Raketen für Kiew und Sanktionen gegen Moskau – woher kommt der Sinneswandel?
Trumps neue Härte gegen Putin

Erst noch stauchte er Selenski im Oval Office zusammen und lud Putin nach Alaska ein. Nun gewährt Trump der Ukraine Patriot-Militärlizenzen und segnet knallharte Sanktionen gegen Moskau ab. Wir sagen, was hinter dem überraschenden Sinneswandel steckt.
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Eine Hassliebe: US-Präsident Donald Trump (l.) und Russlands Präsident Wladimir Putin.
Foto: IMAGO/SNA

Darum gehts

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Guido FelderAusland-Redaktor

Als Wolodimir Selenski (48) am 28. Februar 2025 im Oval Office über die Grausamkeiten des Krieges berichtete, kassierte er eine mächtige Ohrfeige. Der frisch eingesetzte US-Präsident Donald Trump (80) entpuppte sich doch ziemlich überraschend als Putin-Freund und stauchte den verdatterten Gast aus der Ukraine vor laufenden Kameras zusammen. Ein halbes Jahr später lud Trump Wladimir Putin (73) nach Alaska ein und stellte sogar eine neue Zusammenarbeit mit Russland in Aussicht.

Und jetzt? Das Bild hat sich komplett verändert. Wieder sass Selenski neben Trump im Oval Office. Dieses Mal lachten und scherzten beide. Mehr noch: Selenski kann gleich zwei grosse Geschenke mit nach Hause nehmen. Die USA verschärfen die Sanktionen gegen Moskau und dessen Handelspartner massiv und gewähren der Ukraine den Lizenzbau der so dringend benötigten Patriot-Abwehrraketen. Hat Trump definitiv mit Putin gebrochen?

Das erste Geschenk mit den Patriots machte Trump Selenski am Dienstag. Selenski verkündete: «Er hat zugesagt, uns die Lizenzen zu erteilen.» Wegen der fehlenden Abwehrraketen ist es den Russen in den vergangenen Wochen gelungen, mit ballistischen Raketen erfolgreich Städte wie Kiew anzugreifen.

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Die Bande sind enger geworden: Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski besuchte am Dienstag Donald Trump im Oval Office.
Foto: imago/UPI Photo

Selenski war nach Washington gereist, um an der Beerdigung von Lindsey Graham (†71) teilzunehmen. Der republikanische Senator aus South Carolina war überraschend gestorben. Weil er als wichtigster Fürsprecher der Ukraine in Trumps innerem Machtzirkel galt, befürchtete man schon, dass sich die USA nun ganz von Kiew abwenden würden.

Senat beschliesst Sanktionen

Das ist nicht eingetroffen. Im Gegenteil. In der Nacht auf Mittwoch folgte das zweite Geschenk, als der Senat das von Graham aufgegleiste Sanktionsprogramm gegen Russland guthiess. Und zwar mit einem überwältigenden Mehr von 86 gegen 12 Stimmen.

Das Paket umfasst Sanktionen gegen russische Führungskräfte, den Energiesektor und die Schattenflotte. Zugleich dürfen auch Russlands Handelspartner bestraft werden: Trump wird ermächtigt, Importzölle von bis zu 100 Prozent auf Waren aus Ländern zu erheben, die im grossen Stil mit Moskau dealen. Damit will Trump vor allem China und Indien dazu zwingen, von Russland Abstand zu nehmen.

Trump gibt grünes Licht

Die breite Mehrheit im Senat zeigt: Die Russland-Skepsis in den USA wächst. Da hat der verstorbene Lindsey Graham seinen grossen Anteil. Philipp Adorf, Republikaner-Forscher an der Universität Bonn, erklärt: «Trump hörte auf Graham, weil er aussenpolitische Härte mit demonstrativer persönlicher Loyalität verband. Er verkaufte die Sanktionen nicht als Ukraine-Hilfe, sondern als Zeichen amerikanischer Stärke.» 

Viele Republikaner waren laut Adorf schon lange für härtere Sanktionen, wollten aber keinen offenen Konflikt mit Trump riskieren. Selbst im MAGA-Lager dreht der Wind: Top-Influencerin Laura Loomer (33), früher für die Verbreitung russischer Propaganda bekannt, bat nach einem Kiew-Besuch für ihre Verschwörungstheorien um Entschuldigung und attackiert inzwischen Moskau scharf.

Nebst Grahams Lobbying für die Ukraine scheint Trump inzwischen auch zu erkennen, dass Putin die amerikanische Gesprächsbereitschaft nicht honoriert, sondern als Schwäche interpretiert. Adorf: «Es ist wohl nicht nur die Sorge um die Ukraine, die Trump antreibt, sondern das Gefühl, von Putin öffentlich vorgeführt zu werden.»

Trump unternimmt also klare Schritte, welche die Ukraine stärken und Moskau schwächen. Und dennoch: Von einem endgültigen Bruch mit Putin will Philipp Adorf nicht sprechen. Denn bei Trump wisse man nie: «Schon das nächste Telefonat mit Putin könnte seine Rhetorik wieder ändern.»

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