Darum gehts
- Donald Trump kritisiert Giorgia Meloni für mangelnde Unterstützung im Iran-Konflikt
- Meloni verteidigt den Papst, betont Italiens traditionell westliche Aussenpolitik
- Italien setzt militärische Zusammenarbeit mit Israel aus, trotz historischer Beziehungen
US-Präsident Donald Trump (79) wetterte am Dienstag heftig gegen die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (48). Er warf Meloni vor, ihn im Iran-Krieg nicht zu unterstützen und erklärte, die Italienerin habe «keinen Mut».
Der Streitpunkt: Melonis Äusserungen zum Papst, in denen sie den Pontifex nach Trumps Schimpftirade auf ihn verteidigte. Die 48-Jährige bezeichnete Trumps Aussagen als «inakzeptabel». Daraufhin zeigte Trump sich enttäuscht von Meloni. Er sagte: «Ich bin wirklich schockiert von ihr.»
«Ich habe damit gerechnet»
Auf eine direkte Stellungnahme nach dem Angriff verzichtete Meloni. Ihre Sprecher verbreiteten die Botschaft: «Es ist nicht das Ende der Welt. Wir haben lediglich gesagt, was wir denken», zitiert die italienische Zeitung «Corriere della Sera» einen Sprecher Roms. Laut «La Repubblica» soll Meloni nach Publikation des Interviews zudem gesagt haben: «Ich habe damit gerechnet.»
Für die Italiener hätte der Papst eine besondere Bedeutung. «Die Amerikaner verstehen nicht, dass der Papst nicht nur das Oberhaupt der katholischen Kirche ist, sondern auch eine besondere Rolle für die Italiener hat», soll Meloni laut «Corriere della Sera» gesagt haben. «Die italienische Regierung kann nicht anders, als diese Rolle zu verteidigen.»
So reagieren die Italiener
Bereits bei einem Auftritt in Verona hatte Meloni klargestellt: «Das ist nicht die Aussenpolitik von Giorgia Meloni, sondern die italienische Aussenpolitik der letzten 80 Jahre. Bündnisse zwischen Nationen ändern sich nicht, je nachdem, wer regiert. Wenn ich nicht einverstanden bin, dann sage ich es. Unsere geopolitische Ausrichtung ist europäisch und westlich – das hat Präsident Mattarella in seiner Neujahrsansprache betont, und ich stimme dem zu.»
Aussenminister Antonio Tajani (72) und Verteidigungsminister Guido Crosetto (62) verbreiteten nach dem Trump-Angriff fast die wortgleichen Botschaften über soziale Medien: Italiens nationale Interessen und strategische Ziele stünden im Zentrum. Auch die italienische Oppositionsführerin Elly Schlein unterstützt die Regierungschefin: «Niemand hat das Recht, unsere Regierung zu bedrohen.»
Diplomatische Bemühungen
Die Spannungen mit den USA kommen zu einem heiklen Zeitpunkt. Nur wenige Stunden vor der Trump-Kritik hatte Meloni die militärische Zusammenarbeit mit Israel ausgesetzt – trotz der historisch engen Beziehungen zwischen Rom und Tel Aviv. Ein ungewöhnlicher Schritt, der auch innerhalb ihrer Regierung für gemischte Reaktionen sorgte.
Nun aber stehen die Italiener offenbar in Kontakt mit den Amerikanern, um die Wogen zu glätten.