Darum gehts
- WEF startet heute in Davos, Irans Aussenminister Abbas Araghtschi nimmt teil
- Boykottaufruf gegen Anlass nennt Irans WEF-Teilnahme einen Skandal
- Araghtschi verteidigte zuvor Niederschlagung von Aufstand mit Tausenden Toten
Wann ist es noch Dialog, wann eine Plattform für ein Mörderregime? Heute beginnt das WEF, und der erste handfeste Skandal bahnt sich an. Es war bereits aussergewöhnlich, dass der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi (63) am Mittwoch die Möglichkeit erhielt, im Sender Fox News Irans harte Niederschlagung des Volksaufstands zu verteidigen. Es gibt Tausende Tote. Jetzt, kurzfristig eingefädelt, erhält Araghtschi beim WEF in Davos die Bühne.
Der Chefdiplomat Teherans wird am Donnerstag am Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in den Bündner Alpen teilnehmen. Das Gespräch wurde eben still und heimlich zur Agenda hinzugefügt, inmitten von Kontroversen über Irans Menschenrechtsbilanz.
Laut dem offiziellen Programm findet das «Gespräch mit Abbas Araghtschi, Aussenminister der Islamischen Republik Iran», am Donnerstag von 13 Uhr bis 13.30 Uhr statt, moderiert von Roula Khalaf (60), Chefredakteurin der britischen «Financial Times».
Boykottaufruf
Damit stellt sich Araghtschi einer kompetenten, integritätsstarken Journalistin – und einer Frau, der ersten an der Spitze der 131-jährigen Traditionszeitung. Auch wenn ihn Khalaf in die Mangel nehmen wird, ist in den sozialen Medien bereits heftige Kritik entbrannt.
Bernard-Henri Lévy (77), bekannter französischer Philosoph, Publizist und Intellektueller, der als eine der bekanntesten moralischen Stimmen Europas gilt, nennt «die plötzliche Anwesenheit Irans in Davos einen absoluten Skandal».
Lévy auf X: «Davos bezeichnet sich selbst als Hort des Dialogs, bietet aber einem Regime, das gerade 20'000 seiner eigenen Bürger massakriert hat, seine Plattform. Sollte Davos diese Einladung nicht zurückziehen, ist es in Verruf geraten und sollte boykottiert werden.»