Wahlen in Brasilien
Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Lula und Bolsonaro-Sohn

Brasilien entscheidet am Sonntag in der Stichwahl zwischen Amtsinhaber Lula da Silva und Rechtspopulist Flávio Bolsonaro. Nach Bolsonaros Vorsprung im ersten Wahlgang deuten Umfragen auf ein äusserst knappes Rennen hin.
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Am Sonntag treffen in der Stichwahl in Brasilien die zwei Präsidentschaftskandidaten Flávio Bolsonaro (links) und Lula da Silva (rechts) aufeinander.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Brasilien wählt im Stichentscheid zwischen Amtsinhaber Lula und Herausforderer Flávio Bolsonaro
  • Nach Bolsonaros Vorsprung im ersten Wahlgang wird ein enges Rennen erwartet, Gewalt prägt Debatte
  • Bolsonaro sucht Nähe zu den USA, Lula setzt auf Souveränität, Globalen Süden und China als Partner
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Mattia JutzelerRedaktor News

Brasilien geht erneut an die Urne. Drei Wochen nach der ersten Präsidentschaftswahl geht es diesen Sonntag um den Stichentscheid zwischen dem amtierenden linken Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva (80) und seinem Herausforderer, dem Rechtspopulisten Flávio Bolsonaro (45). Letzterer ist der älteste Sohn des Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro (71).

Der Rechtspopulist erhielt im ersten Wahlgang überraschend 2,2 Millionen Stimmen mehr als Lula. Rund 47 Prozent der Wählerinnen und Wähler entschieden sich Anfang Oktober für Bolsonaro, knapp 45 Prozent für den linken Amtsinhaber.

Keiner der beiden erreichte also die absolute Mehrheit. Aktuelle Prognosen prophezeien in der Stichwahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den zwei Kandidaten. In einigen Umfragen liegt Bolsonaro ganz leicht vor Lula, in anderen sind beide etwa gleich auf. Laut CNN könnte es die engste Wahl in der Geschichte Brasiliens werden.

Bolsonaro baut auf Härte gegen Kriminalität

Experten sehen eine grosse Frustration in der Bevölkerung über die Lebenshaltungskosten und die Kriminalität in Brasilien als Begründung für Lulas relativ schwache Ergebnisse im bisherigen Wahlkampf. Der Linke war Anfang Jahr als Favorit ins Rennen um die Präsidentschaft gestiegen und möchte seine vierte Amtszeit sichern.

Rund ein Viertel der brasilianischen Bevölkerung sieht Gewalt als das grösste Problem des Landes an. «Das ist ein Terrain, das den Bolsonaros stark in die Hände spielt, denn sie haben von Anfang an eine harte Linie in der Kriminalitätsbekämpfung zu ihrem Hauptthema gemacht», so Politologe Brian Winter zu CNN.

Nähe zu USA aufbauen

Bolsonaro möchte das grösste Land Südamerikas sowohl wirtschaftlich als auch ideologisch enger an die USA rund um Donald Trump (80) binden. Der US-Präsident gehört zu den wichtigsten Verbündeten des Rechtspopulisten. Mutmasslich auf Wunsch der Bolsonaros verhängte die Trump-Regierung etwa Zölle auf brasilianische Waren, um so den Druck auf Lula zu erhören. Das berichtete NTV.

Der amtierende Präsident hingegen baut auf brasilianische Souveränität, die Beziehungen zum Globalen Süden und zu China, dem aktuell wichtigsten Handelspartner des Landes. Welche Botschaft besser bei den Wählerinnen und Wählern ankommt, wird sich voraussichtlich in der Nacht auf Montag zeigen. Die Urnen in Brasilien schliessen um 21 Uhr Schweizer Zeit.

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