Darum gehts
- Selenski warnt Airlines vor Russlands Luftraum wegen steigender Drohnenaktivitäten
- Ukraine verlagert Krieg nach Russland, setzt auf Langstrecken-Drohnenangriffe
- Easa warnt vor Überflügen in Westrussland, hohes Risiko für Flugzeuge
Ukraines Präsident Wolodimir Selenski (48) hat internationale Fluggesellschaften und Versicherer scharf gewarnt: Wegen massiv zunehmender Drohnenaktivitäten über Russland «wird der russische Luftraum faktisch gesperrt. Der von Russland begonnene Krieg schliesst seinen Himmel», so Selenski
Die Ukraine setzt immer häufiger auf Langstrecken-Drohnenangriffe gegen Ziele tief im russischen Territorium. Der Krieg wird zunehmend von der Front in der Ukraine in Gebiete weit in Russland verlagert, um Kreml-Herrscher Wladimir Putin (73) unter Druck zu setzen.
«Die sicheren Tage im russischen Luftraum sind vorbei», sagte Selenski am Dienstagabend in seiner täglichen Videoansprache. Er richtete sich explizit an alle Airlines, die russischen Luftraum nutzen, sowie an Versicherer und Betreiber von Flügen zu Schlüssel-Flughäfen wie Scheremetjewo und Domodedowo in Moskau und Pulkowo St. Petersburg.
«Himmel voller Drohnen»
Selenski betonte, die Ukraine bedrohe keine zivilen Flugzeuge. Doch es würden «so viele Drohnen im russischen Luftraum sein, dass man dies berücksichtigen muss». «Ein Himmel voller Drohnen ist kein Platz für die zivile Luftfahrt», so der Präsident. «Die sicheren Tage im russischen Himmel sind vorbei. Ein von Drohnen verseuchter Himmel ist kein Ort für die zivile Luftfahrt.»
Das ukrainische Aussenministerium werde internationale Organisationen umfassend über die Risiken im russischen Luftraum informieren. Bereits jetzt warnt die europäische Flugsicherheitsbehörde (Easa) davor, weite Teile Westrusslands zu überfliegen – das Risiko von Fehlidentifikationen und Abwehrmassnahmen sei zu hoch.
Swiss meidet russischen Luftraum
Der russische Luftraum ist für die meisten westlichen Airlines seit 2022 gesperrt – EU, USA, Kanada, UK und weitere Staaten erliessen Überflugverbote, Russland reagierte mit Gegenmassnahmen. Für europäische Airlines bedeutet das auf vielen Asienrouten erhebliche Umwege. Swiss fliegt Tokio (Narita) saisonal nonstop ab Zürich über eine nördliche Route durch die Polarregion und meidet russisches Gebiet vollständig. Die Flugzeit von rund 14 Stunden ist damit deutlich länger als vor dem Überflugverbot.
Auch auf Verbindungen nach Südostasien muss Swiss Russland umfliegen. Das verlängert Flugstrecken, erhöht Treibstoffkosten und kann die Reisezeit deutlich erhöhen – etwa auf den Strecken nach Bangkok oder Singapur.
Dennoch nutzen zahlreiche Airlines den russischen Luftraum weiterhin. Dazu gehören vor allem chinesische Carrier wie Air China, China Eastern, China Southern und Hainan Airlines sowie einzelne Airlines aus dem Nahen Osten und Ländern ohne entsprechende Überflugverbote. Sie können auf bestimmten Strecken die kürzeren Routen über Russland nutzen – ein Vorteil gegenüber europäischen und US-Airlines, der nun zum Sicherheitsrisiko wird.