Darum gehts
- Pentagon bestellte Kardinal Christophe Pierre im Januar zu kritischem Gespräch ein
- USA forderten Vatikan auf, ihre Aussenpolitik zu unterstützen, laut Berichten
- 250. Unabhängigkeitstags-Besuch des Papstes abgesagt, Pentagon weist Vorwürfe zurück
Das Verhältnis zwischen dem Pentagon und dem Vatikan ist offenbar zerrüttet. Laut mehreren US‑Medien hat das Pentagon im Januar den ranghöchsten Vatikan‑Diplomaten in Washington – Kardinal Christophe Pierre – zu einem ungewöhnlichen Gespräch einbestellt.
Dies, nur wenige Tage nachdem Papst Leo XIV. in einer Rede scharfe Kritik an der US‑Aussenpolitik geübt hatte. Bei dem Treffen, das hinter verschlossenen Türen im Verteidigungsministerium stattfand, sollen US‑Beamte dem Kardinal eine regelrechte Standpauke gehalten haben, schreibt «Free Press». Sie betonten demnach, dass die USA über militärische Macht verfügen, «um weltweit zu tun, was sie wollen» und erklärten, die katholische Kirche solle sich auf die Seite der Vereinigten Staaten stellen.
Subtile Drohung?
In der Auseinandersetzung fiel laut Berichten auch der Hinweis auf das sogenannte «Avignoner Papsttum» – eine historische Phase im 14. Jahrhundert, als die französische Krone die Päpste ins südfranzösische Avignon zwang und so politischen Einfluss auf die Kirche ausübte. Einige Vatikan‑Vertreter hätten dies als subtile Drohung verstanden, heisst es in dem Bericht.
Auslöser für die Unzufriedenheit auf US‑Seite war offenbar Papst Leos Haltung, dass die Diplomatie des Dialogs und des Konsenses zunehmend durch eine auf Gewalt gestützte Aussenpolitik ersetzt werde und «Krieg wieder in Mode» komme.
Papst-Besuch abgesagt
Die Spannungen sollen sogar zur Absage des Papst-Besuches anlässlich des 250. Unabhängigkeitstags geführt haben.
Das Pentagon bezeichnet die Medienberichte derweil als «stark übertrieben und verzerrt». Das Treffen sei respektvoll und fair abgelaufen. Der Vatikan hat sich zu dem Bericht noch nicht geäussert.