Chinesischer Arzt erklärt Symptome des Nipah Virus
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«Nach wenigen Stunden im Koma»:Chinesischer Arzt erklärt Symptome des Nipah Virus

Keine Impfung, hohe Sterblichkeit
Tödliches Nipah-Virus breitet sich aus – Alarm in Asien

Reisende aufgepasst: Im indischen Bundesstaat Westbengalen ist das gefährliche Nipah-Virus ausgebrochen. In Asien herrscht nun Alarmbereitschaft. Thailand verschärft etwa die Kontrollen an Flughäfen. Blick erklärt dir, was der Virusausbruch für Reisende bedeutet.
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Ein Ausbruch des Nipahvirus in Indien versetzt Asien in Alarmbereitschaft. Thailand kontrolliert Reisende aus der betroffenen Region an Flughäfen.
Foto: AP

Darum gehts

  • Nipah-Virus-Ausbruch in Westbengalen, Indien: Zwei Infizierte seit Dezember gemeldet
  • Virus kann tödliche Gehirnentzündung verursachen, Sterberate bis zu 75 Prozent
  • Übertragen wird das Virus meist von Tieren auf Menschen
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Sandra MarschnerRedaktorin News-Desk

In Asien wächst die Sorge nach einem Ausbruch des gefährlichen Nipah-Virus (NiV) im indischen Bundesstaat Westbengalen. Zwei Menschen haben sich seit Dezember mit dem Virus infiziert, teilte das Gesundheitsministerium mit. Auf den ersten Blick scheint diese Zahl niedrig, doch das Nipah-Virus ist hochgefährlich und weist eine Sterberate von bis zu 75 Prozent auf. 

Neben Indien haben deshalb weitere asiatische Länder ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. In Thailand werden Passagiere an drei Flughäfen, die Flüge aus Westbengalen empfangen, kontrolliert, schreibt «The Independent». Auch in Nepal werden die Kontrollen am Flughafen und an zentralen Grenzübergängen zu Indien verschärft. In Taiwan, China und Japan riefen die Gesundheitsbehörden zu erhöhter Wachsamkeit auf. 

Seuchenschutzmassnahmen verstärkt

An den thailändischen Flughäfen werden Techniken angewandt, die sich bereits während der Covid-Pandemie bewährt haben, schreibt «The Independent».

Passagiere werden auf Fieber und Symptome im Zusammenhang mit dem Virus untersucht. Zudem werden Gesundheitskarten mit Hinweisen verteilt, die Reisenden Anweisungen im Krankheitsfall geben. Am Flughafen Phuket seien ausserdem die Reinigungs- und Seuchenschutzmassnahmen verstärkt worden. 

Doch was macht das Virus überhaupt so gefährlich und wie können sich Reisende schützen? Blick hat für dich die Übersicht. 

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Wie kann man sich anstecken?

Das Nipah-Virus wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO als Hochrisikoerreger eingestuft. Übertragen wird das Virus meist von Tieren auf Menschen – vor allem von Flughunden. Diese knabbern Früchte an oder kontaminieren sie mit Urin, die dann später von Menschen verzehrt werden.

Auch Schweine können das Virus übertragen. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist laut WHO ebenfalls möglich, bei engem Kontakt mit Infizierten. Im Vergleich zum Coronavirus ist das Nipah-Virus jedoch deutlich schwerer zwischen Menschen übertragbar. 

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Was droht bei einer Ansteckung mit dem Virus?

Eine Infektion mit dem Nipah-Virus beginnt oft ähnlich wie bei einer Grippe. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC tritt nach 4 bis 21 Tagen Inkubationszeit zuerst Fieber auf. Zu den weiteren Symptomen zählen Kopfschmerzen, Muskelbeschwerden und starke Müdigkeit. Auch Atemwegsprobleme wie Husten, Atemnot oder Lungenentzündung können auftreten.

In schweren Fällen droht eine gefährliche und oft tödliche Gehirnentzündung (Nipah-Virus-Enzephalitis). Die Sterberate bei einer Infektion liegt laut Angaben der EU-Behörde für Krankheitsvorsorge (ECDC) je nach Virenstamm zwischen 40 und 75 Prozent. 

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Wo kommt das Nipah-Virus überall vor?

Erstmals entdeckt wurde das Nipah-Virus 1999 bei Schweinehaltern in Malaysia und breitete sich von dort nach Singapur aus. 300 Menschen wurden infiziert, über 100 starben. Seither wurden immer wieder Ausbrüche in Asien gemeldet, auch in Indien, Bangladesch und den Philippinen. Zuletzt verstarben im indischen Bundesstaat Kerala im Jahr 2018 17 von 19 Infizierten, im Jahr 2023 verstarben zwei von sechs bestätigten Infizierten. 

In der Schweiz gab es bisher keine bestätigten Fälle von Nipah-Virus-Infektionen, erklärt Mediensprecher Simon Ming vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf Blick-Anfrage. 

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Wie kann man sich schützen?

Aktuell gibt es keine Impfung gegen das Nipah-Virus. Nur eine Linderung der Symptome ist möglich. Umso wichtiger ist daher die Prävention. BAG-Sprecher Simon Ming zu Blick: «Wichtig ist, den Kontakt mit Flughunden und anderen Fledermäusen sowie mit deren Ausscheidungen in Risikogebieten zu vermeiden, und auf eine gute Lebensmittelhygiene zu achten, da kontaminierte Lebensmittel einen möglichen Übertragungsweg darstellen.»

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Worauf müssen Reisende jetzt achten?

In der Schweiz werden keine zusätzlichen Massnahmen eingeführt, auch nicht für Reisende aus Indien, erklärt das BAG. Ming: «Da die relevanten Tierreservoire in der Schweiz nicht vorkommen und eine effiziente Übertragung in der Allgemeinbevölkerung nicht zu erwarten ist, wird das Risiko für die Schweiz als gering eingestuft.» Denn das Risiko einer Ansteckung für Reisende nach Indien sei gering, insbesondere ohne engen Kontakt zu Erkrankten oder zum Umfeld eines Ausbruchs.

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