Darum gehts
- USA nahe an bewaffnetem Konflikt mit Venezuela wegen Drogenbekämpfung
- Trump erklärt Drogenkartellen den Krieg, US-Flottille vor Venezuelas Küste
- Kopfgeld für Maduros Festnahme auf 50 Millionen US-Dollar verdoppelt
Es sind drastische Worte, die das stets gut informierte US-Nachrichtenportal «Axios» wählt: «Die USA waren einem bewaffneten Konflikt mit Venezuela noch nie so nahe.» Was ist da los?
US-Präsident Donald Trump (79) hat den Drogenkartellen den Krieg erklärt. Nun soll eine voll beladene US-Flottille vor der Küste Venezuelas den Drogenhandel bekämpfen. 2200 Marines sind an dem Einsatz beteiligt – ungewöhnlich viele.
Kopfgeld verdoppelt
Aussagen von Trumps Pressesprecherin Karoline Leavitt (28) lassen allerdings Zweifel daran aufkommen, dass die Verlegung des Marineverbands wirklich nur der Bekämpfung der Drogenkriminalität gewidmet ist. Die USA würden den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro (62) als «flüchtigen Chef eines Drogenkartells» betrachten und nicht als legitimen Präsidenten des südamerikanischen Landes.
Am 7. August hat das US-Aussenministerium das Kopfgeld für die Festnahme Maduros verdoppelt – auf 50 Millionen US-Dollar (40 Millionen Schweizer Franken). US-Aussenminister Marco Rubio (54) gilt als ebenso Maduro-feindlich wie Trump.
«Wenn Maduro nicht mehr an der Macht ist, wird niemand weinen»
Maduro war erstmals in Trumps erster Amtszeit angeklagt worden. Der Vorwurf: Er habe gegen US-Drogengesetze verstossen und sei Mitglied des Cartel de los Soles. Der Begriff wird für Gruppen innerhalb der venezolanischen Sicherheitskräfte verwendet, die mit Kokain handeln.
«Hier geht es zu 105 Prozent um Drogenterrorismus, aber wenn Maduro am Ende nicht mehr an der Macht ist, wird niemand weinen», zitiert «Axios» einen Insider aus Trumps Reihen. Ein anderer anonymer Regierungsvertreter sieht die Sache anders, spricht von «Noriega 2». Im Jahr 1989 führte eine Operation des US-Militärs zur Festnahme des panamaischen Präsidenten Manuel Noriega. Noriega wurde in den USA wegen Drogenhandels, organisierter Kriminalität und Geldwäsche verurteilt.
Wie wahrscheinlich ist eine militärische Eskalation?
Maduro reagierte wütend auf die Trumpsche Kanonenboot-Diplomatie. «Was sie Venezuela androhen – ein Regimewechsel, ein militärischer Terroranschlag – ist unmoralisch, kriminell und illegal», sagte Maduro am Freitag. Anschliessend rief er die Bürger dazu auf, sich einer Miliz anzuschliessen, um eine mögliche US-Invasion abzuwehren.
Die Regierungsvertreter, mit denen «Axios» gesprochen hat, schliessen eine Invasion zwar nicht aus, halten sie aber für unwahrscheinlich. Trump und Co. hoffen vermutlich darauf, dass Maduro seinen Rücktritt aushandelt oder von Militärangehörigen ermordet wird, die das Kopfgeld einstreichen wollen.