Darum gehts
- USA beschlagnahmen zweiten Öltanker vor Venezuela
- Küstenwache führt Aktion mit Unterstützung des US-Militärs durch
- Venezuela verstaatlichte Anfang der 2000er Jahre Ölfelder ausländischer Firmen
Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Venezuela in der Karibik spitzt sich immer weiter zu: Nach Inkrafttreten einer US-Blockade gegen sanktionierte Öltanker auf dem Weg von und nach Venezuela hat die US-Küstenwache erstmals ein Schiff vor der Küste Venezuelas unter ihre Kontrolle gebracht.
«Die Küstenwache hat in Zusammenarbeit mit dem Kriegsministerium eine Blitzaktion durchgeführt», teilte die Behörde mit, die dem Heimatschutzministerium untersteht. «Die eiserne Faust der Streitkräfte und der Strafverfolgungsbehörden der Vereinigten Staaten beherrscht die Meere.»
Zuvor hatte bereits Heimatschutzministerin Kristi Noem (54) auf der Nachrichtenplattform X von dem Einsatz in der Karibik berichtet und ein Video veröffentlicht, das die Aktion zeigt. Die Ministerin kündigte an, weiter gegen die illegale Verschiffung von sanktioniertem Öl vorzugehen.
Trump: «komplette Blockade»
US-Präsident Donald Trump hatte wenige Tage zuvor eine «vollständige und komplette Blockade aller sanktionierten Öltanker auf dem Weg von und nach Venezuela» angeordnet. Er begründete dies damit, das südamerikanische Land habe Öl, Land und andere Vermögenswerte von den USA gestohlen – diese müssten zurückgegeben werden. Der Republikaner warf Venezuelas autoritärem Staatschef Nicolás Maduro zudem vor, «das Öl aus diesen gestohlenen Ölfeldern zur Finanzierung von Drogenterrorismus, Menschenhandel, Mord und Entführungen» zu nutzen.
Anfang der 2000er-Jahre hatte Venezuela Ölfelder verstaatlicht – betroffen waren ausländische und auch US-Firmen. In der Folge entbrannte ein Streit um Entschädigungszahlungen. 2019 hatte Trump in seiner ersten Amtszeit dann den staatlichen Ölkonzern PDVSA mit Sanktionen belegt.
Nur wenige Tage vor Trumps Blockade-Ansage hatte das US-Militär bereits einen Öltanker vor der Küste Venezuelas unter seine Kontrolle gebracht. US-Justizministerin Pam Bondi und FBI-Direktor Kash Patel erklärten damals, das Schiff sei Teil eines illegalen Netzwerks gewesen, das Öl zur Unterstützung ausländischer Terrororganisationen transportiert habe.
Venezuela spricht von «Raubüberfall und Piraterie»
Die Regierung des südamerikanischen Landes hatte die Erstürmung scharf verurteilt. Der Einsatz sei «ein dreister Raubüberfall und ein Akt internationaler Piraterie», hiess es in einer Stellungnahme des Aussenministeriums in Caracas.
Seit Monaten brodelt es zwischen Washington und Caracas. Immer wieder hat das US-Militär angeblich mit Drogen beladene Boote in der Karibik, teils auch im Pazifik, versenkt. Die US-Regierung gibt offiziell an, mit ihrem aggressiven Vorgehen Drogenkartelle bekämpfen zu wollen. Laut Experten gilt Venezuela nicht als Produktionsland von Drogen, sondern als Transitland – vor allem für den europäischen Markt.