Ukraine zeigt Videos von der Offensive «Vivaldi»
1:08
Gebiete zurückerobert:Ukraine zeigt Videos von der Offensive «Vivaldi»

Kiew schreitet in umkämpfter Frontregion voran
«Ziel der Russen für die nächsten Wochen in weite Ferne gerückt»

Die Ukraine startet die Offensive «Vivaldi» und durchbricht russische Linien in der Region Donezk. Laut Kiew wurden bereits Dutzende Quadratkilometer zurückerobert – Analysten sprechen sogar von über 200. Was steckt dahinter und wie ist der Vorstoss zu bewerten?
Kommentieren
1/6
Die Gefechtslage in Lyman ist unübersichtlich – Kiew spricht von russischen Verlusten von bis zu 1500 Soldaten.
Foto: IMAGO/SNA

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ukraine startet Offensive «Vivaldi» im Donezbecken, durchbricht russische Linien bei Lyman
  • Analyse: Bis zu 240 Quadratkilometer Geländegewinn seit Mai möglich
  • Offensive offiziell am 15. September bestätigt, läuft aber seit Monaten
RMS_Portrait_AUTOR_332.JPG
Janine EnderliRedaktorin News

Kiew geht auf Angriff – und überrascht Verbündete sowie Gegner. Mit der Operation «Vivaldi» hat die Ukraine im hart umkämpften Donezkbecken eine neue Offensive gestartet. Bei der Stadt Lyman haben Truppen russische Linien durchbrochen und erobern nach eigenen Angaben Dutzende Quadratkilometer zurück.

Analysten, die öffentlich zugängliche Informationen auswerten, sprechen sogar von bis zu 240 Quadratkilometern Geländegewinn seit Mai. Das Institute for the Study of War (ISW) sieht Kiew hier erstmals seit der Kursk-Offensive 2024 wieder in der Initiative.

Doch ist das wirklich der grosse Wendepunkt – oder nur ein letzter Kraftakt vor dem Winter?

«Schwer, einzuschätzen»

«Die Offensive Vivaldi ist in ihrem vollen Umfang schwer einzuschätzen», erklärt Geopolitik-Experte Klemens Fischer (61) gegenüber Blick. «Auf der einen Seite wird strikte Geheimhaltung ausgegeben, auf der anderen Seite ist der Versuch der Ukraine, eine Entlastung im Bereich des Festungsgürtels zu erkämpfen, nicht mehr abzustreiten.»

Der Ansatz der Offensive im Sektor von Lyman diene dem Ziel, eine grossräumige Einkesselung des Verteidigungswalls im Donbass – der den letzten Wellenbrecher für den russischen Aggressor darstellt – doch noch abzuwenden.

«Die Ukraine kann durch die Wahl des Gefechtsfelds die innere Linie nützen und hat damit die Vorteile der kürzeren logistischen Wege auf ihrer Seite.»

Niederlage für Russland

Die Lage ist weiterhin sehr dynamisch. «Kiew gelang es jedoch vorerst, den Druck auf die dahinterliegenden Städte Slowjansk und Borowa massiv zu mindern.» Das russische Ziel, dieses Gebiet einzukesseln, sei damit für die nahe Zukunft in weite Ferne gerückt.

Der Name «Vivaldi» dürfte eine direkte Anspielung auf Antonio Vivaldis berühmtes Werk «Die vier Jahreszeiten» sein. Der Kommandant des 3. Armeekorps, Andri Bilezki, erklärte den Bezug selbst: «Unsere Operation heisst ‹Vivaldi›. Und Vivaldi hat bekanntlich vier Jahreszeiten. Dies ist erst die erste davon.»

Aus diesem Grund dürfte die Offensive länger dauern. «Der Deckname der Offensive, Vivaldi, lässt darauf schliessen, dass sie über einen längeren Zeitraum hin angelegt ist. Denkbar ist, dass sie im Sommer startete (erste Jahreszeit) und diese Phase der Vorbereitung diente», erklärt Fischer.

Der Angriff auf den Lyman-Sektor könnte auf die zweite Phase (Herbst) deuten, wobei diese Phase als «im Gang befindlich» anzusehen ist, denn sie habe erst Teilerfolge erzielt. «Die daran anschliessende dritte Phase (Winter) würde dementsprechend der Stabilisierung dienen, um so einen russischen Frontdurchbruch über mehrere Monate hinweg zu verhindern. Eine mögliche abschliessende vierte Phase (Frühjahr) müsste dann zwangsläufig eine breiter angelegte ukrainische Offensive sein.»

Warum Geheimhaltung?

Die Operation läuft schon seit Monaten. Offiziell bestätigt wurde die Offensive jedoch erst am 15. September. Laut Fischer hat das mit Kriegspropaganda zu tun. «Die Geheimhaltung machte vor allem für die erste Phase Sinn, mit dem ukrainischen Vorstoss ist diese Geheimhaltung aber obsolet geworden. Geheimhaltung zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann allenfalls noch die Pläne für die weiteren Phasen betreffen.»

Hier müsse jedoch klar darauf hingewiesen werden, dass der russische Generalstab über ausreichend Fachwissen verfüge, um die ukrainischen Optionen einschätzen zu können.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen