Darum gehts
- Die Kanadierin Kalie McCrystal verschwand am 1. September am Matterhorn
- Sie wollte den Gipfel Auf- und Abstieg in unter fünf Stunden bezwingen
- Rund zwei Dutzend Menschen gelten derzeit am Matterhorn als vermisst
Sie wollte den Rekord. Am 1. September steigt die Kanadierin Kalie McCrystal (38) in den Liongrat ein. Ihr Ziel: Auf- und Abstieg auf der italienischen Seite des Matterhorns in unter fünf Stunden.
Andere Bergsteiger sehen die Extremsportlerin noch beim Abstieg auf knapp 4000 Metern. Dann verliert sich ihre Spur. Weder Helikopter-Aufnahmen noch Lokalisierungsversuche des Handys lassen auf den Verbleib der Kanadierin schliessen.
Familie nimmt Abschied
Mit jeder Stunde sinkt die Hoffnung, Kalie noch lebend zu finden. In einem emotionalen Statement nehmen Mutter und Schwester der Vermissten Abschied: «Alles deutet darauf hin, dass sie beim Abstieg gestürzt ist.»
McCrystal ist kein Einzelfall
Der Name Kalie McCrystal reiht sich ein in eine lange, traurige Liste. Auch wenn es kein offizielles Register gibt: Aktuell gelten rund zwei Dutzend Menschen am Matterhorn als vermisst oder ungeborgen. Die extreme Topographie und plötzliche Wetterumschwünge machen Suchaktionen oft unmöglich.
Finnischer Bergsteiger vermisst
Seit dem 31. Juli gilt ein finnischer Bergsteiger als vermisst. Er ist aufgebrochen, um den Gipfel des Matterhorns allein zu besteigen. Ein schweres Gewitter wird dem Finnen womöglich zum Verhängnis. Als er von seiner Tour nicht zurückkehrt, alarmiert seine Ehefrau die Behörden.
Augenzeugen wollen den Bergsteiger noch am Gipfel gesehen haben. Er verunglückte wohl erst beim Abstieg. Sowohl die italienischen als auch die Schweizer Behörden ermitteln. Bislang fanden sie jedoch nur Kleidungsstücke des Finnen und menschliche Spuren, die auf einen tödlichen Sturz hindeuten.
Das mysteriöse Verschwinden des Tengelmann-Chefs
Der prominenteste Vermisste ist Karl-Erivan Haub (1960–2018). Der Milliardär und ehemalige Chef der deutschen Tengelmann-Handelsgruppe ist seit 2018 spurlos verschwunden. Er brach damals zu einer Solo-Skitour am Schweizer Matterhorn auf. Obwohl später Bilder auftauchten, die Haub angeblich lebend zeigen, erklärte ein Gericht ihn 2021 offiziell für tot. Seinen Leichnam haben die Einsatzkräfte trotz einer grossangelegten Suche bis heute nicht gefunden.
Der älteste Vermisstenfall des Matterhorns
1865 macht sich eine siebenköpfige Gruppe auf den Weg, den Gipfel des Matterhorns zu erklimmen – zum allerersten Mal in der Alpingeschichte. Der Gruppe gelingt der Aufstieg. Doch beim Abstieg verunglücken vier der Bergsteiger tragisch.
Von drei Verunglückten findet man später die Leichname. Die menschlichen Überreste des damals 19-jährigen Lord Francis Douglas bleiben jedoch verschollen – bis heute. Das macht ihn zum am längsten Vermissten am Matterhorn.
Gedenkstätte für über 500 Tote
Auf dem Bergsteigerfriedhof in Zermatt VS steht ein Grabstein in Form des Matterhorngipfels. Der Schriftzug: «Grab des unbekannten Bergsteigers». Er erinnert an die über 500 Opfer seit der Erstbesteigung 1865 – und an all jene wie Kalie McCrystal, die bis heute als vermisst gelten.