Darum gehts
- Einbruch in Gelsenkirchen: Über 3000 Schliessfächer Ende Dezember ausgeraubt
- Täter hinterliessen gezielt viele Haare am Tatort, vermutlich Abfälle aus Coiffeursalon
- Beute könnte über 100 Millionen Euro (92,7 Millionen Franken) betragen
Es klingt wie eine Episode der Netflix-Serie «Haus des Geldes»: Ende Dezember plünderten Einbrecher über 3000 Schliessfächer in einer Sparkasse im deutschen Gelsenkirchen. Von einer benachbarten Tiefgarage aus verschafften sich die Gangster zunächst Zugang zu einem Archivraum. Von dort aus drangen sie mit einem präzisen Spezialbohrer durch die Stahlbetonwand in den Tresorraum.
Die Polizei geht davon aus, dass die Täter mehrere Tage für die Kernbohrung benötigt hätten. Die Weihnachtsfeiertage und das anschliessende Wochenende schienen dafür optimal – denn abseits der Öffnungszeiten schien das Schaffen nicht aufzufallen. Noch immer fehlt jede Spur von den Tätern. Dafür haben sie zahlreiche falsche Spuren am Tatort hinterlassen.
Viele Haare und unzählige Spuren
Wie «Bild» berichtet, narrten die Sparkassen-Gangster die Polizei dabei mit einem ganz besonderen Trick. Im Tresorraum platzierten sie viele Haare – möglicherweise die Abfälle eines Coiffeursalons. Zusätzlich zur haarigen Angelegenheit hat die Polizei mit einer Unmenge an Spuren zu kämpfen. Rund 500'000 Objekte befanden sich auf dem Boden des Tresorraums und des angrenzenden Archivraums – und alle müssen akribisch untersucht werden.
Bei dem Sparkassen-Coup in Gelsenkirchen wurden 95 Prozent der Schliessfächer im Tresorraum geknackt. Die Polizei schliesst nicht aus, dass die Täter mehr als 100 Millionen Euro (rund 92,7 Millionen Franken) erbeuteten. Gold, Schmuck oder Bargeld – alles verloren.
So werden Schliessfächer gesichert
Das wirft auch Fragen auf, wie sicher Schliessfächer überhaupt sind. Grundsätzlich sind Banken dazu verpflichtet, den Schliessfachraum gegen unbefugten Zugriff zu sichern und diesen nach dem anerkannten Stand der Technik zu schützen, schreibt die deutsche Verbraucherzentrale auf ihrer Webseite.
Das können etwa massive Stahlfächer, einbruchhemmende Spezialtüren in Tresorräumen, Videoüberwachung, Bewegungssensoren oder spezielle Zugangsprozeduren mit mehreren Sicherheitsschritten sein. Aber: Sicherheitsmassnahmen können sich je nach Art des Gebäudes oder Ortes unterscheiden.
Im Fall der Sparkasse in Gelsenkirchen lagen die Schliessfächer im Untergeschoss des Gebäudes. Gegenüber «Bild» sprach ein ehemaliger Mitarbeiter der Filiale davon, dass es im Untergeschoss «überhaupt keine Videobewachung» gegeben habe. Auch Bewegungsmelder sollen im Tresorraum nicht vorhanden gewesen sein. Sein Fazit: «Ausserhalb der Geschäftszeiten bekommt niemand mit, wenn dort jemand drin ist.»
Was ist mit der Versicherung?
Die Frage nach der Versicherung von Schliessfächern macht den Millionen-Coup in Gelsenkirchen zusätzlich komplex. Generell gilt: Schliessfächer sind nicht automatisch oder gesetzlich versichert. Im Mietvertrag kann jedoch eine bestimmte Absicherung beinhaltet sein. Laut der Webseite der betroffenen Sparkassenfiliale wird der Inhalt eines Schliessfachs dort bis zu 10'300 Euro (etwa 9554 Franken) abgesichert. Das umfasse auch Bargeld.
Kunden, deren Schliessfachinhalt diesen Wert überschreitet, könnten leer ausgehen, wenn sie nicht eine zusätzliche Schliessfachversicherung für einen höheren Betrag abgeschlossen haben oder eine Höherversicherung über die Hausratsversicherung nicht greift. Denn auch die Hausratsversicherung enthält häufig Wertgrenzen, schreibt der deutsche Verbraucherschutz. Abzuwarten sind im Fall von Gelsenkirchen jedoch die Ermittlungsergebnisse.
Der deutsche Verbraucherschutz empfiehlt generell zur Absicherung, eine Inventarliste über alle Schliessfachinhalte zu erstellen. Zusätzlich sollten Kaufbelege oder Fotos gesammelt werden, um die Inhalte dokumentieren zu können.