Darum gehts
- Jens Spahn tritt aus Haushaltsausschuss des Bundestages zurück, nach erneuter Kritik
- Ferientrip nach Sardinien sorgte für massive Kritik und öffentliche Empörung
- Spahns Rücktritt im Juli, Fotos und Kritik belasten Glaubwürdigkeit stark
Die nächste Erschütterung für die CDU: Mit einem Knall hat Jens Spahn (46) auch seinen Sitz im mächtigen Haushaltsausschuss des deutschen Bundestages abgegeben. Dies berichtet der «Spiegel» unter Berufung auf interne Nachrichten.
«Nach reiflicher Überlegung über das Wochenende werde ich auf meinen Sitz im Haushaltsausschuss verzichten. Alles rund um meine Person ist aktuell so politisiert, dass ein normales Arbeiten kaum möglich sein wird», heisst es in der Nachricht von Spahn an die Haushaltspolitiker der Union, die dem «Spiegel» vorliegt. Weiter betonte Spahn: «Zudem merke ich an und in mir selber, dass mein Rücktritt im Juli noch viel zu frisch ist, um wieder voll durchzustarten, als wäre nichts gewesen.»
Entscheidung nach mehrfacher Kritik
Erst vor wenigen Tagen war der ehemalige Fraktionschef der CDU/CSU erneut ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Nachdem er im Juli von seiner Position als Fraktionschef zurückgetreten war, fing auch sein Posten im Haushaltsausschuss des Bundestages kürzlich an zu wackeln. Ein privater Ferientrip Spahns auf Sardinien hatte für erneuten Unmut in den Reihen der Union gesorgt. Denn während sich seine Kollegen am Mittwoch in Berlin zu einer Sitzung des Haushaltsausschusses trafen, tauchten Bilder von Spahn auf, die ihn mit seinem Baby am Flughafen auf Sardinien zeigten. Offiziell hatte der CDU-Politiker seine Abwesenheit mit einer Erkrankung seines Kindes begründet.
Brisant: Die Ferienfotos tauchten in der Berichterstattung bei «Bild» auf. Kurz nach Veröffentlichung wurde der Artikel jedoch wieder entfernt, mit der Begründung, es handle sich um private Aufnahmen. Doch nun haben die gelöschten Fotos ein Nachspiel für Spahn. Am Freitag diskutierte die Arbeitsgruppe Haushalt in einer Sondersitzung über Spahns Zukunft im Ausschuss. Man kam zum Schluss, Spahn sein Amt noch auf Bewährung bis Dezember zu belassen.
Konzentration auf Wahlkreis und Familie
Nun hat Spahn jedoch selbst die Reissleine gezogen. Erst vor knapp vier Wochen hatte er den Posten als ordentliches Mitglied angetreten. Die Kritik nach dem neusten Ausrutscher des Politikers scheint das Fass nun jedoch zum Überlaufen gebracht zu haben. Im Juli war Spahn bereits wegen seiner Inanspruchnahme einer Leihmutterschaft in den USA in die Kritik geraten. Doppelmoral und Glaubwürdigkeitsprobleme wurden ihm vorgeworfen. Denn der ehemalige Fraktionschef der CDU/CSU hatte sich jahrelang vehement gegen die Legalisierung von Leihmutterschaften ausgesprochen und das bestehende Verbot in Deutschland verteidigt.
Wie es für Jens Spahn weitergeht, bleibt noch offen. In Absprache mit Fraktionschef Thorsten Frei werde er sich vorerst auf seine Arbeit für den Wahlkreis und seine Familie konzentrieren, erklärte er in der Nachricht weiter. »Mit welchen inhaltlichen Schwerpunkten es für mich weitergeht, entscheiden wir mit etwas zeitlichem Abstand», schrieb Spahn.