Schlittenhunde und Schiessbefehle
Das blüht den Amerikanern bei einem Grönland-Angriff

Dänemark ist einer der treusten Verbündeten der USA – und gerät jetzt trotzdem ins Visier von US-Präsident Donald Trump. Zwei Dinge will Trump von der Insel. Bekommen könnte er sie auch ohne Krieg. Ein Angriff würde blutig enden.
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Mit regelmässigen Übungen rund um Grönland versucht die dänische Armee zu signalisieren: Wir sind bereit.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Seit 75 Jahren können die USA mit Grönland machen, was sie wollen. 1951 sicherte das dänische Königreich, zu dem die grösste Insel der Welt gehört, den Amerikanern das Recht zu, jederzeit Militärbasen, Flugplätze und Häfen in den eisigen Weiten zu bauen. Die Amerikaner dürfen über den Basen ihre Flagge hissen und zollfrei Gebrauchsgüter für ihre Soldaten einfliegen. Präsent sind sie auch heute noch: auf der Pituffik Space Base, einer auf Überwachung spezialisierten Basis im Nordwesten Grönlands. 

Das aber reicht Donald Trump (79) offenkundig nicht mehr. Statt einfach die über 30 stillgelegten Armeebasen, die die USA im Kalten Krieg in Grönland unterhielten, wieder in Betrieb zu nehmen, denkt er laut über einen militärischen Angriff nach. Kalaallit Nunaat, wie die 57'000 Grönländer ihre Heimat nennen, interessiert Trump nicht nur aus militärstrategischen Gründen, sondern auch wegen seiner seltenen Erden. Doch: Wenn Trump tatsächlich zum Sturm auf das Eiland bläst, dürfte es für die USA eine böse Überraschung geben.

Eine eigene Armee hat Grönland zwar nicht, aber mehrere Hundert dänische Spezialkräfte, mehrere Kriegsschiffe und moderne Drohnen, die unter dem Kommando von Arktis-General Søren Andersen (58) rund um die Uhr Wache schieben.

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85 Prozent der Grönländer wollen nicht zu den USA gehören.
Foto: AFP

Trumps Team scheint davon auszugehen, dass Andersen und seine Mannen bei einem Angriff kurzerhand die Waffen strecken würden. Doch damit dürfte der US-Präsident weit danebenliegen. Die Dänen, Nachfahren des Kriegervolks der Wikinger, würden im Leben nie klein beigeben.

Sie würden sofort schiessen

«Wir haben einen Plan, um Grönland zu verteidigen», gab Andersen dem «Wall Street Journal» zu Protokoll – auch für den Fall eines US-Angriffs. Wie der genau aussieht, wollte der Arktis-General nicht erklären. Aber: Laut einem noch immer geltenden königlichen Dekret vom 6. März 1952 – der «Kongelige anordning nr. 63» – müssen seine Soldaten bei einem Angriff auf Grönland «unverzüglich kämpfen und nicht auf Befehle warten». 

So aussichtslos der Widerstand gegen die anstürmenden Amerikaner auch wäre: Die Dänen wollen mindestens Eindruck schinden. Die gross angelegte grönländische Militärübung «Arktisches Licht» vom September 2025 war primär dazu gedacht, den Amerikanern aufzuzeigen, dass man bereit ist für alle möglichen Angriffsszenarien. Das betonten Insider gegenüber dem Fernsehsender CNN.

Dänemark hat im vergangenen Jahr seine Militärinvestitionen massiv erhöht. Knapp steht es allerdings um Artilleriemunition. Die hat das Königreich in einer grosszügigen Geste an die Ukraine abgegeben. Aber immerhin: Die Spezialeinheit Sirius, die mit Schlittenhunden entlang der schroffen Ostküste Grönlands patrouilliert, wirbt derzeit um neue Anwärter. 

Wird nächste Woche alles geklärt?

Mit allzu viel Gegenwehr aus der Zivilbevölkerung müssten einmarschierende US-Soldaten auf Grönland nicht rechnen. Anders als etwa in den baltischen Staaten, in denen die Bürger per Gesetz zum absoluten Widerstand gegen Invasoren verpflichtet sind, gibt es in Grönland keine Vorschrift zur Verteidigung. 85 Prozent der Grönländer lehnen eine amerikanische Besetzung laut jüngsten Umfragen zwar ab. Viel dagegen tun aber könnten sie nicht. Für den Guerillakrieg sind die unbewaldeten Weiten der Insel ganz schlecht geeignet.

Kommende Woche wollen sich dänische und grönländische Vertreter mit US-Aussenminister Marco Rubio (54) treffen, um das Kriegsbeil im ewigen Eis zu begraben. Derweil intensivieren die dänischen Truppen auf Grönland ihre Übungen – paradoxerweise in den umfunktionierten Ex-Basen der Amerikaner, die unter ihrem Tycoon-Präsidenten plötzlich wieder ein Auge auf ihre alten arktischen Baracken werfen.

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