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Porträt von Ungarns baldigem Ex-Premier Victor Orbán
Vom Anti-Sowjet zum Anti-Europäer

Ungarns mächtiger Mann ist Geschichte: Viktor Orbán, 16 Jahre Ministerpräsident, Vordenker der Rechten und Brüssels Störenfried, abgewählt. Der Bezwinger: sein eigener Ziehsohn. Vom Anti-Sowjet-Rebellen zum entmachteten EU-Gegner.
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Aus und vorbei: Ungarns Langzeit-Premier Victor Orbán muss nach seiner historischen Wahlschlappe von der Landesführung abtreten.
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Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Viktor Orbán ist Geschichte: Vordenker der globalen Rechten abgewählt
  • Orbáns Partei Fidesz begann als liberale Jugendbewegung, wurde unter ihm zur autoritären Nationalistenpartei
  • Ungarns Justiz, Medien, Wahlrecht – alles umgebaut
  • Ohne Orbán nimmt Ungarn neuen Kurs Richtung Europa
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Am Ende, nach Paukenschlägen und EU-Blockaden, wurde er ganz Gentleman. Gratulierte vorbehaltslos seinem Herausforderer und Bezwinger, Péter Magyar (45) – wörtlich: Peter der Ungar.

Orbán, selbsterklärter Freiheitskämpfer, machte sich nichts vor. Gratulierte Magyar schon kurz nach der Schliessung der Wahllokale. Griff zum Telefonhörer und rief den Mann an, der ebenfalls Skepsis gegenüber einem Nato- und EU-Beitritt Kiews ausdrückt. Der ebenfalls wenig von Waffenlieferungen an die Ukraine hält.

Nuanciert zur Ukraine, ist Magyar klar pro-EU. Was Ungarn jetzt wählte. Nach 16 Jahren an der Macht ist Orbán für das Land ausgereizt. Das Wahlergebnis bezeichnete er von seinem Budapester Hauptquartier aus als «schmerzhaft, aber klar».

Bewundert von der globalen Rechten

Orbán scheute keinen Kampf und stellt sich den Konsequenzen, übernimmt Verantwortung, ohne Ausreden, ohne Schuldzuweisungen. Ein Mann, der austeilen und einstecken kann. Sich dabei aber zum Sinnbild des Anti-Europäers in Europa politisierte.

Sein Durchbruch begann 1989 als Rebell, beim Fall des Eisernen Vorhangs. In einer berühmten Rede forderte Orbán freie Wahlen und Sowjet-Rückzug. 1998 bis 2002 und dann ab 2010 war er Ministerpräsident.

An der Macht wandelte sich der einstige liberale Anti-Sowjet-Aktivist zum Putin-freundlichen Nationalisten, bewundert von der globalen Rechten. Seine Fidesz-Partei, die 1988 als radikalliberale Jugendpartei begonnen hatte, wurde unter Orbán zu dem, was sie einst verachtete: eine autoritäre Nationalistenpartei.

«Programmschreiber» Trumps

Für europäische und amerikanische Konservativen galt Orbán als Vordenker – seinen «Orbánismus» sah er als Blaupause für Trumps Politik.

In Brüssel war er vor allem als Vetospieler gefürchtet: Orbán blockierte wiederholt EU-Entscheide, die Einstimmigkeit erforderten, zuletzt einen 90-Milliarden-Euro-Kredit für die Ukraine.

Justiz, Medien, Wahlrecht – alles wurde nach seinen Regeln umgebaut. Jetzt verlor er gegen seinen ehemaligen Fidesz-Kader Magyar. Deutlicher kann das Orbán-Erbe nicht gerichtet werden. Newcomer Magyar und seine Tisza-Partei bezwangen den politischen Dinosaurier mit einer Zweidrittelmehrheit im Parlament. Genug für eine neue Verfassung. Und für einen neuen Kurs Richtung Europa.

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