Darum gehts
- Fünf Verdächtige nahe RAF-Stützpunkt in Gloucestershire am Sonntag festgenommen
- Evakuierung von 85 Häusern, Verdacht auf funktionsfähige Sprengsätze wird geprüft
- 2025: Über 20 iranische Anschlagspläne auf britischem Boden gemeldet
In der Nacht auf Sonntag wurden der Polizei verdächtige Fahrzeuge gemeldet, die sich dem Stützpunkt der Royal Air Force (RAF) in Gloucestershire näherten. Dutzende Häuser wurden vorsorglich evakuiert, Grossalarm ausgelöst und insgesamt fünf Personen festgenommen. Ob hier ein terroristischer Anschlag hat vereitelt werden können und ob die in den Fahrzeugen mitgeführten improvisierten Sprengsätze überhaupt funktionstüchtig gewesen wären, bleibt noch zu klären. Diese Fragen stellen sich jetzt:
Wie wurde der mutmassliche Anschlag überhaupt bemerkt?
Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, spielte der Hinweis einer Anwohnerin eine entscheidende Rolle. Nachts habe sie mehrere verdächtige Fahrzeuge bemerkt und daraufhin die Polizei alarmiert. Die Metropolitan Police bestätigt, dass der Einsatz durch einen Anruf wegen dreier verdächtiger Fahrzeuge ausgelöst wurde.
Was macht den Luftwaffenstützpunkt so besonders?
RAF Fairford ist ein britischer Militärflugplatz und gehört namentlich zur britischen Royal Air Force. Der Name kann allerdings täuschen. So ist Fairford heute operativ vor allem für die US Air Force von grosser Bedeutung.
Was machen die Amerikaner dort?
Der entscheidende Begriff lautet «Bomber Forward Operating Location». Fairford ist der bevorzugte vorgeschobene Bomberstandort des US Air Force Global Strike Command in Europa. Dank ihm müssen die USA nicht jede Mission von amerikanischem Festland aus fliegen. Werden die Bomber nach Fairford vorgeschoben, liegen Europa, der Nordatlantik, Teile Afrikas und der Nahe Osten wesentlich näher.
Ist eine grosse amerikanische Flotte dort stationiert?
Nein. Die USA halten Fairford vielmehr dauerhaft so bereit, dass sie bei einer Krise oder für Übungen sehr schnell Langstreckenbomber aus den USA nach Grossbritannien verlegen können. Dann kommen Flugzeuge, Besatzungen und Wartungsteams nach Fairford und können von dort aus operieren. Ist der Einsatz vorbei, fliegen die Bomber wieder ab.
Was befindet sich auf dem Stützpunkt?
Die Infrastruktur des Stützpunkts ist für schwere Langstreckenbomber geeignet. Er verfügt über eine der längsten Start- und Landebahnanlagen Grossbritanniens. Eng verbunden ist Fairford ausserdem mit RAF Welford in Oxfordshire. Nach Angaben der US Air Force ist Welford das zweitgrösste Lager für konventionelle Munition in Europa.
Weshalb wird von einer Iran-Verbindung ausgegangen?
Die britische Regierung erlaubte den USA im März, britische Basen für Operationen gegen den Iran zu nutzen. Im britischen Parlament wurde bestätigt, dass amerikanische Bomber dafür in RAF Fairford stationiert wurden. Der Iran selbst beschwerte sich darüber beim Uno-Sicherheitsrat. Im Juli erklärten die iranischen Revolutionsgarden, dass jeder britische Stützpunkt, der von den USA für Angriffe auf Iran genutzt werde, ein «legitimes Ziel» sei. Der mutmassliche Anschlagsplan passt zeitlich und örtlich zu dieser Drohung.
Hat die Polizei diese Verbindung bestätigt?
Nein. Es gibt bislang keinen öffentlich bekannten Beweis, dass die fünf Festgenommenen für den Iran handelten. Ermittler prüfen jedoch eine entsprechende Verbindung zu Teheran. Wie Reuters schreibt, wird auch die Möglichkeit eines russischen Sabotageakts und eines islamistischen Motivs geprüft.
Wer sind die fünf Verdächtigen?
Bislang ist öffentlich nur wenig bekannt. Es handelt sich um fünf Männer, die zunächst wegen mutmasslicher Explosivstoffdelikte und anschliessend wegen des Verdachts der Vorbereitung einer terroristischen Tat festgenommen wurden.
Wie hat US-Präsident Donald Trump reagiert?
Nach der Festnahme der Verdächtigen meldete sich US-Präsident Donald Trump (80) zu Wort. Er liess sich zwar nicht dazu hinreissen, einen Iran-Bezug zu bestätigen, sagte aber, man habe die Verdächtigen bereits «unter Beobachtung» gehabt. Er sagte auch, dass die Männer «grossen Schaden» hätten anrichten können. Weiter stellte er vor Reportern weitere Details in Aussicht: «Wir wissen alles über sie. Und Sie werden schon sehr bald davon hören. Wir haben sie geschnappt.»
Wie gross hätte der Schaden sein können?
Das lässt sich derzeit seriös nicht beziffern. Entscheidend ist zunächst, ob die in den Fahrzeugen gefundenen Materialien tatsächlich einsatzfähige Sprengsätze waren, wie gross deren Sprengkraft gewesen wäre und welches Ziel vorgesehen war. Genau diese Fragen untersuchen die Spezialisten noch. Die 400-Meter-Sperrzone und die Evakuierung von rund 85 Haushalten zeigen allerdings, dass die Behörden eine mögliche Explosionsgefahr ernst nahmen.
Ist der Vorfall Teil einer grösseren Bedrohung für Grossbritannien?
Das ist, wie vieles andere, noch offen. London warnt aber seit Längerem vor staatlich gesteuerten oder unterstützten Anschlagsplänen des Irans auf britischem und europäischem Boden. Der frühere Premierminister Keir Starmer (64) erklärte bereits im Februar, im vorangegangenen Jahr habe es mehr als 20 potenziell tödliche iranische Anschlagspläne auf britischem Boden gegeben.