricht von einem «No-Brainer». Beim US-Militär liegt die letzte Hinrichtung durch ein Erschiessungskommando mehr als 80 Jahre zurück. Dabei soll laut der Rechtswissenschaftlerin und Expertin für Todesstrafen, Deborah Denno (74), die Erschiessung die «am wenigsten inhumane» Methode sein, berichtet der «Spiegel».
Einzelne Bundesstaaten setzen wieder auf Gewehre statt Spritzen. Zuletzt wurde Stephen Cory Bryant (†44) am 14. November 2025 in South Carolina erschossen. Der Grund für die Erschiessungen: Die Beschaffung der Giftspritze wird immer schwieriger. Trump liess deshalb zusätzlich die Gaskammer und den elektrischen Stuhl wieder zu.
Debatte um Live-Übertragung vom Tatort
Doch nicht nur die Methode sorgt für Brisanz: Die Trump-Regierung will die Exekution live im Internet übertragen. Verteidigungsminister Hegseth begründet die öffentliche Inszenierung mit Abschreckungswirkung. Eine Live-Übertragung im Internet hat es noch nie gegeben, heisst es beim Death Penalty Information Center. Allgemein sind öffentliche Hinrichtungen äusserst selten. Sie werden fast ausschliesslich im Iran und in Afghanistan praktiziert.
Die Live-Übertragung stösst auf Kritik: Experten befürchten, dass die Bilder negative Folgen für die mentale Gesundheit bei Zuschauern auslösen könnten. Zudem seien öffentliche Hinrichtungen nicht mehr zeitgemäss, sondern eine mittelalterliche Praxis. CBS News berichtet, dass auch Angehörige der Opfer die Übertragung nicht gutheissen.
Todesstrafen-Expertin Denno widerspricht: Sie wirft ein, dass die öffentliche Zurschaustellung für Transparenz sorgen kann. Besonders angesichts der zuletzt missglückten Hinrichtung der Mörderin Christina Pike (50) sei das wichtig.