Darum gehts
- Lula gewinnt die Stichwahl in Brasilien knapp gegen Flávio Bolsonaro, der als Favorit galt
- Ein Richter verlängerte die Wahl um zwei Stunden wegen Verkehrsproblemen und Regenfällen im Land
- Trump verhängte hohe Zölle gegen Brasilien, mit Lulas Sieg droht mehr Streit mit Washington
Überraschung bei der Stichwahl in Brasilien: Der amtierende linke Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva (80) setzt sich gegen seinen rechten Rivalen Flávio Bolsonaro (45) durch.
Der älteste Sohn des Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro (71) war als Favorit in die Entscheidung gestiegen. Er hatte im ersten Wahlgang 2,2 Millionen Stimmen mehr als Lula erhalten. Doch der Präsident schaffte es offenbar, im letzten Moment das linke Lager zu mobilisieren.
Wahl verlängert
Nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen liegt Lula mit 51,8 Prozent uneinholbar vor Bolsonaro mit 48,2 Prozent. In den Wettmärkten hatte Bolsonaro noch am Sonntag als fast sicherer Sieger gegolten.
Für Streit dürfte nun die Verlängerung der Wahl um zwei Stunden sorgen. Ein Richter des Obersten Gerichts ordnete die längere Öffnung an, weil viele Wähler nicht rechtzeitig mit dem öffentlichen Verkehr in die Wahllokale kamen. Lulas Kampagne sprach von «Zwischenfällen» mit Bussen. Doch auch Bolsonaro wollte in einigen Gebieten eine Verlängerung wegen starker Regenfälle.
Links gegen rechts
Die Wahl galt als Richtungswahl zwischen einem linken oder einem rechten Kurs für das bevölkerungsreichste Land Lateinamerikas. Der langjährige Präsident Lula (2003 bis 2011 und seit 2023) ist vor allem bei den Armen beliebt. Gegner beklagen die hohe Kriminalität und Misswirtschaft. Flávio Bolsonaro wollte hingegen das Erbe seines rechtspopulistischen Vaters antreten, der von 2019 bis 2023 Präsident war.
Jair Bolsonaro war wegen eines Putschversuchs zu 27 Jahren Haft verurteilt worden und steht unter Hausarrest. Er galt als Verbündeter von US-Präsident Donald Trump (80).
Während Flávio Bolsonaro eine enge Zusammenarbeit mit den USA anstrebte, steht Lula mit Washington auf Kriegsfuss. Trump hat bereits hohe Zölle gegen Brasilien verhängt, um seinem Freund Bolsonaro zu helfen. Mit Lulas Triumph droht noch mehr Streit mit Washington.