«Endlich ein Präsident, der die USA an erste Stelle setzt»
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Trump lobt sich selbst:«Endlich ein Präsident, der Amerika an die erste Stelle setzt»

US-Präsident mit Rekord-Rede
Donald Trump hat sein Hauptziel heute Nacht erreicht

Eine Stunde und 46 Minuten sprach der mächtigsten Mann der Welt zum US-Parlament. Seine Rede zur Lage der Nation war mild und voller Lob für andere. Klar ist: Mit dem Auftritt lancierte Trump endgültig den Kampf um die Zwischenwahlen – mit einer glasklaren Botschaft.
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Das Hauptziel der Rede hat Trump erreicht.
Foto: AP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Donald Trump hielt mit 1 Stunde 46 Minuten die längste Ansprache zur Lage der Nation.
  • Er versprach günstigere Lebenshaltungskosten und pries zahlreiche Personen und Errungenschaften.
  • Jedes Baby (2025-2028) erhält 1000 Dollar auf ein Investitionskonto.
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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Donald Trump (79) hat einen harten Winter hinter sich: Seine obersten Richter strichen ihm kurzerhand seine Strafzölle zusammen, seine Umfragewerte erreichten historische Tiefen und der Ukraine-Krieg, den er doch eigentlich «in 24 Stunden» beenden wollte, tobt trotz aller Verhandlungsrunden auch nach vier Jahren weiter.

Der US-Präsident steckt in der Krise. Anmerken lassen tut sich das der mächtigste Mann der Welt natürlich nicht. Seine Ansprache zur Lage der Nation in der Nacht auf heute – mit einer Stunde und 46 Minuten die mit Abstand längste in der US-Geschichte – bot einen überaus optimistischen Blick auf die USA. Das Hauptziel der Ansprache hat Trump erreicht – und sich dabei auffällig grosszügig gezeigt mit Lob und Ehrerbietung.

Kein US-Präsident der jüngeren Vergangenheit hat während seiner Rede zur Lage der Nation mehr Menschen gedankt und geehrt als Trump in der vergangenen Nacht. Von 100-jährigen Kriegsveteranen über befreite venezolanische Oppositionspolitiker; vom amerikanischen Männer-Hockey-Team über seine Ehefrau Melania («Jetzt bist du auch ein Filmstar, Schatz!»); von seinem «grossartigen Aussenminister» Marco Rubio (54) bis zur Witwe des ermordeten Aktivisten Charlie Kirk (†31): Trump sparte nicht mit Lob und Anerkennung für jene, die dem Land «zur historischen Kehrtwende» verholfen hätten.

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Donald Trump sparte bei seiner Ansprache zur Lage der Nation nicht mit Selbstlob – und mit Lob für andere.
Foto: AP

Trump telefoniert «oft» mit Zohran Mamdani

Doch Ehrenmedaillen und Danksagungen waren nur die nette Garnitur, mit der der US-Präsident seinen rhetorischen Hauptgang verzierte. Der lautete: Die Amerikaner können sich das Leben im grossartigsten Land der Welt endlich wieder leisten.

«Affordability», Erschwinglichkeit, heisst das Zauberwort in Amerika im Jahr der wichtigen Zwischenwahlen, bei denen die Republikaner drauf und dran sind, mindestens eine der beiden Parlamentskammer zu verlieren. Für Trump bedeutete das mit grosser Wahrscheinlichkeit ein neues Amtsenthebungsverfahren: eine Schmach, die sich der bald 80-Jährige verständlicherweise ersparen möchte.

Im Stil des sozialistischen New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani (34) – mit dem der US-Präsident laut eigenen Angaben «oft telefoniert» – hämmerte Trump eine «Alles wird billiger»-Botschaft nach der anderen raus. Die Eier-Preise seien gefallen, Benzin werde billiger, der Medikamentenwucher eine Sache der Vergangenheit. Mit den «Trump Accounts», dank denen jedes Neugeborene (Jahrgänge 2025 bis 2028) 1000 staatliche Dollar auf ein Investitionskonto erhält und mit 18 Jahren Zugang erhält, schaffe Amerika eine neue Generation des Wohlstands.

Der Manhattan-Tycoon wettert gegen Immo-Haie

Trump, der einstige Manhattan-Tycoon, präsentierte sich als Kämpfer gegen Immo-Haie, die die Hauspreise hochtreiben. Zum gefühlt tausendsten Mal unterstrich er, dass er die Steuern auf Trinkgelder gestrichen habe. Zudem versprach Trump, dass die Strompreise trotz des enormen Strombedarfs, der durch die Nutzung von künstlicher Intelligenz entsteht, nicht steigen werden.

In all dem wirkte Trump auffällig mild. Natürlich schoss er einige rhetorische Spitzen gegen die Demokraten, die sich den teils minutenlangen Standing Ovations der republikanischen Parlamentshälfte partout nicht anschliessen wollten. Natürlich konnte er es nicht lassen, seinen Vorgänger Joe Biden (83) zu kritisieren. Natürlich wetterte er gegen illegale Migranten und ein bisschen auch gegen die sechs obersten Richter, die ihm seine Zollstrategie vermiesten (Trump nannte den Entscheid «unglücklich»).

Für seine Standards aber blieb der mächtigste Mann der Welt auffällig freundlich und liess zwischen den länglichen Ausführungen zur US-Lage immer mal wieder eine Prise Selbstironie aufblitzen. Zum Beispiel, als er dem versammelten Kongress verriet, dass er sich gerne selbst die höchste zivile Auszeichnung des Landes, die Freiheitsmedaille, verleihen würde, aber das leider von Gesetzes wegen nicht gehe.

Europa spielt für Trump keine Rolle

Der Rest der Welt, übrigens, spielte in Trumps Rekordrede nur eine untergeordnete Rolle. Mit dem Iran rede man, mit den Russen und Ukrainern auch. Die Chinesen erwähnte Trump nur im Zusammenhang mit Pekings Raketenabwehrsystemen, die beim amerikanischen Angriff auf Venezuelas Machthaber Nicolas Maduro (63) komplett versagt hätten.

Europa? Kam in Trumps Ansprache schlicht nicht vor. Genauso wenig wie das Chaos, das seine ICE-Migrationsbeamten in Minneapolis verursacht haben. Und genauso wenig wie der globale Skandal, den die veröffentlichten Epstein-Files zu Tage gefördert haben.

Was bleibt, ist der Eindruck eines Mannes, der um die Wichtigkeit der anstehenden Zwischenwahlen weiss. Trump hat seine Partei auf den anstehenden «Amerika muss erschwinglicher werden»-Kurs eingeschworen. Die Demokraten werden mehr tun müssen als still dazusitzen, wenn sie dem ältesten Präsidenten in der nunmehr 250-jährigen Geschichte des Landes das politische Zepter wieder aus der Hand reissen wollen.

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