Darum gehts
- Trump erwägt Militärschlag gegen Iran, trotz interner Warnungen vor Risiken
- Generalstabschef Caine warnt vor Versorgungsengpässen und langwierigen Konflikten
- Verhandlungen in Genf geplant, Trump setzt Frist von 10 bis 15 Tagen
Steht Washington kurz davor, Teheran anzugreifen? Hinter den Kulissen in der US-Hauptstadt verdichten sich die Hinweise auf einen möglichen Militärschlag gegen den Iran. Doch ausgerechnet aus dem engsten sicherheitspolitischen Zirkel von Präsident Donald Trump (79) regt sich Widerstand – und der hat es in sich.
Wie mehrere US-Medien berichten, soll Generalstabschef Dan Caine (57) Trump eindringlich vor den Risiken eines Einsatzes gewarnt haben. Seine Sorge: Die USA könnten in einen langwierigen Konflikt hineingezogen werden – mit ungewissem Ausgang und womöglich ohne ausreichende Unterstützung durch Verbündete.
Berichte von Plattformen wie «Axios» und der «Washington Post» über angebliche interne Warnungen quittierte Trump umgehend mit scharfer Kritik. Auf seiner Plattform Truth Social sprach er von «Fake News». Die Behauptung, Caine sei gegen einen Krieg mit dem Iran, sei «zu 100 Prozent falsch».
Sind die US-Waffenbestände am Limit?
Doch die Berichte zeichnen ein anderes Bild. Laut der «Washington Post» sieht Caine erhebliche Risiken – nicht nur politisch, sondern auch militärisch. Demnach warnte er bei einem Treffen im Weissen Haus vor Versorgungsengpässen bei zentralen Waffensystemen. Ein grösserer Einsatz gegen den Iran sei problematisch, weil die US-Arsenale durch die massive Unterstützung Israels im Gaza-Krieg sowie der Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland bereits stark beansprucht seien.
In Pentagon-Sitzungen habe Caine zudem auf die konkrete Lebensgefahr für US-Soldaten hingewiesen. Ein Krieg gegen Teheran wäre kein kurzer Schlagabtausch, sondern könnte sich rasch ausweiten.
Auch das Pentagon mahnt zur Vorsicht
Aus dem Verteidigungsministerium kamen laut dem Wall Street Journal mahnende Stimmen. Diskutiert worden seien nicht nur mögliche Verluste auf Seiten der USA und ihrer Verbündeten, sondern eine Überlastung der Streitkräfte.
Zwar betonen Beamte, dass Opfer- und Kostenabwägungen zu jeder Einsatzplanung gehören. Doch die Bandbreite der diskutierten Szenarien zeigt die Brisanz: Sie reicht von begrenzten Anfangsschlägen bis hin zu tagelangen Luftangriffen mit dem Ziel, die Führung in Teheran zu stürzen.
Trump bleibt auf Konfrontationskurs
Trump selbst gibt sich demonstrativ entschlossen. Caine wolle wie alle anderen keinen Krieg, schrieb er – doch falls es dazu komme, werde man «leicht gewinnen». Gleichzeitig stellte er klar, wer das letzte Wort hat: Er allein treffe die Entscheidung.
Öffentlich betont Trump zwar weiterhin, er bevorzuge einen Deal mit dem Iran. Doch seine Drohkulisse bleibt bestehen: «Wenn wir keinen Deal machen, wird es ein sehr schlechter Tag für dieses Land.»
Diplomatie in letzter Minute?
Tatsächlich laufen seit Kurzem wieder Gespräche zwischen Washington und Teheran über das umstrittene Atomprogramm. Für Donnerstag ist laut US-Regierungskreisen eine weitere Verhandlungsrunde in Genf geplant. Der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi zeigte sich gegenüber CBS News vorsichtig optimistisch. Man wolle beim nächsten Treffen «einen tragfähigen Text ausarbeiten» und rasch zu einer Einigung kommen.
Innerhalb von Trumps Umfeld plädieren einige Vertraute für Geduld. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff sowie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sollen ihn laut «Axios» gedrängt haben, militärische Schritte vorerst zurückzustellen und der Diplomatie eine echte Chance zu geben.
Trump selbst setzte zuletzt eine Frist von zehn bis fünfzehn Tagen für ein mögliches Abkommen – «so ziemlich das Maximum». Seine Botschaft an Teheran ist unmissverständlich: «Entweder wir erzielen eine Einigung – oder es wird für sie bedauerlich.»