Propaganda trotz Internet-Ausfall
Mullah-Sprachrohr «Tehran Times» veröffentlicht Kriegs-Sonderausgabe

Drei Wochen nach Beginn der US- und israelischen Angriffe veröffentlicht das iranische Staatsorgan «Tehran Times» eine Kriegs-Sonderausgabe – nicht auf der eigenen, kaum erreichbaren Website, sondern als Bilder auf X.
Kommentieren
Titelseite der Online-Sonderausgabe der «Tehran Times» nach fast drei Wochen Krieg: Das Sprachrohr des Mullah-Regimes erklärt der Welt seine Sicht der Dinge.
Foto: X @TehranTimes79

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die «Tehran Times» veröffentlichte Sonderausgabe zu US- und Israel-Angriffen im Iran
  • Iran behauptet, erstmals US-F-35 abgeschossen zu haben, USA bestätigen nicht
  • Versicherungsprämien für Tankerschiffe in der Strasse von Hormus seien um 4000 Prozent gestiegen
  • Iranische Kronprinzessin äussert sich zur Schwäche des Mullah-Regimes
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
new.jpg
Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Die «Tehran Times» ist seit der Revolution 1979 das englischsprachige Sprachrohr des Mullah-Regimes. Seit Kriegsausbruch ist die Website der Zeitung kaum mehr erreichbar – und auch im Iran selbst ist das Internet weitgehend ausgefallen.

Am späten Donnerstag, rund drei Wochen nach Beginn der US- und israelischen Angriffe, hat das Staatsorgan als Bilder auf X eine vierseitige «Sonderausgabe zur Verteidigung Irans gegen US-amerikanische und israelische Aggression» veröffentlicht. Propaganda für die Welt – das eigene Volk kann sie kaum lesen.

«König der Lügen»

Die Titelseite ist eine Fotomontage: Donald Trump (79), sein Gesicht von unten, das MAGA-Käppi spiegelt sich – umkreist von Kampfjets und Drohnen. Darüber in riesigen Lettern: «The King of Lies» – König der Lügen. Der Untertitel präzisiert: Trump lüge darüber, warum er Krieg führe, was er erreiche, was er verloren habe – und sogar darüber, was er fühle. Gleich fünf separate Artikel widmet die Ausgabe dem Thema.

Als Beleg führt die Zeitung unter anderem an, Trump habe öffentlich behauptet, Iran habe «100 Prozent» seiner Militärkapazitäten verloren – während Israel täglich weiter Angriffe fliegt. Zudem habe er zunächst behauptet, vorab über einen israelischen Angriff auf ein iranisches Gasfeld informiert gewesen zu sein, diese Darstellung aber später zurückgenommen.

Die Botschaft: Washingtons Kriegsnarrativ sei nicht zu trauen.

Angeblich abgeschossene F-35

Zentrales Element der Ausgabe ist die Behauptung, Iran habe erstmals einen amerikanischen F-35-Tarnkappenjet abgeschossen. Offiziell bestätigt ist lediglich, dass eine US-Maschine beschädigt wurde, notlanden musste und der Pilot unverletzt blieb. Ob iranisches Feuer dafür verantwortlich war, lassen die US-Behörden offen. Die «Tehran Times» füllt diese Lücke mit einer maximal triumphalistischen Version.

«Führung unerschüttert»

Ein Leitartikel betont, Irans politische und militärische Führung sei «unshaken» – unerschüttert. Als Belege führt die Zeitung die Fortsetzung von Raketen- und Drohnenoperationen sowie öffentliche Auftritte von Regierungsvertretern an. Die Erzählung: Der Staat bleibe handlungsfähig, die Kommandostrukturen intakt, die Bevölkerung loyal.

Fussballerinnen als Propagandathema

Überraschend viel Raum widmet die Ausgabe den Spielerinnen der iranischen Fussball-Nationalmannschaft, die nach einem Turnier in Australien nicht zurückgekehrt sind. Die Zeitung deutet ihre Entscheidung als koordinierte westliche Geheimdienstoperation. Die Spielerinnen selbst erklärten, aus freien Stücken geblieben zu sein – aus Angst vor Repressionen und wegen fehlender Freiheiten für Frauen im Iran.

Schrödingers Hormus-Meerenge

Unter dem cleveren Titel «Schrödinger's Strait» – Schrödingers Meerenge – wirft die «Tehran Times» den USA vor, die Bedrohungslage in der Strasse von Hormus künstlich aufzublasen. Der Titel spielt auf das Gedankenexperiment des Physikers Erwin Schrödinger an: Eine Katze in einer Box ist gleichzeitig tot und lebendig – solange niemand nachschaut. Übertragen auf die Meerenge: Sie ist gleichzeitig offen und blockiert, je nach politischem Bedarf.

Als Beleg nennt die Zeitung explodierende Versicherungsprämien für Tankerschiffe – angeblich um 4000 Prozent gestiegen. Ob diese Zahl stimmt, lässt sich nicht unabhängig verifizieren. Das Narrativ: Nicht Teheran, sondern Washington destabilisiere die Weltmärkte.

Iran-Prinzessin: «Sie haben keine Angst mehr zu sterben»

Konträr zum Propagandablatt beschreibt Irans Kronprinzessin Noor Pahlavi, Enkelin des letzten Schahs, in einem Interview mit der «Jerusalem Post» einen fundamentalen Wandel im Iran: «Das Regime war noch nie so schwach.»

Die 33-Jährige ist in den USA aufgewachsen und hat Iran nie betreten – doch täglich erreichten sie Nachrichten aus dem Inneren, mit einer einzigen Botschaft: Die Menschen hätten Angst, dass das Regime überlebt, und dann mit den Folgen von 47 Jahren Verwüstung und einem noch brutaleren Vorgehen konfrontiert würden.

«Sie haben keine Angst mehr zu sterben», sagt Pahlavi. «Sie riskieren lieber ihr Leben im Kampf für eine bessere Zukunft, als so weiterzuleben wie bisher. Was auch immer wir im Exil zahlen – es ist nichts verglichen mit den Opfern der Menschen in Iran.»

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen