Ist der Krieg bald vorbei? 3 Gründe zur Hoffnung
Von Guido Felder, Auslandredaktor
Darf man hoffen? In der Nacht hat es mehrere Anzeichen für eine Entspannung am Persischen Golf gegeben.
- Bei einem noch unveröffentlichten Interview mit Fox Business soll Trump auf die Frage, ob der Krieg denn vorbei sei, geantwortet haben: «Er ist vorbei.» Das sagte Moderatorin Maria Bartiromo, nachdem sie das Weisse Haus verlassen hatte. Das Interview wird am Mittwoch um 12 Uhr (Schweizer Zeit) ausgestrahlt.
- Wie Präsident Trump am Dienstag in einem Interview mit der «New York Post» erklärte, könnten bereits in den kommenden zwei Tagen entscheidende Friedensgespräche in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad stattfinden. Laut CNN könnte für die USA wieder Vize J. D. Vance teilnehmen. Zuerst sprach er von Europa als Verhandlungsort, dann favorisierte er doch wieder Pakistan, weil da die Leute «hervorragende Arbeit» leisteten.
- Trotz der massiven Spannungen verzeichnete die Strasse von Hormus eine überraschende Zunahme des Schiffsverkehrs. Laut dem «Wall Street Journal» haben in den vergangenen 24 Stunden über 20 Handelsschiffe die Meerenge durchquert. Das US-Zentralkommando, das die US-Streitkräfte im Nahen Osten befehligt, gab zudem bekannt, am Samstag mit der Minenräumung begonnen zu haben.
Iran nutzte chinesischen Satelliten zum Ausspionieren von US-Basen
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Bei einem Raketenangriff des Irans auf den Luftwaffenstützpunkt Prinz Sultan in Saudi-Arabien wurden am 14. März fünf US-Tankflugzeuge zerstört. Die Attacke wurde im Nachhinein von US-Präsident Donald Trump bestätigt. Wie Recherchen der «Financial Times» jetzt zeigen, wurde der Iran bei diesem Angriff von chinesischer Technologie unterstützt.
Der Spionagesatellit TEE-01B machte vor und nach dem Raketenangriff detaillierte Aufnahmen des Luftwaffenstützpunktes. So konnte das iranische Militär seine Attacke deutlich präzisieren, heisst es im Bericht. Auch andere Militärbasen der USA in den Golfstaaten sollen durch den Satelliten ausspioniert worden sein, beispielsweise das Hauptquartier der fünften US-Flotte in Bahrain. Entwickelt wurde die Spionagetechnologie in China.
Der Satellit wurde laut der «Financial Times» bereits Ende 2024 von chinesischem Boden aus in den Orbit geschossen. Dort wurde er durch ein ausgeklügeltes Lieferverfahren an die Luft- und Raumfahrtstreitkräfte der iranischen Revolutionsgarden übergeben.
Satellitenbilder zeigen Wrackteile einer gesprengten US-Maschine
Von Guido Felder, Auslandredaktor
Neue Satellitenbilder zeigen eine Maschine der US-Armee, die bei der Bergung der abgeschossenen Piloten zurückgelassen werden musste. Auf einem Bild von Airbus, das von CNN veröffentlicht wurde, sind auf einem abgelegenen Flugfeld in der iranischen Provinz Isfahan die ausgebrannten Wrackteile zu erkennen.
Bei der waghalsigen Operation zur Evakuierung eines abgeschossenen F-15E-Piloten sanken zwei MC-130J-Transportflugzeuge ein, so dass sie nicht mehr starten konnten. Um die sensible Technologie nicht dem Iran zu überlassen, sprengten die US-Kommandos ihre eigenen Flugzeuge vor Ort.
Nun kritisiert auch Vance den Papst
Von Guido Felder, Auslandredaktor
Nach Trump poltert nun auch Vize J. D. Vance gegen Papst Leo XIV. Konkret stört ihn die Kritik aus Rom am Kriegsgeschehen. Der Papst hatte erklärt, dass Jünger Christi niemals auf der Seite derer stünden, «die einst das Schwert schwangen und heute Bomben abwerfen».
Vance hält dagegen: Es gebe sehr wohl Situationen, in denen militärisches Handeln gerechtfertigt sei – etwa bei der Befreiung Europas im Zweiten Weltkrieg oder der Rettung von Holocaust-Überlebenden. Das sagte er in einem Interview mit Turning Point USA in Georgia. Vance gab sich «frustriert» darüber, dass katholische Geistliche die US-Politik kritisierten.
Vance sagte aber auch, dass er es möge, wenn es Meinungsverschiedenheiten gebe. «Ich finde es gut, wenn der Papst sich zu Fragen der Einwanderung äussert, ich finde es gut, wenn der Papst über Abtreibung spricht, ich finde es gut, wenn der Papst über Krieg und Frieden spricht, weil ich denke, dass dies zumindest zu einem Gespräch anregt.»
Zuvor hatte sich Trump mit dem Papst angelegt. «Er liegt falsch», sagte er über die Friedenspredigt von Ostern. Wegen des Disputs zwischen den beiden Amerikanern hat nun auch Italiens Premierministerin Giorgia Meloni mit Trump gebrochen.
Lies hier den Artikel von meinem Kollegen Daniel Macher. Er schreibt, wie sich der Papst und Trump in die Haare gerieten.
USA berichtet über erfolgreiche Blockade
Von Angela Rosser, Redaktorin am Newsdesk
Seit gut einem Tag blockieren die USA nun die Strasse von Hormus. Wie jedoch die BBC und andere Medien laufend berichten, passieren trotzdem immer mehr Schiffe die Meerenge. Stellt sich also langsam die Frage, was und wen denn die 10'000 Soldaten und die Kriegsschiffe, die vor Ort im Einsatz sind, genau blockieren.
Das US-Militär erklärte, dass die Blockade für alle Schiffe, die iranische Häfen und Küstengebiete ansteuerten oder verliessen, gelte – ungeachtet der Nationalität. Ausgenommen seien lediglich humanitäre Lieferungen wie Lebensmittel und medizinische Güter. Diese würden aber vorgängig geprüft.
Am Dienstagabend teilt das US-Zentralkommando hingegen mit: «In den ersten 24 Stunden kam kein Schiff durch die US-Blockade hindurch, und 6 Handelsschiffe folgten der Anweisung der US-Streitkräfte, umzukehren und wieder in einen iranischen Hafen am Golf von Oman einzulaufen.»
Wie in einem früheren Tickereintrag bereits beschrieben ist, konnte MarineTraffic sehr wohl belegen, dass auch die Schiffe, die durchgelassen wurden, iranische Häfen angelaufen hatten.
Auch Analysen des Tech-Unternehmens Kpler, das Echtzeit‑Daten und Analysen für globale Handels‑ und Rohstoffmärkte anbietet, widerspricht dieser Aussage. Den Analysten zufolge haben zwei aus iranischen Häfen kommende Schiffe die Meerenge passiert. Der Frachter «Christianna» soll unter liberianischer Flagge gefahren sein und der Methanol-Tanker «Elpis» unter der Flagge der Komoren..
Saudi-Arabien drängt die USA zur Aufhebung ihrer Hormus-Blockade
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Die US-Blockade der Strasse von Hormus läuft nun schon seit über 24 Stunden. Bereits am Montag hatten wichtige Nato-Verbündete der USA verkündet, die Vereinigten Staaten nicht bei der Abriegelung zu unterstützen. Jetzt kriegt Präsident Donald Trump (79) auch von einem Golfstaat Gegenwind zu spüren.
Wie das «Wall Street Journal» berichtet, drängt Saudi-Arabien die USA dazu, die Blockade der Strasse von Hormus abzubrechen und die Verhandlungen mit dem Iran wieder aufzunehmen. Die Saudis befürchten, Trumps Massnahme könnte den Iran dazu provozieren, andere wichtige Schifffahrtsrouten in der Region ins Visier zu nehmen.
Gemeint ist damit laut dem «Wall Street Journal» insbesondere die Meerenge Bab al-Mandab zwischen Eritrea, Dschibuti und dem Jemen. Dieser Engpass ist momentan eine essenzielle Route für die Ölexporte Saudi-Arabiens. Das Königreich konnte seine Exporte zuletzt wieder auf das Vorkriegsniveau steigern, indem es sein Rohöl durch die Wüste zum Roten Meer und danach durch die Meerenge Bab al-Mandab transportierte. So kann Saudi-Arabien die Blockade der Strasse von Hormus umgehen, heisst es im Artikel.
Sollte sich der Iran von der US-Blockade allerdings stark provoziert fühlen, könnte die Islamische Republik ihre Verbündeten im Jemen damit beauftragen, Schiffe in der Meerenge anzugreifen. Die jemenitischen Huthi-Rebellen sind Teil der iranischen «Achse des Widerstandes». Bereits in der Vergangenheit haben die Huthis Schiffe in der Meerenge beschossen. Saudi-Arabien möchte dies um jeden Preis verhindern.
Trump über Meloni: «Bin von ihr schockiert»
Von Angela Rosser, Redaktorin am Newsdesk
Noch vor einem Jahr schienen sich der US-Präsident Donald Trump (79) und die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (49) gut zu verstehen. Beide positionieren sich gegen die «woke» Bewegung und gegen «globalistische Eliten».
Nun scheint sich der Wind gedreht zu haben. So lässt es sich anhand eines Interviews, das Donald Trump mit der italienischen Zeitung «Corriere della Sera» geführt hat, vermuten. Darin lässt er nämlich kein gutes Haar an Meloni und sagt er sei von ihr «schockiert» und meint damit die fehlende Unterstützung Italiens im Iran-Krieg.
Trump kritisierte auch ihre Haltung zur Nato und zur Energiepolitik scharf. «Die Italiener mögen es, dass ihre Präsidentin uns beim Erdöl nicht hilft? Das kann ich mir nicht vorstellen», sagte Trump.
Er sei enttäuscht von Meloni, die seiner Meinung nach keinen Mut zeige. Trump wirft Meloni weiter vor, dass Italien sich nicht aktiv an der Sicherung strategischer Ressourcen beteilige, obwohl es auf amerikanischen Schutz angewiesen sei.
Dass Meloni seine Äusserungen, die er jüngst über den Papst machte, als «inakzeptabel» kritisierte, lässt er ebenfalls nicht auf sich sitzen. «Sie ist inakzeptabel, denn es kümmert sie nicht, ob Iran eine Nuklearwaffe besitzt, die Italien in zwei Minuten zerstören könnte.»
Mit Meloni selber habe er noch nicht über all diese Themen gesprochen. Überhaupt habe es bereits länger keinen Kontakt mehr zwischen ihnen gegeben, so Trump. Der Grund sind politische Differenzen im Iran-Krieg. «Sie will uns nicht helfen, die nukleare Bedrohung zu beseitigen. Sie ist nicht mehr die Person, die ich dachte», sagt er.
Eine Reaktion der italienischen Ministerpräsidentin, die er früher noch als «fantastische Frau» bezeichnete, blieb bisher aus.
Daten zeigen: Vier Tanker passierten die Strasse von Hormus
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Die Liste an Schiffen, die es durch die Strasse von Hormus schaffen, wird immer länger. Von der BBC analysierte Schiffsverfolgungsdaten zeigen, dass vier mit dem Iran in Verbindung stehende Schiffe die Strasse von Hormus passiert bereits haben – dies, obwohl Washington eine Seeblockade verhängt hat.
Zwei dieser Schiffe hatten laut MarineTraffic iranische Häfen angelaufen. Den Daten zufolge passierte der Massengutfrachter «Christianna» die Meerenge am Montag nach Beginn der Blockade, nachdem er den iranischen Hafen Bandar Iman Khomeini angelaufen hatte.
Das zweite Schiff, das die Meerenge passiert hat, ist die «Rich Starry» – der chinesische Tanker, den wir bereits im Tickereintrag heute Morgen vorgestellt haben.
Das Schiff Murlikishan, das ebenfalls wegen Iran-bezogenen Handels unter US-Sanktionen steht, lief über Nacht von Lanshan in China aus und fuhr westwärts durch die Meerenge. Laut MarineTraffic befand er sich zuletzt östlich der iranischen Insel Qeshm.
Ein weiterer Tanker, die «Elpis», passierte die Meerenge am Dienstag in östlicher Richtung, nachdem er aus dem iranischen Hafen Buschehr gekommen war, wie die Verfolgungsdaten zeigen. Auch er steht unter US-Sanktionen, und sein Ziel ist unbekannt.
Laut der BBC ist es auch möglich, dass diese Schiffe falsche Positionsmeldungen gesendet haben – bekannt als «Spoofing» –, um ihren Standort zu verschleiern.
Swiss streicht Dubai-Flüge bis am 11. Juli
Von Patrik Berger, Redaktor Wirtschaftsdesk
Der Krieg im Iran beeinträchtigt den Flugverkehr im ganzen Nahen Osten massiv. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Heute Dienstag gibt die Swiss bekannt, dass sie bis und mit 11. Juli nicht nach Dubai fliegt. Als Grund nennt die Airline die «weiterhin volatile Situation».
«Betroffene Fluggäste können kostenfrei auf ein späteres Reisedatum umbuchen oder erhalten alternativ den vollständigen Ticketpreis zurück», schreibt die Airline. Man beobachte die Lage weiterhin aufmerksam und prüfe sie laufend gemeinsam mit den zuständigen Behörden in der Schweiz und vor Ort sowie in Abstimmung mit der Lufthansa Group, heisst es weiter.
Bisher hatte die Lufthansa-Tochter alle Flüge bis und mit 31. Mai ausgesetzt.
China: US-Blockade «gefährlich und unverantwortlich»
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Der chinesische Präsident Xi Jinping (73) hat deutliche Worte gewählt. Bei einem Treffen mit dem Kronprinzen von Abu Dhabi, Khaled bin Mohammed bin Zayed Al Nahyan in Peking, sagte der 73-Jährige, dass die Länder im Nahen Osten und am Golf respektiert und ihre Souveränität respektiert werden sollten.
Er verwies auf das Völkerrecht und betonte: «Wir dürfen nicht zulassen, dass die Welt zum Gesetz des Dschungels zurückkehrt», so Xi. Die Souveränität der Staaten müsse gewahrt werden.
«Die Wahrung der Autorität des Völkerrechts sollte nicht bedeuten, es nur dann anzuwenden, wenn es uns passt, und es abzulehnen, wenn es uns nicht passt. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Welt zum Recht des Stärkeren zurückkehrt.»
Die von den USA auferlegte Seeblockade sei zudem «gefährlich» und «unverantwortlich», betonte der Sprecher des chinesischen Aussenministers Wang Li bei einem Auftritt am Dienstag.
«Die USA haben ihre Militäroperationen verstärkt und gezielte Blockademassnahmen ergriffen, was die Spannungen nur verschärfen und das ohnehin schon fragile Waffenstillstandsabkommen untergraben wird», so Guo Jiakun an einer Pressekonferenz.
Gleichzeitig schlug Xi ein Vier-Punkte-Friedensplan zur Beilegung des Konfliktes zwischen den USA und dem Iran vor. Laut der Agentur werden darin die Grundsätze der «friedlichen Koexistenz», der «nationalen Souveränität» und der «internationalen Rechtsstaatlichkeit» sowie die Notwendigkeit einer Koordinierung in den Bereichen Sicherheit und Entwicklung hervorgehoben. Die genauen Punkte des Plans sind bisweilen unbekannt.
Zu Beginn des Krieges hat sich China zurückhaltend gezeigt, wie mein Kollege Guido Felder in dieser Analyse zeigt. Den Grund für das Verhalten erfährst du im Text.
«Ball liegt bei Teheran»: Treffen sich Verhandlungsteams erneut?
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran endeten am Wochenende ziemlich abrupt. US-Vize J. D. Vance (41) musste mit leeren Händen nach Hause reisen. Der 41-Jährige erläuterte nun die Hintergründe und erklärte, dass es für Trump «klare, rote Linien» gebe.
Trotz weiterhin bestehender Differenzen habe sich vieles in die richtige Richtung entwickelt, erklärte Vance im Gespräch mit Fox News. Jetzt liege es an Teheran, beim aus US-Sicht entscheidenden Thema – dem Atomprogramm – Zugeständnisse zu machen. «Wir haben tatsächlich sehr klargemacht, wo unsere roten Linien verlaufen.»
Diese lauten:
- Angereichertes Uran muss aus dem Land geschaffen werden
- Iran darf kein Uran mehr anreichern. Die USA verlangen die Aussetzung mindestens für 20 Jahre, berichtet das US-Magazin «Axios»
In dieser Frage hätten sich die Iraner zwar bewegt, «sie sind aber nicht weit genug gegangen», so Vance. Für US-Präsident Donald Trump sei klar: «Hier haben wir keinen Spielraum.» «Es ist das eine, wenn die Iraner sagen, sie werden keine Atomwaffe besitzen», sagte der US-Vize. «Es ist etwas anderes, wenn wir einen Mechanismus schaffen, der sicherstellt, dass das nicht passieren wird.»
Dennoch planen die USA, die Gespräche fortzusetzen. US-Beamte sagten in der Nacht gegenüber der Nachrichtenagentur AP, dass derzeit eine neue Verhandlungsrunde ins Visier genommen werde. Neben Gesprächen in Islamabad ist wohl auch der Standort Genf im Spiel.
Auf Anfrage erklärt das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA): «Die Schweiz ist jederzeit bereit, ihre guten Dienste anzubieten. Das EDA steht mit allen involvierten Parteien in Kontakt und hat seine Bereitschaft bekräftigt, jede diplomatische Initiative zu unterstützen, die zu einem Frieden beitragen kann.»
Reuters berichtet derweil unter Berufung auf vier Quellen, dass eine weitere Gesprächsrunde noch diese Woche in Islamabad angesetzt sei.