«Er machte antisemitische Aussagen vor der Polizei»
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Medienchefin Stapo Zürich:«Er machte antisemitische Aussagen vor der Polizei»

Kosovare sollte die Schweiz längst verlassen haben
Orthodoxer Jude (26) mit Faustschlägen in Zürich attackiert

Ein 40-jähriger Mann wurde am Montag in Zürich verhaftet, nachdem er einen 26-jährigen orthodoxen Juden an der Manessestrasse angegriffen und antisemitisch beleidigt hatte. Das Opfer wurde leicht verletzt, Ermittlungen laufen.
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Es passierte in Wiedikon. (Symbolbild)
Foto: Keystone/Ennio Leanza

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Kosovare attackiert orthodoxen Juden in Zürich am Montagabend
  • Angreifer äusserte wiederholt antisemitische Beleidigungen vor der Polizei
  • 40-jähriger Kosovare ohne festen Wohnsitz wurde festgenommen
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Mattia JutzelerRedaktor News

Am Montagabend griff ein 40-jähriger Kosovare einen orthodoxen Juden in der Stadt Zürich mit Faustschlägen an. Als die Polizei am Tatort eintrifft, wird der 26-jährige Jude von seinem Angreifer am Boden festgehalten, heisst es in einer Mitteilung.

Der Angreifer konnte dank mehreren zu Hilfe kommenden Personen überwältigt und bis zum Eintreffen der aufgebotenen Stadtpolizei Zürich festgehalten werden. Er äusserte sich wiederholt beleidigend und antisemitisch, auch in Anwesenheit der Polizisten. Das Opfer erlitt beim Vorfall leichte Verletzungen, heisst es weiter.

Der Angriff passierte, als der 26-jährige orthodoxe Jude kurz nach 20 Uhr ein Haus in Wiedikon im Kreis 3 verlassen hatte. Er lief auf dem Trottoir entlang, als unvermittelt der Angreifer auftauchte und mit Fäusten auf ihn losging.

Kosovare sollte die Schweiz längst verlassen haben

Der 40-jährige Kosovare, der über keinen festen Wohnsitz in der Schweiz verfügt, wurde festgenommen. Derzeit laufen weitere polizeiliche Ermittlungen.

Der Mann sei polizeilich bekannt, allerdings nicht wegen ähnlicher Delikte, hiess es auf Anfrage von Keystone-SDA. Genauere Angaben machte die Sprecherin noch nicht. Auch zu seinem psychischen Zustand gibt es bisher keine Informationen. Ob er in Untersuchungshaft kommt, ist noch offen. Der Mann hat keinen festen Wohnsitz in der Schweiz.

Wie die Migrationsbehörde des Kantons Zürich am Donnerstag mitteilte, hätte der 40-Jährige schon vor einigen Jahren aus der Schweiz weggewiesen werden sollen. Wegen langwieriger Verfahren und einer vorläufigen Aufnahme durch das Staatssekretariat für Migration (SEM) befand er sich jedoch noch hier. Das SEM hat inzwischen das Erlöschen der vorläufigen Aufnahme festgestellt. Laut Migrationsamt werde der Mann ausser Landes geschafft, sobald der Entscheid rechtskräftig ist.

Schürfwunden an Körper und Hals

«Der Vorfall zeigt, dass antisemitische Gewalt in der Schweiz eine reale Bedrohung darstellt», schreibt der Schweizerische Israelitische Gemeindebund SIG in einer Reaktion auf den Angriff. Das Opfer habe laut dem Gemeindebund Schürfwunden am Körper und Hals erlitten und stehe unter Schock. 

«Es braucht eine klare gesellschaftliche Haltung und konsequentes staatliches Handeln gegen Antisemitismus in all seinen Erscheinungsformen, einschliesslich gewalttätiger Übergriffe», fordert der SIG. «Es zeigt sich auch einmal mehr, wie wichtig die von Stadt- und Kantonspolizei Zürich ergriffenen Schutzmassnahmen für die jüdische Bevölkerung sind.» Der Gemeindebund sei in Gedanken bei dem Opfer des Angriffs vom Montagabend und hoffe auf eine rasche Genesung.

IS-Anhänger stach auf Juden ein

Der jüngste Angriff reiht sich in eine ganze Serie antisemitischer Vorfälle, die in der Schweiz vor allem seit dem Angriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023 stark zugenommen haben. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 221 Vorfälle registriert, darunter war etwa ein versuchter Brandanschlag auf die Synagoge Agudas Achim. Die Zahlen von 2025 sind erst im Frühling verfügbar.

Am gravierendsten war bisher der Angriff vom 2. März 2024: Ein damals 15-jähriger Schweizer mit tunesischen Wurzeln stach mehrfach mit einem Küchenmesser auf einen orthodoxen Juden ein. Das Opfer überlebte schwer verletzt. Der Jugendliche bekannte sich in einem Video zum Islamischen Staat IS.

Antisemitische Vorfälle an Stadtzürcher Schulen

Der eingebürgerte Schweizer ist seither in einer geschlossenen Einrichtung. Wie die Oberjugendanwaltschaft im Januar auf Anfrage bekannt gab, will sie voraussichtlich im ersten Quartal Anklage gegen ihn erheben, also bis Ende März.

Im Januar entschied das Stadtparlament zudem, die Ausgaben für den Schutz jüdischer Einrichtungen zu verdoppeln, von einer auf zwei Millionen Franken im Jahr. Auch der Kanton Zürich verdoppelte seine Beiträge bereits von einer Million auf zwei Millionen. Zudem beteiligt sich der Bund an den Sicherheitskosten.

Auch an den Stadtzürcher Schulen ist Antisemitismus zunehmend Thema. Seit dem Angriff der Hamas auf Israel und dem Ausbruch des Gaza-Kriegs wurden 23 antisemitische Vorfälle gemeldet. Diese reichen von eingeritzten Hakenkreuzen in Pulten bis hin zu direkten Angriffen auf Kinder auf dem Schulweg.

In acht Fällen seien jüdische Schülerinnen und Schüler direkt betroffen gewesen. Ein Kind wechselte daraufhin von der öffentlichen Schule an eine Privatschule.

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