Darum gehts
- Im Februar 2026 wurde ein 26-jähriger Jude in Zürich von 40-jährigem Täter angegriffen
- 2025: 2185 antisemitische Online-Vorfälle, fast 40 Prozent Anstieg
- Bundesrat plant Aktionsplan gegen Antisemitismus mit systematischem Monitoring
In Zürich-Wiedikon wurde im Februar ein 26-jähriger orthodoxer Jude auf offener Strasse angegriffen. Der Täter tauchte unvermittelt auf und schlug mit den Fäusten auf den Mann ein. Mehrere Passanten griffen ein und konnten den 40-jährigen Angreifer überwältigen. Sie hielten ihn fest, bis die Polizei eintraf. Der Täter äusserte wiederholt antisemitische Beschimpfungen.
Vorfälle wie dieser haben seit dem Krieg im Nahen Osten zugenommen. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 177 antisemitische Vorfälle in der realen Welt registriert, wie der neue Antisemitismusbericht der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) und des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG) zeigt. Zwar ist die Zahl der Vorfälle im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent zurückgegangen, sie liegt jedoch weiterhin auf einem hohen Niveau.
Vorfälle weiterhin deutlich erhöht
Für den Generalsekretär des SIG, Jonathan Kreutner (47), gibt es keinen Grund zur Entwarnung. «Die Zahl der antisemitischen Vorfälle liegt noch immer dreimal höher als vor dem Terroranschlag vom 7. Oktober 2023», warnt er. Zudem hätten die Vorfälle im Internet stark zugenommen.
Laut dem Bericht wurden im vergangenen Jahr 2185 Online-Vorfälle registriert – das sind fast 40 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Beim grössten Teil der Fälle handelt es sich um antisemitische Verschwörungstheorien. Aber Schweizer Jüdinnen und Juden werden auch häufig für den Krieg in Gaza und für die Politik Israels verantwortlich gemacht. Auffällig ist, dass antisemitische Vorfälle in der realen Welt häufig Auslöser für antisemitische Kommentare im Internet sind.
Telegram als «Dreckschleuder»
Mit Abstand die meisten Vorfälle im Internet entfielen auf Telegram. Ein Grund dafür sei, dass die Plattform Hasskommentare kaum moderiere. «Die Plattform ist eine wahre Dreckschleuder», sagt Kreutner. Der SIG fordert deshalb, dass Plattformen künftig stärker zur Rechenschaft gezogen werden können. Das neue Plattformgesetz gehe zwar in die richtige Richtung, sagt Kreutner. Allerdings gelte es nur für grosse Plattformen – Telegram falle nicht darunter.
Der Bericht zeigt auch: Antisemitismus kommt nicht aus einem bestimmten Milieu. Die Vorfälle werden auf Akteure aus rechtsextremen, linksextremen und islamistischen Kreisen zurückgeführt. Aber auch Personen aus der sogenannten «Mitte der Gesellschaft» seien verantwortlich.
Bund erarbeitet Aktionsplan
Um Hass und Diskriminierung zu bekämpfen, hat der Bundesrat im Dezember 2025 die «Nationale Strategie gegen Rassismus und Antisemitismus» verabschiedet. Es soll in den Schutz und die Prävention investiert werden. Zudem möchte der Bund ein systematisches Monitoring einführen. Noch in diesem Jahr soll ein Aktionsplan erarbeitet werden, der festlegt, wie die Strategie konkret umgesetzt werden soll.
Kreutner steht der Initiative des Bundes positiv gegenüber. Er betont, dass insbesondere die frühe Aufklärung effektiv vorbeugen könne. Es sei deshalb wichtig, dass Antisemitismus sowie Rassismus bereits in den Schulen besprochen würden.