Darum gehts
Sanfte Worte, wattig weiche Alpen-Diplomatie: Das ist nicht der Stil von Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom (58). Der Demokrat, der aller Voraussicht nach Donald Trump (79) als US-Präsident beerben will, wählte am Dienstag in den Gängen des Davoser Kongresszentrums deutliche Worte: «Hört endlich auf, diesen Wahnsinnigen beschwichtigen zu wollen», wetterte Newsom. «Haut ihm in die Fresse! (Punch him in the face)», lautet sein Ratschlag an Europa im Umgang mit Trump.
So viel amerikanische Direktheit können sich die europäischen Würdenträger am WEF nicht leisten. Die Botschaft aber, die Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (47) und EU-Chefin Ursula von der Leyen (67) für den amerikanischen Kollegen bereit hatten, war unmissverständlich.
«Wir dürfen nicht zögern, unser Anti-Zwangsinstrument einzusetzen», betonte Macron. Wenn Trump nicht aufhöre, wegen Grönland mit weiteren Zöllen zu drohen, müsse die EU ihre schärfste Waffe zücken. Das Instrument – eigentlich gedacht als Notwehr gegen die Chinesen – würde Gegenzölle oder den Ausschluss amerikanischer Firmen von öffentlichen Ausschreibungen möglich machen.
Macron, der seine Sonnenbrille während des gesamten Auftritts nie auszog (wegen eines Augenleidens, wie er zu Blick sagte), bezeichnete Trumps Zoll-Strategie als «sinnlos». «Lasst uns keine Zeit verschwenden mit wahnsinnigen Ideen. Das ist jetzt nicht der Zeitpunkt für einen neuen Imperialismus», warnte Macron.
Von der Leyens Warnung an Trump
Sein Rezept gegen Trump: Ruhe bewahren, die europäischen Investitionen in den eigenen Kontinent ankurbeln, dem Rest der Welt als verlässlicher, stabiler Handelspartner eine Alternative zu den zusehends vom Gesetz des Stärkeren geleiteten USA zu bieten. Am Donnerstag will Macron seinen «Freund» Trump in Paris zum Abendessen empfangen, wie er ihm in einer privaten, von Trump publizierten Nachricht mitteilte. Ob Trump zusagte, ist unklar.
Definitiv kein Tête-à-Tête gibt es zwischen dem US-Präsidenten und Ursula von der Leyen. Die EU-Kommissionspräsidentin forderte die anwesende Wirtschafts- und Politelite auf, eine «neue europäische Unabhängigkeit» zu bilden und die «geopolitischen Schocks» unserer Zeit als Chance zu sehen.
Es gäbe keinen Grund für Europa, sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Der Kontinent habe eine vielversprechende Verteidigungsindustrie. «Finnland verkauft den USA zum Beispiel gerade Eisbrecher», betonte von der Leyen – als wollte sie Trump sagen: Pass auf, Donald: Ohne europäische Innovation kommst du im hohen Norden eh nicht weit.
Von der Leyen machte zudem deutlich: Europa vernetzt sich grad weltweit – auch ohne Amerika. Vor wenigen Tagen war sie in Lateinamerika zur Unterzeichnung des Mercosur-Handelsabkommens. Am Wochenende reist sie nach Indien, um über Handel und neue Deals zu sprechen. «Wir stehen für Handel, nicht für Strafzölle, für Partnerschaften, nicht für Isolation», sagte sie.
Trump postet üble Memes
Und was macht Trump? Am Dienstag postete er auf seiner Plattform Truth Social zwei Memes: Eines zeigt ihn, wie er in Grönland die US-Flagge hisst. Daneben steht ein Schild: «Grönland – US-Territorium seit 2026». Das andere zeigt ihn, wie er im Oval Office einer europäischen Gästeschar (u.a. mit Macron und von der Leyen) eine Flipchart-Karte zeigt, auf der sowohl Grönland als auch Kanada zu Amerika gehören. Am Mittwoch wird er seine düstere Vision der Welt live hier in Davos vortragen.
Bleibt zu hoffen, dass die Polarlichter, die in der Nacht auf Dienstag am helvetischen Himmel auftauchten, vielleicht doch Vorboten eines nordischen Friedens waren, und nicht überirdische Alarmsignale, die uns vor einer neuen geopolitischen Sturmphase warnen wollten.