Darum gehts
- Ukraine sendet neue Delegation nach Washington für Friedensgespräche
- Rustem Umerow leitet Delegation, ersetzt zurückgetretenen Andrji Jermak
- Neuer Friedensplan umfasst 19 Punkte statt ursprünglicher 28 Punkte
Die Ukraine setzt zu einem neuen diplomatischen Anlauf an – und diesmal steht ein anderer Mann an der Spitze. Die Bemühungen um einen tragfähigen Friedensplan für die Ukraine gehen in eine neue, möglicherweise entscheidende Runde.
Noch während die Nachwirkungen der jüngsten Gespräche in Genf heiss diskutiert werden, ist eine ukrainische Delegation unter neuer Leitung bereits auf dem Weg nach Washington. An deren Spitze steht Rustem Umerow (43), Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates – und der Mann, dem Präsident Wolodimir Selenski zutraut, frischen Schwung in die Verhandlungen zu bringen.
Vom Top-Berater an die Front
Zur Erinnerung: Am Freitag trat Selenskis langjähriger Vertrauter, Andrji Jermak, zurück. Dies, nachdem bei ihm eine Hausdurchsuchung stattgefunden und ein grosser Korruptionsskandal das Land erschüttert hatte. Jermak kündete daraufhin an, nach dem abrupten Ende seiner politischen Karriere, an die Front zu ziehen. Details nannte er keine.
Nach Angaben aus Kiew hat Umerow dem Präsidenten unmittelbar vor der Abreise einen ausführlichen Bericht zum Stand der Dinge vorgelegt. Sein Auftrag ist klar formuliert: Die notwendigen Schritte zur Beendigung des Krieges sollen «zügig und substanziell» ausgearbeitet werden.
Klarer Auftrag von Selenski
Die Hoffnung der ukrainischen Regierung: Die vorläufigen Ergebnisse der Treffen in Genf sollen in Washington konkretisiert und weiterentwickelt werden. Nach den Genfer Gesprächen präsentierten die USA und die Ukraine eine angepasste Version des ursprünglichen 28-Punkte-Plans für die Ukraine. Der neue Plan soll 19-Punkte umfassen und die Interessen Kiews stärker berücksichtigen.
Klare, rote Linien
Umerow gilt als beharrlich, gut vernetzt und kompromissorientiert. Bereits kurz nach Beginn des Krieges war er Teil einer Verhandlungsdelegation. Doch der 43-Jährige hat klare, rote Linien. Er hat wiederholt klargestellt, dass weder Krim noch Donbass «verhandelbare» Gebiete seien.
Neben den Gesprächen in Washington treffen sich US-Vertreter auch mit Diplomaten aus Moskau. Der Kreml erklärte, er erwarte Verhandlungen auf Basis der ursprünglichen 28 Punkte.