Darum gehts
- Zwei Amerikaner sterben im Januar bei ICE-Einsätzen in Minneapolis
- Ihre Familien bezweifeln die Regierungsangaben zu Notwehr – es werden Vorwürfe gegen ICE-Beamte erhoben
- Seit Dezember 2025 läuft «Operation Metro Surge» mit massiven Festnahmen
Die Lage in Minneapolis spitzt sich immer weiter zu. Innerhalb von drei Wochen starben zwei US-Amerikaner bei Einsätzen der umstrittenen Einwanderungsbehörde ICE. Die 37-jährige Renée Good am 7. Januar durch Schüsse eines Beamten, ebenso der Intensivpfleger Alex Pretti (†37) am Samstag, 24. Januar.
Auf Handyvideos ist zu sehen, wie mehrere ICE-Beamte Pretti zu Boden bringen und auf ihn einschlagen. Es folgt ein Kampf. Kurz darauf schiesst mindestens ein Beamter auf Pretti. Er stirbt noch vor Ort. Die Fälle werfen Fragen auf: Wer sind diese ICE-Beamten – und warum operieren sie in Minneapolis?
Was ist ICE?
Die Abkürzung ICE steht für U.S. Immigration and Customs Enforcement (auf Deutsch US-Einwanderungs- und Zollbehörde). Die Behörde ist beim Heimatschutzministerium angesiedelt und untersteht Heimatschutzministerin Kristi Noem (54). Gegründet 2003 nach 9/11, setzt sie Einwanderungsgesetze bundesweit durch. Aktuell sind 22’000 Beamte für ICE tätig.
ICE besteht aus zwei klar getrennten Einheiten: ERO (Verhaftungen, Abschiebungen von undokumentierten Migranten) und HSI (Ermittlungen zu Schmuggel, Menschenhandel, Cybercrime). Im Gegensatz zur Grenzpolizei (CBP) agiert ICE auch im Inland und reagiert somit auf Verstösse nach der Einreise.
Die Beamten überprüfen die Gültigkeit von Visa, verfolgen Straftaten im Zusammenhang mit Migration und decken Netzwerke innerhalb der USA auf. Zudem können sie Bundesgesetze durchsetzen, auch über das Einwanderungsrecht hinaus. Wer beispielsweise eine Festnahme behindert, kann selbst festgenommen werden.
Trump-Regierung lanciert «Operation Metro Surge»
Seit Dezember 2025 findet in Minneapolis die «Operation Metro Surge» statt. Dabei handelt es sich um eine Grossoperation, die darauf abzielt, undokumentierte Migranten festzunehmen und abzuschieben. Sie begann in den Twin Cities (Minneapolis und Saint Paul) und wurde später auf den ganzen Bundesstaat Minnesota ausgeweitet. Heimatschutzministerin Kristi Noem bezeichnete sie als grösste Einwanderungsdurchsetzungsmassnahme in der US-Geschichte.
Die Operation ist stark umstritten. Berichtet wird von einer massiven Eskalation der Gewalt und Härte der eingesetzten Taktiken, darunter Razzien in sensiblen Bereichen wie Schulen, Einschüchterung von Beobachtern und Festnahmen von Minderjährigen.
ICE als Symbol für harte Migrationspolitik
Unter Trump avancierte ICE zum Symbol harter Migrationspolitik. Die Regierung rüstete die Behörde massiv auf und erhöhte das Budget auf 85 Milliarden Dollar. Um schnell neue Leute zu gewinnen, wurden die Auswahlkriterien zuletzt gelockert. Die Trump-Regierung setzt vermehrt auf jüngere Beamte und holt Personen aus dem Ruhestand zurück.
ICE-Beamte geraten immer wieder mit lokalen Polizeikräften aneinander, Letztere verweigern offenbar immer öfter die Kooperation mit den Bundesbeamten. Seit Alex Prettis Tod hat sich die Lage weiter verschärft.
Derweil hält ICE in beiden Fällen an der Notwehrversion fest, während die Familie von Pretti und Zeugen die Protokolle weiter anzweifeln.
Droht ein neuer Shutdown wegen ICE-Finanzierung?
Hinzu kommt: Diese Woche stimmt der US-Senat über die weitere Finanzierung von ICE ab. Demokratische Abgeordnete wollen nun Haushaltsmittel blockieren, die für ICE vorgesehen sind. Es könnte somit zu einem neuen Shutdown kommen.
Die Debatte im Parlament dürfte hitzig verlaufen. Befürworter sehen ICE als notwendigen Schutzwall, Kritiker als unkontrollierte Macht im Inland. Ob die Behörde ihren Kurs in Minnesota nach dem neusten Todesfall anpasst, bleibt offen.