Loipen-Debakel in Italien
Skigebiet schlägt Alarm wegen Rücksichtslos-Touristen

In Trentino zerstören Spaziergänger und Schneeschuhläufer frisch präparierte Langlaufloipen. Die Betreiber wenden sich an die Öffentlichkeit und warnen: Es drohen Mehrkosten und Stürze.
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Voraussetzung für einen gelungenen Langlauftag ist eine gut präparierte Loipe.
Foto: Thomas Linkel/laif

Darum gehts

  • Spaziergänger zerstören Loipen in Trentino, Betreiber bitten dringend um Rücksicht
  • Rekordschnee lockte 10'000 Besucher nach Roccaraso, Chaos und Sicherheitsrisiken folgten
  • Sölden verhängt Alkoholverbot bis April 2026, Strafe bis 2000 Euro
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Daniel MacherRedaktor News

Im norditalienischen Trentino sorgt ausgerechnet der Wintertourismus selbst für dicke Luft – und zwar mitten auf der Loipe. Immer häufiger marschieren Spaziergänger und Schneeschuhläufer quer durch frisch präparierte Langlaufspuren. Nun schlagen die Betreiber des Langlaufzentrums Centro Fondo Alpe Coe öffentlich Alarm.

Auf Facebook veröffentlichten die Verantwortlichen ein Foto, das Langläufern wehtut: Die perfekt gezogene Spur ist komplett zertrampelt. Dazu ein emotionaler Appell – man bitte, die Loipen nicht mit Winterstiefeln oder Schneeschuhen zu betreten. Die Spuren seien ausschliesslich für Langläufer gedacht.

«Das tut wirklich weh»

Die Folgen sind beträchtlich. Zerstörte Strecken verursachen Mehrkosten, vor allem aber entstehen Sicherheitsrisiken: Unebene Stellen können zu Stürzen führen. Gleichzeitig wächst der Frust beim Personal. Die Mitarbeiter präparieren abends stundenlang, nur um am nächsten Morgen Reklamationen von Sportlern zu hören, weil die Pisten bereits wieder ruiniert sind. «Das tut wirklich weh», schreiben die Betreiber.

Auch online kocht die Stimmung hoch. In den Kommentaren fordern zahlreiche Nutzer Kontrollen und Bussgelder. Erst, wenn Verstösse finanziell schmerzen würden, hielten sich gewisse Gäste an Regeln, lautet der Tenor.

Mit diesem Post auf Facebook wandte sich das Centro Fondo Alpe Coe an die Öffentlichkeit.
Foto: Facebook/Centro Fondo Alpe Coe

Auch Influencer sorgen für Ärger

Noch drastischer zeigte sich das Problem des Massentourismus kürzlich weiter südlich: im Skigebiet Roccaraso in den Abruzzen. Influencer hatten Rekordschnee in sozialen Netzwerken gezeigt – daraufhin organisierten Reiseanbieter aus Neapel Billig-Tagesausflüge. Rund 220 Busse und zahlreiche Autos brachten etwa 10'000 zusätzliche Besucher in den Ort. Er war komplett überfordert.

Auf den Pisten spielten sich chaotische Szenen ab: Gäste missachteten Regeln, rutschten mit improvisierten Schlitten aus Kochtöpfen den Hang hinunter oder entzündeten Grillfeuer im Schnee. Gleichzeitig blockierten Staus die Zufahrtsstrassen, Müll blieb liegen und Anwohner klagten über Sicherheitsrisiken. Der Bürgermeister sprach von einem «Angriff» auf den Ferienort. Die Behörden reagierten mit Zugangsbeschränkungen für Reisebusse und verstärkten Kontrollen.

Österreich greift hart durch

Auch Österreich kämpft mit den Schattenseiten des Wintersports – allerdings nachts. Der Ort Sölden im Ötztal greift wegen ausufernder Après-Ski-Partys zu drastischen Massnahmen: Seit dem 1. Dezember 2025 gilt bis zum 19. April 2026 ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen und Strassen im Ortskern. Hintergrund sind Lärm, Müll und betrunkene Gäste, die draussen weiterfeierten – teils sogar mit Biergläsern Fussball spielten.

In Lokalen darf weiterhin gefeiert werden, draussen jedoch nicht mehr. Wer offene Getränke mitführt oder konsumiert, riskiert bis zu 2000 Euro (knapp 1830 Franken) Busse. Die Botschaft der Gemeinden ist klar: Wintersport ja – aber bitte mit Regeln.

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