Trump fällt tief
Zapfsäulen, Mullahs und eine Vergewaltigung

Vor mindestens sieben Monsterproblemen steht der US-Präsident am Ende eines für ihn brutalen Sommers. Eingebrockt hat er sie sich selbst. Es wird ihm kaum gelingen, den Kopf vor den anstehenden Zwischenwahlen aus der politischen Schlinge zu ziehen.
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Donald Trump sieht sich nach mehr als 2,2 Milliarden Dollar Einnahmen im Jahr 2025 mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert.
Foto: IMAGO/May James / SOPA Images

Darum gehts

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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Auf dieses Podest hätte es Donald Trump (80) nie schaffen wollen. Seit gestern aber steht der Republikaner auf Rang drei der ewigen Liste der unbeliebtesten US-Präsidenten. Nur noch 33 Prozent der Amerikaner finden, er mache einen guten Job. Schlimmere Werte verkraften mussten nur Richard Nixon (1913–1994) während des Watergate-Abhörskandals (24 Prozent) und Harry S. Truman (1884–1972) während des Koreakriegs (22 Prozent).

Das ist ein Schlag ins gebräunte Gesicht des ratingvernarrten Ex-TV-Stars, just am Ende eines Katastrophensommers für den US-Präsidenten. Ob man ihn mag oder nicht: Der vermeintlich mächtigste Mann der Welt hat die Fäden nicht länger selber in der Hand. Wie sehr er sich ins Abseits manövriert hat, zeigen diese sieben Monsterprobleme.

1

Die Mullahs machen, was sie wollen

Trump kann den Irankrieg noch so oft für «gewonnen» erklären: Auch 171 Tage nach der amerikanischen Attacke auf Teheran zeigt sich das islamistische Regime nicht im Geringsten bereit, Zugeständnisse zu machen. Die Strasse von Hormus bleibt gesperrt. Die Verhandlungen über die Aufgabe des iranischen Nuklearprogramms haben nie wirklich begonnen. Ganze 80 Prozent der Amerikaner glauben, Trump werde den Krieg noch lange nicht beenden können.

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Donald Trump erlebt einen Katastrophensommer.
Foto: IMAGO/ABACAPRESS
2

Nicht mal Netanyahu hört noch auf ihn

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu (76), einstmals einer der loyalsten von Trumps Verbündeten, ist taub für dessen Wünsche. Den jüngsten Gaza-Friedensplan aus dem Oval Office hat «Bibi» kurzerhand zerschmettert. Während Israel in den USA prozentual so wenig Unterstützer hat wie noch nie, wird Trump zum zusehends verzweifelten Gefangenen seiner eigenen Netanyahu-Treue – ohne dass er den israelischen Ministerpräsidenten noch wirklich steuern kann.

3

Er geht zu Diktatoren wie andere zu Dominas

Trump kann seine Bewunderung für brutale Alleinherrscher nur schlecht verbergen. Zuletzt reichte ein Anruf aus Moskau, damit er sein «ihr dürft selber Patriot-Raketen bauen»-Versprechen an die Ukraine zurückzog. Anders als Wladimir Putin (73) muss Nordkoreas Kim Jong Un (42) noch nicht einmal zum Hörer greifen, um Trump umzustimmen. Allein die laut Trump «sehr gute Beziehung» zu Kim hat den US-Präsidenten Anfang Woche dazu gebracht, bei den gemeinsamen Militärübungen mit Südkorea den Rotstift anzusetzen – wortwörtlich deshalb, weil Trump keine «unangemessenen Signale» an Pjöngjang aussenden will. Dieses «Höfele» bei Diktatoren schadet dem Ruf der USA bei ihren Verbündeten ungemein.

4

Der Zapfsäulenschock dauert an

4.06 US-Dollar kostet die Gallone (3,8 Liter) Benzin in den USA inzwischen. Der Sprit ist damit 36 Prozent teurer als vor dem US-Angriff auf den Iran. Trump spielt das herunter. Wenn man «ein kleines bisschen mehr zahlen» müsse, um «ein sehr böses Land» von der Atombombe fernzuhalten, lohne sich das. Das sehen die wenigsten Amerikaner so. Zum ersten Mal seit zehn Jahren glauben mehr Amerikaner, dass die Demokraten die bessere Wirtschaftspolitik machen würden als die Republikaner. Eine Katastrophe für die Unternehmer-Partei.

5

Seine Milliarden lassen den Korruptionsalarm schrillen

2,2 Milliarden Dollar verdiente Trump laut seinen eigenen Finanzerhebungen im Jahr 2025, mehr als 5000-mal so viel, wie ihm der amerikanische Staat für seinen Präsidentenjob offiziell bezahlt (400'000 Dollar pro Jahr). Kritiker werfen ihm zudem vor, mehrfach politische Entscheidungen getroffen zu haben, die sein Aktienportfolio in die Höhe schnellen liessen. Zuletzt versuchte Trump sogar, ein neues Bezahlmodell für seine Plattform «Truth Social» zu etablieren. Für 100'000 Dollar im Monat soll man künftig schon vor allen anderen erfahren, was Trump jetzt dann gleich publizieren wird. Eine Art Überholpiste zu Trumps Gedanken, dank der man genau zum richtigen Zeitpunkt seine Trades machen kann. Dagegen läuft nun jedoch eine Klage

6

Die Vergewaltigung von 1996 holt ihn ein

Die Autorin E. Jean Carroll (82), die 1996 in einer Umkleidekabine in Manhattan von Trump vergewaltigt worden sein soll, hat vor dem Obersten Gericht recht bekommen: Trump muss ihr fünf Millionen Wiedergutmachung bezahlen. Den Entscheid kann Trump nicht mehr anfechten. Noch ausstehend ist die Frage, ob die Obersten Richter auch Carrolls Verleumdungsklage (Trump hatte sie im Laufe des Verfahrens mehrfach übel beleidigt) stattgeben. Das würde den US-Präsidenten weitere 83 Millionen kosten. Jetzt schon ist klar: Auch die konservative 6-zu-3-Mehrheit im «Supreme Court» hält Trump die juristischen Sorgen nicht vom Leib.

7

Tucker Carlson könnte ihm gefährlich werden

Noch vor zwei Jahren schwang der einflussreiche Kommentator Tucker Carlson (57) die Werbetrommel für Trump. Jetzt steht er offenbar kurz davor, mit anderen Ex-Trump-Anhängern eine neue Partei zu gründen («America First» soll sie heissen). Der Grund: Carlson und seine Kollegen sind nicht einverstanden mit Trumps Irankrieg. Auch wenn es im US-System extrem schwierig ist, eine neue Partei zu etablieren: Jede Spaltung auf der rechten Seite schadet Trump.

Fazit: Trumps Tricks funktionieren nicht mehr. Kaum etwas läuft so, wie es sich der US-Präsident erhofft. Den Preis dafür könnte er nach den anstehenden Zwischenwahlen (3. November) bezahlen: Verlieren die Republikaner mindestens eine der beiden Kammern, wird Trump politisch blockiert. Zudem könnten die Demokraten mit Sonderuntersuchungen Trump und seiner Gefolgschaft das Leben noch schwerer machen, als es nach dem Katastrophensommer sowieso schon ist.

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