Darum gehts
- Putin habe laut dem tschechischen Präsident Pavel Petr «obsessive Angst, getötet zu werden»
- Er glaubt nicht, dass es für Russland an der Front gut läuft
- Alle Nato-Pläne seien «defensiv»
Tschechiens Präsident Petr Pavel (64) hat im Podcast «Ronzheimer» des «Bild»-Journalisten Paul Ronzheimer scharfe Kritik an Kremlchef Wladimir Putin (74) geäussert und vor einer gezielten Eskalation gewarnt.
Nach Einschätzung des Ex-Nato-Generals versucht Russland, das Leben in der Ukraine unerträglich zu machen, um eine neue Welle von Kriegsflüchtlingen nach Europa zu erzwingen. Damit wolle Moskau demonstrieren, dass die Ukraine chancenlos sei und sich Russland am Ende durchsetze, so Pavel.
Wird Putin falsch informiert?
Zugleich bezeichnete der Spitzenpolitiker Putin als «sehr isoliert» und von Paranoia getrieben. «Er vertraut nicht vielen Menschen. Ausserdem hat er geradezu obsessive Angst davor, getötet zu werden. Und wenn er nur von einer begrenzten Zahl von Menschen umgeben ist, können diese ziemlich erfolgreich die Informationen filtern, die sie ihn hören lassen wollen.» Er glaube, dass Putin nach wie vor davon überzeugt sei, dass es an der Front gut läuft.
Er glaube, dass Russland besonders hinsichtlich Personal Schwierigkeiten habe. «Russland verliert jeden Monat Zehntausende Soldaten. Allein im September waren es rund 50'000 getötete und verwundete Soldaten, in nur einem Monat. Das übersteigt bei weitem das Tempo, in dem Russland seine Personalverluste durch Rekrutierung ausgleichen kann.»
Pavel: «Alle Nato-Pläne sind defensiv»
Putin und sein Team betonen stets, dass Russland keine Absicht habe, Nato-Territorium zu attackieren und dass allfällige Aggressionen nur von der Nato ausgehen. Dazu sagt Pavel: «Ich kann bestätigen, dass ich noch nie – obwohl ich über die höchste Sicherheitsfreigabe der Nato verfügte – einen Plan gesehen habe, der auf eine Offensive auf russischem Territorium abzielte. Einen solchen Plan habe ich nie gesehen. Alle Nato-Pläne sind defensiv.»
Pavels Aussagen besitzen besonderes Gewicht, da er nicht nur als Staatsoberhaupt eines EU- und Nato-Landes spricht, sondern vor seiner politischen Karriere der höchste Militärberater des Bündnisses war.