Er ist gläubiger Muslim und notorisch kriminell
Kosovare D. C. attackierte den Juden in Zürich

Der Tatverdächtige sitzt in U-Haft. Er betete in hiesigen Moscheen und hatte psychische Probleme. Das Migrationsamt entzog ihm vor Jahren die Niederlassungsbewilligung.
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D. C. (l.) in einer türkischen Moschee in Zürich.
Foto: zVg

Darum gehts

  • Kosovare attackiert orthodoxen Juden in Zürich-Wiedikon am Montagabend
  • Angreifer mit antisemitischen Beleidigungen, Ermittlungen klären Motiv
  • Seit 1997 in Schweiz, kriminelle Laufbahn und Aufenthaltsrecht verloren
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Fabian EberhardStv. Chefredaktor SonntagsBlick

Wer ist der Mann, der am Montagabend in Zürich-Wiedikon einen orthodoxen Juden niedergeschlagen hat? Die Polizei teilte lediglich mit, dass der mutmassliche Täter ein 40-jähriger Kosovare ohne festen Wohnsitz sei. Der Mann prügelte unvermittelt auf sein Opfer (26) ein. Passanten konnten ihn festhalten, bis die Polizei eintraf.

SonntagsBlick-Recherchen zeigen jetzt: Beim Kosovaren handelt es sich um D. C.*, einen gläubigen Muslim – und notorisch Kriminellen. Ein Foto zeigt ihn in einer türkischen Moschee in Zürich, den Zeigefinger zum islamischen Glaubensbekenntnis erhoben.

Foto von Diktator-Sohn

Im Internet hinterliess C. kaum Spuren. Auf einer Social-Media-Plattform veröffentlichte er 2022 teils wirre Postings, etwa ein Foto des Sohns des libyschen Diktators Muammar Gaddafi mit Herzsymbol und dem hebräischen Wort Shalom (Frieden). Er veröffentlichte auch Bilder und Videos von scheinbar zufälligen Orten in der Stadt, darunter das Gebäude der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich.

Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren wegen Verdachts auf ein Delikt gegen Leib und Leben eröffnet. Das genaue Motiv ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen. Klar ist: Während und nach dem Angriff rief der Kosovare antisemitische Beleidigungen.

Kriminelle Laufbahn

C. soll 1997 als Kind zusammen mit seiner Mutter in die Schweiz eingereist sein. Er besuchte eine Sonderschule und schlug bald darauf eine kriminelle Laufbahn ein: Drohungen, Diebstahl, Hausfriedensbruch. Später mehrfache Körperverletzung.

Am Mittwoch beantragte die Staatsanwaltschaft Zürich beim Zwangsmassnahmengericht Untersuchungshaft. Sicherheitsdirektor Mario Fehr (parteilos) kündigte gegenüber der «NZZ» an, dass der Kosovare die Schweiz «rasch verlassen» müsse. «Seitens des Kantons werden wir uns dafür bei den zuständigen Stellen einsetzen.»

Aufenthaltsrecht verloren

Tatsächlich stellt sich die Frage, warum der Angreifer überhaupt noch in der Schweiz ist. Das Zürcher Migrationsamt wies ihn bereits vor Jahren weg. C. rekurrierte jedoch gegen den Entscheid, worauf das Bundesverwaltungsgericht eine vorläufige Aufnahme anordnete – offenbar aus gesundheitlichen Gründen, wie der «Nebelspalter» publik machte. Da er die Schweiz zwischenzeitlich aber verlassen hatte, hat das Staatssekretariat für Migration kürzlich das Erlöschen der Aufnahmebewilligung festgestellt. Sobald dieser Entscheid rechtskräftig ist, könnte der Tatverdächtige theoretisch ausgeschafft werden.

Mehrere Quellen beschreiben den Kosovaren gegenüber SonntagsBlick als psychisch angeschlagen. Er habe mal in der Schweiz, mal im Ausland gelebt. Und teils einen verwahrlosten Eindruck gemacht. Laut öffentlichen Registern war sein letzter bestätigter Wohnsitz im Sihltal.

Die Tat vom Montagabend weckt Erinnerungen an frühere Angriffe, insbesondere an die Terrorattacke vom März 2024 in Zürich. Damals stach ein Teenager (15) mit einem Messer auf einen orthodoxen Juden ein und verletzte ihn schwer. Der Täter hatte kurz zuvor dem Islamischen Staat (IS) die Treue geschworen.

Jüdische Gemeinschaft schockiert

Die erneute Gewalttat sorgt besonders in der jüdischen Community für Bestürzung. «Solche Taten verstärken das ohnehin gestiegene Unsicherheitsgefühl innerhalb der jüdischen Gemeinschaft erheblich», schreibt der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) in einem Communiqué.

Der Vorfall verdeutliche, dass Antisemitismus in der Schweiz auf einem «erhöhten Niveau» bewege. Dies zeige sich nicht nur in der Zunahme antisemitischer Vorfälle, sondern auch in der steigenden Intensität. «Jüdisches Leben muss sich frei und sicher entfalten können – ohne Angst vor Anfeindungen oder Übergriffen», mahnt der SIG.

* Name geändert

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