Serbischer Archäologe meditiert halbnackt im Schnee
«Man gibt sich der Kälte hin»

Bei –10 °C in Shorts durch den Schnee: Der Archäologe Vladimir Stevanovic aus Serbien sucht im Eis die innere Ruhe. Seine Abenteuer faszinieren Tausende auf Instagram.
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Vladimir Stevanovic schwört auf Kältetherapie.
Foto: AFP

Darum gehts

  • Vladimir Stevanovic meditiert im Schnee und schwimmt in Serbien in Eiswasser
  • Ärzte warnen vor Eisbaden und der Verschlimmerung gesundheitlicher Probleme
  • Durch seine Abenteuer gewann er Tausende Follower auf Instagram und Youtube
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Marian NadlerRedaktor News

Stundenlang in kurzen Hosen durch tiefen Schnee auf windgepeitschten Gipfeln stapfen: Für viele klingt das wie die Handlung eines Katastrophenfilms. Für Vladimir Stevanovic (41) ist es einfach ein ganz normaler Donnerstag.

Der Serbe streift seit fünfzehn Jahren durch die eisigen Hänge des Berges Besna Kobila (deutsch: «Zornige Stute») im äussersten Süden Serbiens. Er meditiert im Tiefschnee und taucht im eisigen Wasser der Bergseen. Der Archäologe sieht darin eine wohltuende Routine für seine Gesundheit – sowohl körperlich als auch seelisch. «Man gibt sich der Kälte hin, weil man weiss, dass sie einem nicht schaden wird», sagt er der Nachrichtenagentur AFP am Ufer eines zugefrorenen Sees.

Das ist das Ziel der Extremtherapie

Er behauptet, es bis zu fünfzehn Minuten in Eiswasser auszuhalten. Ausserdem ist er bereits sieben Stunden lang bei -10 °C nur mit Wanderschuhen und Shorts bekleidet gewandert. Berichte über seine Abenteuer, die er in den sozialen Medien teilte, haben ihm in Serbien eine gewisse Bekanntheit und mehrere Tausend Follower auf Instagram und Youtube eingebracht. Dort nennt er sich «Srpski ledeni covek» (deutsch: «der serbische Eismann»).

Er beteuert, dass er weder Rekorde noch Ruhm anstrebt. «Wenn ich ins Wasser tauche, ist mein Ziel, einen Zustand der Meditation und inneren Ruhe zu erreichen», erklärt er.

Ärzte warnen

In den vergangenen Jahren hat die Kältetherapie – Eisbäder und Schwimmen in zugefrorenen Seen – weltweit an Popularität gewonnen. Einer ihrer bekanntesten Vertreter ist der Niederländer Wim Hof, der eine Wellness-Methode entwickelte, die Kälteexposition mit Atem- und Konzentrationsübungen kombiniert.

Einige Studien stützen bestimmte Aspekte seiner Methode, doch ein wissenschaftlicher Konsens besteht in dieser Frage nicht. Ärzte warnen zudem vor extremeren Praktiken und dem Risiko, bestehende Gesundheitsprobleme zu verschlimmern.

«Kopf frei bekommen»

Vladimir liess sich von den spirituellen Praktiken tibetischer Mönche inspirieren. Seine Sprünge in eiskaltes Wasser sind heute jedoch weniger mystisch: Es geht ihm vielmehr darum, den intensiven Schock der extremen Kälte zu erleben.

«Es hilft, den Kopf frei zu bekommen. Es ist sehr effektiv, um Stress abzubauen», versichert der Wissenschaftler. Allen, die es selbst ausprobieren möchten, rät er allerdings davon ab, direkt ins eiskalte Wasser zu springen.

Eine langsame Gewöhnung ist wichtig. «Wenn man mit kaltem Wasser in Berührung kommt, ist das für ein oder zwei Sekunden sehr unangenehm, aber dann fühlt man sich schnell völlig entspannt. Danach stört einen die Kälte nicht mehr.»

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