Youtuber macht schockierende Weltkrieg-Falschaussage
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«Schweiz hat mitgemacht»:Youtuber macht schockierende Weltkrieg-Falschaussage

Schwurbel-Alarm bei Youtuber Marcant – es geht um die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg
Goldzahn-Lüge bei Disput über deutsche Politik – der Faktencheck

Bei einer Diskussion am Rande einer Demonstration in Deutschland behauptet der Youtuber Mercant fälschlicherweise, die Schweiz habe im Zweiten Weltkrieg Juden Goldzähne herausgerissen. Eine diplomatische Krise dürfte die Aussage aber nicht auslösen.
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Der deutsche Youtuber Marcant schwurbelt in einem kürzlich veröffentlichten Video plötzlich los.
Foto: Youtube / marcant

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Deutscher Youtuber Marcant behauptet fälschlicherweise, Schweiz habe Juden verfolgt und Gold gestohlen
  • Schweiz hat 30'000 Juden aufgenommen, 20'000 abgewiesen, Vergleich mit USA schwierig
  • Das EDA kommentiert Äusserungen Marcants nicht
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Marian NadlerRedaktor News

880'000 Aufrufe hat das Video des deutschen Youtubers Marc Keller (24) alias Marcant. Am 8. August demonstrierten rund 10'000 Menschen im ostdeutschen Plauen und forderten einen Rücktritt der Bundesregierung. Der linke Aktivist war vor Ort, diskutierte mit Demo-Teilnehmern – und äusserte sich auch über die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg.

Bei Minute 19:20 argumentiert ein Protestierender, dass sich die Schweiz aus Kriegen heraushalten würde. «Sie waren in beiden Weltkriegen nicht beteiligt», sagt der junge Mann. «Das stimmt nicht», hält Marcant dagegen. «Die Schweiz hat Juden aufgenommen, die verfolgt wurden, hat denen die Goldzähne rausgerissen, hat denen die Sachen abgenommen und sie dann ins KZ gesteckt», behauptet der Streamer. «Die Schweiz war nicht unbeteiligt. Die Schweiz hat mitgemacht», doppelt er nach. Zunächst hatte das Wirtschaftsportal Inside Paradeplatz über die Schock-Aussage berichtet.

Einen belastbaren historischen Beleg für Marcants Aussage gibt es nicht. Er vermischt an dieser Stelle allerdings zwei andere dunkle Kapitel der Schweizer Kriegsgeschichte.

Marcants Aussage ist falsch

Das Herausbrechen und Einsammeln von Zahngold war eine Praxis des NS-Lagersystems. NS-Raubgold gelangte vor allem über die Deutsche Reichsbank in die Schweiz. Es handelte sich laut Bericht der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg (UEK) um Gold, welches das Nazi-Regime den ermordeten oder überlebenden Opfern von Massenhinrichtungen sowie von Konzentrations- und Vernichtungslagern, insbesondere in Auschwitz-Birkenau und Lublin-Majdanek sowie in Belzec, Sobibor und Treblinka, raubte. 

SS-Hauptsturmführer Bruno Melmer lieferte Gold im Wert von mindestens 2,9 Millionen Dollar an die Deutsche Reichsbank. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte von der genauen Herkunft des Goldes aber wohl keine Kenntnis.

Der historische Kern lautet also eher: Die Nazis gelangten an die Goldzähne, Teile des Opfergoldes wurden eingeschmolzen und gelangten auch in die Schweiz. Das ist etwas grundlegend anderes als Marcants Falschaussage, die Schweiz hätte jüdische Flüchtlinge aufgenommen, ihnen die Goldzähne herausgerissen und sie anschliessend in Konzentrationslager verfrachtet.

Abgesehen von sogenannten Härtefällen galt ab 1938 in der Schweiz grundsätzlich die Weisung, jüdische Flüchtlinge an der Grenze zurückzuweisen, wie die Unabhängige Expertenkommission in einem weiteren Bericht festhält. Zurückweisungen erfolgten an mehreren Grenzabschnitten. «Fast 30'000 Juden wurden in die Schweiz aufgenommen, obwohl schätzungsweise 20'000 an der Schweizer Grenze abgewiesen wurden», schreibt das United States Holocaust Memorial Museum auf seiner Webseite. Die UEK nennt für die Kriegszeit rund 51'000 Zivilflüchtlinge, davon rund 20'000 Juden. 

EDA kommentiert Marcants Aussage nicht

Muss Marcant, der sich im Begleittext des Videos auf die Meinungs- und Kunstfreiheit in Deutschland beruft, wegen seiner Aussage mit Konsequenzen rechnen? Eine Strafanzeige gegen Marcant wäre zwar möglich. Ob seine Äusserung überhaupt einen Straftatbestand erfüllt, ist damit jedoch nicht gesagt.

Plant das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) gar den deutschen Botschafter einzuschalten? Die kurze Antwort: Nein. Das EDA kommentiere Äusserungen von Bürgerinnen und Bürgern grundsätzlich nicht, teilt Mediensprecherin Léa Zürcher mit. In Deutschland gelte, wie in der Schweiz, die Meinungsäusserungsfreiheit. Die offizielle Position des Bundesrats zur Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg sei der Erklärung zum Schlussbericht der UEK zu entnehmen. 

«Der Bundesrat wünscht, dass die Ergebnisse der UEK ein breites und interessiertes Publikum finden. Er lädt alle Bürgerinnen und Bürger ein, sich mit dieser wertvollen Aufarbeitung unserer Vergangenheit auseinanderzusetzen – im Wissen, dass es letztlich unmöglich ist, vergangene Fehler und Unterlassungen vollständig wieder gutzumachen», heisst es darin.

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