Die USA haben nahe Venezuela einen sanktionierten Öltanker beschlagnahmt. US-Justizministerin Pam Bondi (60) veröffentlichte auf X Drohnenaufnahmen der dramatischen Aktion. Die Bilder zeigen, wie US-Marines aus der Luft den Tanker entern. Elitetruppen seilen sich aus einem Helikopter ab und stürmen mit gezückten Gewehren die Kommandobrücke. Von einer Besatzung war nichts zu sehen.
Bondi kommentiert die Aktion: «Seit mehreren Jahren wird der Öltanker von den Vereinigten Staaten wegen seiner Beteiligung an einem illegalen Ölschifffahrtsnetzwerk zur Unterstützung ausländischer terroristischer Organisationen sanktioniert.» Die Beschlagnahmung habe vor der Küste Venezuelas stattgefunden.
US-Präsident Donald Trump (79) bezeichnete das Schiff als den «grössten jemals beschlagnahmten Tanker». Die frühere «Adisa» fährt heute offenbar unter dem Namen «Skipper». Früher wurde der Tanker mit dem Schmuggel iranischen Öls in Verbindung gebracht. Laut US-Behörden handelt es sich um ein staatenloses Schiff, dessen Flaggen- und Eigentumsverhältnisse unklar oder manipuliert sind. Reeder ist die bereits sanktionierte Firma Triton Navigation mit Sitz auf den Marshallinseln.
Schattenflotte
Das Schiff gehört demnach zu einer «Schattenflotte»: Tanker, die Namen und Flaggen wechseln, Transponder abschalten und über undurchsichtige Routen Öl transportieren, um internationale Sanktionen zu umgehen. Der Tanker verliess Anfang Dezember das venezolanische José-Terminal. Das Rohöl soll teilweise für Kuba bestimmt gewesen sein.
Brisant ist auch die Lage: Das Schiff befand sich nahe dem umstrittenen Essequibo-Gebiet, das Venezuela beansprucht, international jedoch als Teil Guyanas gilt.
Druck auf Maduro
In der Region liegen bedeutende Offshore-Ölfelder, die Guyana zu einem aufstrebenden Ölproduzenten machen. Beobachter sehen die Beschlagnahmung daher nicht nur als Druckmittel gegen Präsident Nicolás Maduro (63), sondern auch als indirektes Signal der USA, die territoriale Integrität Guyanas zu stützen.
Die Aktion reiht sich ein in die grösste US-Marinepräsenz in der Karibik seit drei Jahrzehnten, offiziell zur Bekämpfung des Drogenhandels, tatsächlich aber auch als strategischer Druck auf das isolierte venezolanische Regime. Washington zog zusätzliche Soldaten in der Region zusammen und verlegte mehrere Kriegsschiffe in die Gewässer, darunter den weltgrössten Flugzeugträger.
Die venezolanische Wirtschaft, seit Jahren in der Krise, steht unter weiterem Druck: internationale Fluggesellschaften haben alle Flüge gestrichen, Ölverkäufe sind stark eingeschränkt, Millionen Menschen sind ausgewandert.
Strategisch wichtige Karibik
Die Enterung des Tankers gehört zur US-Operation «Southern Spear», einer Kombination aus Überwachung und militärischen Einsätzen gegen mutmassliche Drogenrouten.
In den vergangenen Wochen wurden zahlreiche Schiffe vernichtet und Dutzende mutmassliche «Terroristen» und Drogenschmuggler getötet. Der beschlagnahmte Tanker gilt als ein Paradebeispiel der sogenannten Schattenflotte, die versucht, venezolanisches Öl trotz Sanktionen zu verschiffen.
Mit der Aktion sendet die US-Regierung ein klares Signal: Sanktionen sollen durchgesetzt, Maduro weiter unter Druck gesetzt werden – und Washington markiert Kontrolle über die strategisch wichtige Karibik.