Darum gehts
- Mindestens 1943 Tote nach Erdbeben in Venezuela, 10'000 Vermisste in La Guaira
- 135 Menschen sterben im zerstörten Hotel, nur 12 überleben
- Schweizer Rettungsteam mit 80 Experten, 8 Hunden vor Ort
Die Zahl der Toten nach den verheerenden Erdbeben in dem südamerikanischen Land Venezuela ist auf mindestens 1943 gestiegen. Das teilte Jorge Rodriguez, Präsident der Nationalversammlung Venezuelas, am Dienstagabend Schweizer Zeit mit. Mehr als 10'500 Menschen wurden nach Angaben des Politikers verletzt. In der schwer getroffenen Provinz La Guaira sind noch rund 10'000 Menschen vermisst.
Die Hoffnung auf die Bergung von Überlebenden wird immer kleiner. Rund 855 Gebäude sollen vollständig zerstört oder schwer beschädigt worden sein.
USA schafft Venezolaner aus – sie sterben bei Erdbeben
Unter den Toten befinden sich laut «Corriere della Sera» auch 135 Passagiere eines von den USA durchgeführten Abschiebeflugs, der am Tag der Erdbeben in der venezolanischen Hauptstadt landete. Begonnen hatte der «verfluchten Flug» im US-Bundesstaat Texas. Von den 147 Passagieren an Bord überlebten nur 12 die beiden Erdbeben mit Stärken von mehr als 7,0 auf der Richterskala.
Die Ausgeschafften wurden im Hotel Santuario La Llanada in La Guaira untergebracht. Dort sollten die Einreiseformalitäten erledigt werden. Wenige Stunden später erschütterten die katastrophalen Erdstösse das Land. Laut der italienischen Zeitung ist das Hotelgebäude fast vollständig zerstört worden.
So schlecht steht es um Venezuela
Andernorts konnten Einsatzkräfte aus Jordanien, die für eine humanitäre Rettungsmission nach Venezuela gekommen sind, ein Wunder vermelden: Sechs Tage nach den Erdbeben retteten sie einen dreijährigen Bub in La Guaira aus den Trümmern. Das berichtete die italienische Zeitung «La Stampa». Schon einen Tag zuvor konnten Helfer, die aus Ecuador angereist waren, einen 12-Jährigen aus den Trümmern befreien. Er war fünf Tage lang unter Schutt begraben gewesen. Aufnahmen der Retter zeigen, wie das Kind befreit wird und unter dem Applaus der Retter auf einer Trage weggebracht wird.
Aktuell befindet sich auch ein Schweizer Rettungsteam, bestehend aus 80 Spezialisten und 8 Suchhunden, in Venezuela. Sie arbeiten vor Ort in 12-Stunden-Schichten, um so viele Menschen retten zu können, wie es geht.
Venezuela steckte bereits vor den Erdbeben in einer tiefen Krise. Seit Jahren kämpft das Land mit politischen Konflikten, wirtschaftlichen Schwierigkeiten und einer der schwersten Migrationskrisen weltweit. Im Januar führte Washington eine Militäroperation in Venezuela durch, bei der der autoritäre Machthaber Nicolás Maduro (63) festgenommen wurde. Die amtierende Präsidentin Delcy Rodríguez (57) war zuvor Vizepräsidentin unter Maduro.